Neue Studie  Finden Schweinswale Offshore-Parks etwa doch gut?

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 28.05.2025 07:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schweinswale im Jadebusen vor Wilhelmshaven, zehn Meter vom Ufer entfernt. Foto: Michael Hillmann/Jadewale
Schweinswale im Jadebusen vor Wilhelmshaven, zehn Meter vom Ufer entfernt. Foto: Michael Hillmann/Jadewale
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Offshore-Windparks, Leitungsbau – schlecht für unseren heimischen Schweinswal, heißt es seit Jahren. Eine neue Studie sagt: Stimmt nicht. Der Schweinswal mag den Windpark sogar. Kann das sein?

Küste/Nordsee - Eine neue Studie zum Verhalten von Schweinswalen kommt zu einem überraschenden Ergebnis: „Unseren Erkenntnissen zufolge könnten die in Betrieb befindlichen Offshore-Windparks Schweinswale eher anziehen als abschrecken“, schreibt der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO). In den Parks gebe es mehr Nahrung und weniger Störungen. Also eigentlich ganz gemütlich?

Windräder im Offshore-Windpark Riffgat. Foto: Imke Oltmanns
Windräder im Offshore-Windpark Riffgat. Foto: Imke Oltmanns

Tatsächlich werden Schweinswale seit Jahren von Kritikern als Opfer der diversen Bautätigkeiten in der Nordsee (Windparks, Strom- und Datenleitungen) ins Feld geführt. Das Bauen, Rammen und Hämmern, der stete Schiffsverkehr – all das störe den Schweinswal bei dessen Jagd. Dazu muss man wissen, dass das Tier Unterwasserschall nutzt, um sich zu orientieren, zu kommunizieren und seine Beute im trüben Nordseewasser zu finden. Viel fremder Schall stört da natürlich.

Die neue Studie

Die Studie mit dem Titel „Harbour porpoise trends and offshore wind farm effects in the German Bight, North Sea. Analysis of CPOD data“ entstand im Auftrag des BWO mit Finanzierung der Mitgliedsunternehmen BP, Iberdrola, Ørsted, Gennaker GmbH, RWE Offshore Wind GmbH, Shell, Tennet Offshore GmbH, Vattenfall Vindkraft – also Unternehmen der Offshore- und Energiebranche. Erstellt wurde die Untersuchung von zwei Forschungs- und Umweltplanungsbüros.

Ihre Schlussfolgerungen stützen sie auf Daten, die zwischen 2010 und 2023 mithilfe sogenannter passiver akustischer Überwachung erhoben wurden. Im Grunde wurden die Klicklaute der Schweinswale unter Wasser abgehört; und zwar mit insgesamt 69 verschiedenen Stationen in der gesamten Deutschen Bucht. Man weiß also, wo sie sich wann aufhielten.

Das Ergebnis der neuen Studie

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Detektionsraten innerhalb von Offshore-Windparks signifikant höher sind als in deren Umgebung“, schreiben die Autoren der Studie in ihrer Zusammenfassung. Innerhalb von Offshore-Windparks halten sich demnach also mehr Schweinswale auf als in der Umgebung. Die Erklärung laut Studie: Zum einen bilden sich um die Fundamente der Windräder unter Wasser Riffe, die wiederum Fische anlocken; also Nahrung für den Schweinswal. Zum anderen bieten die Parks eine Art Refugium. Hintergrund: Niemand darf in die Offshore-Parks hineinfahren, keine Fischer, keine Ausflugsschiffe, kein Militärschiff. Im Grunde dürfen nur Wartungsschiffe hinein. Es ist also vergleichsweise ruhig.

Ein Errichterschiff im Offshore-Windpark Riffgat. Foto: Imke Oltmanns
Ein Errichterschiff im Offshore-Windpark Riffgat. Foto: Imke Oltmanns

Die Studie spricht im Ergebnis von kurzfristigen Störungen während des Baus der Windanlagen, aber eben auch von langfristigen positiven Effekten. Für die Offshore-Branche ist die Untersuchung ein Lichtblick. „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, differenziert und faktenbasiert über den Meeresschutz und die Energiewende zu sprechen“, wird BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm in einer Pressemitteilung zitiert. Wenn man den Ausbau der Windenergie auf See naturverträglich gestalte, so Thimm, entstehe eine positive Wechselwirkung.

Das sagt die Meeresökologin

Thea Hamm ist Meeresökologin bei der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und hat sich die BWO-Studie auf Nachfrage einmal näher angesehen. „Ja“, sagt sie anschließend, „das Ergebnis hat mich schon überrascht.“ Zwar stimme sie mit vielem überein; etwa, dass die Population der Tiere sich in den letzten drei Jahrzehnten innerhalb der Nordsee weiter südwärts verschoben hat.

Schweinswal im Jadebusen. Die Windräder stehen auf der östlichen Seite des Jadebusens. Foto: Michael Hillmann/Jadewale
Schweinswal im Jadebusen. Die Windräder stehen auf der östlichen Seite des Jadebusens. Foto: Michael Hillmann/Jadewale

Insgesamt leiteten die Autoren aber aus zu wenigen Daten zu klare Aussagen ab, findet sie. Ob Offshore-Windparks also tatsächlich eine gute Sache für die Schweinswale sind? „Das kann man nicht sagen“, so die Meeresökologin. Für so eine Aussage gebe es noch nicht genügend Daten.

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