Ex-Fußballer tritt in Hamburg an Lukas Siemers – vom Anfänger zum Ironman in neun Monaten
30 Wochen lang hat Lukas Siemers wöchentlich 20 Stunden trainiert. Am Sonntag startet der ehemalige Fußballer von Germania Leer bei der Triathlon-Langdistanz in Hamburg. Es ist das Finale eines beeindruckenden Projekts.
Hamburg - „Du spinnst doch“ oder „Du hast einen Knall“: Sätze wie diese hat Lukas Siemers in den vergangenen Monaten häufiger gehört. „Manche schütteln mit dem Kopf, wenn ich von meinem Trainingspensum erzähle. Es kam regelmäßig vor, dass ich vor vier Uhr aufgestanden bin, um vier, fünf Stunden Fahrrad zu fahren“, sagt der 27-Jährige. An diesem Sonntag, 1. Juni, steht das Sportevent an, auf das der gebürtige Rheiderländer und Ex-Fußballer von Germania Leer seit fast neun Monaten akribisch hinarbeitet: Er nimmt beim Ironman in Hamburg teil. 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und anschließend einen Marathon (42,2 Kilometer) laufen – Lukas Siemers wagt sich als Triathlon-Anfänger direkt an die Langdistanz heran.
„Wegen beruflicher Verpflichtungen hatte ich meine Fußball-Laufbahn beendet. Dann fehlte mir irgendwann das Ziel vor Augen und ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“, erzählt Lukas Siemers. „Da eignet sich Triathlon ganz gut, weil ich mein Training individuell an meinen Alltag anpassen kann. Der Ironman hat mich direkt gereizt.“
Fußballer beim FC Groningen und SV Meppen
Jahrelang hatte der in Bunde aufgewachsene Lukas Siemers Fußball als Leistungssport betrieben. In Jugendjahren wurde er am DFB-Stützpunkt gefördert, spielte beim FC Groningen und einige Jahre beim SV Meppen. Im Herrenbereich lief der Angreifer mehrere Jahre für den VfL Germania Leer auf, ehe er 2021 zum Landesliga-Kontrahenten SC Melle wechselte. Im Sommer 2023 beendete er seine Fußball-Laufbahn. „Ich bekomme es einfach nicht in meinen Alltag integriert, jeden Dienstag und Donnerstag zum Teamtraining zu gehen und am Wochenende zu spielen“, schildert Siemers. Grundsätzlich reizt ihn Fußball weiterhin. „Aktuell passt es aber einfach nicht.“ Dafür aber der Individualsport Triathlon.
Gemeinsam mit seinem Ironman-Trainer Alex Kukla, einem erfolgreichen Sport-Influencer, der selbst Extremsport-Athlet ist, erarbeitete Lukas Siemers einen Trainingsplan, den er seit Mitte September konsequent verfolgt. „Für eine Langdistanz ist das nicht besonders viel Vorbereitung. Zumal ich ja kompletter Neuling bin.“ Die Schwimmtechnik musste sich Siemers, der gerade in Münster sein Rechts-Referendariat absolviert, erst einmal beibringen. „Vorher war das eher planschen als schwimmen. Mittlerweile klappt das Kraulen sehr gut, auch im Freiwasser“, sagt Siemers.
15.000 Euro für Ironman-Vorbereitung
Auch beim Laufen hat sich der 27-Jährige, dessen Stärke nie die Ausdauer, sondern eher die Kraft war, schnell deutlich verbessert. „Ich bin mit zehn Kilometern und einer Pace von 5:30 Minuten auf einen Kilometer gestartet. Die Distanzen wurden schnell länger. Samstags bin ich dann eigentlich immer mindestens einen Halbmarathon gelaufen.“ Alleine zwei Paare Carbonschuhe und drei normale Paare Laufschuhe hat er in der Ironman-Vorbereitung verbraucht. Auch fürs Schwimmen und Radfahren schaffte sich der Butenostfriese professionelles Equipment an. „Für den Ironman sind bestimmt so um die 15.000 Euro draufgegangen“, verrät Lukas Siemers. „Allein die Anmeldung beim Ironman kostet ja 900 Euro. 900 Euro fürs Quälen, wenn man so überlegt.“
Auf seinem Instagram-Kanal „yes.luke.can“ berichtet der 27-Jährige während seiner letzten 30 Vorbereitungswochen täglich von seinen Einheiten und hat sie Woche für Woche als Highlights gebündelt. Meistens trainierte Lukas Siemers in Münster. Aber auch bei beruflichen Reisen, in Urlauben oder Heimatbesuchen bei seinen Eltern in Bunde spulte Siemers seine Einheiten ab. 20 Stunden trainierte er wöchentlich. Mehr als 200 Kilometer Rad fahren, mehr als 50 Kilometer laufen und rund sechs Kilometer schwimmen – Woche für Woche. Da purzelten die Kilos am Anfang. Von 93 Kilogramm Körpergewicht ging es auf 81. „Das möchte ich zukünftig auch halten.“
Trainingslager mit Ironman-Weltmeister
Vom 3. bis 9. Mai stand ein Trainingslager im österreichischen Fuschl am See an. Mit dabei war mit Sebastian Kienle auch der Ironman-Sieger von Hawaii 2014. „Jetzt ist die Arbeit eigentlich getan. In den letzten drei Wochen habe ich das Pensum runtergeschraubt und kann dann am Sonntag hoffentlich das abrufen, was ich mir erarbeitet habe“, sagt Siemers. Sein priorisiertes Ziel ist es, zu „finishen“ – also im Ziel anzukommen. „Schön wäre es, wenn ich unter zwölf Stunden bleiben würde. Ich weiß aber, dass es auf jeden Fall schmerzhaft sein wird – egal wie gut ich vorbereitet bin. Ich fühle mich jedenfalls so fit wie noch nie.“
Los geht es am Sonntagmorgen mit dem Start am Jungfernstieg. Die 2500 Athleten schwimmen durch die Binnen- und Außenalster. „Da muss ich aufpassen, dass ich mich nicht schon zu sehr verausgabe“, sagt Siemers. Es folgt auf dem Rad ein zweimal zu absolvierender, 90 Kilometer langer Rundkurs entlang der Hamburger Sehenswürdigkeiten und abschließend ein Marathon entlang des Alterufers und durch die Innenstadt bis hin zum Rathausmarkt. Wenn Lukas Siemers dort die Worte „You are an Ironman“ hört, hat er sein unglaubliches Projekt erfolgreich gemeistert.