Wärmewende im Rheiderland  Digitaler Zwilling liefert Strategie für das Heizen der Zukunft

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 28.05.2025 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wie wird künftig im Rheiderland klimafreundlich geheizt. Eine Kommunale Wärmplanung für Weener, Bund und Jemgum soll antworten liefern. Foto: Patrick Pleul/dpa
Wie wird künftig im Rheiderland klimafreundlich geheizt. Eine Kommunale Wärmplanung für Weener, Bund und Jemgum soll antworten liefern. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Im Rheiderland startet die kommunale Wärmeplanung: Weener, Bunde und Jemgum arbeiten mit gemeinsam mit EWE-Netz an einem zukunftsweisenden Konzept für klimafreundliche Wärmeversorgung.

Rheiderland - Bis zum 30. Juni 2026 müssen alle Kommunen in Deutschland eine kommunale Wärmeplanung erstellt haben. So schreibt es der Gesetzgeber vor. Ziel der Gesetzgebung ist, den Kommunen einen Weg zu zeigen, wie künftig Schritt für Schritt die Wärmeversorgung auf die Nutzung von Erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme umgestellt werden kann.

Wärme ist auch im Rheiderland unverzichtbar, wenn es im Winter kalt wird. Foto: Silas Stein/dpa
Wärme ist auch im Rheiderland unverzichtbar, wenn es im Winter kalt wird. Foto: Silas Stein/dpa

Während im Landkreis Leer etwa die Samtgemeinde Hesel ihre kommunale Wärmeplanung bereits abgeschlossen hat und die Stadt Leer auf die Zielgerade eingebogen ist, hinken Weener, Bunde und Jemgum hinterher. Das soll sich ändern: „Jetzt geht es los“, versprechen die Bürgermeister der Kommunen Bunde, Uwe Sap (SPD), Jemgum, Hans-Peter Heikens (parteilos) und Weener, Heiko Abbas (CDU). Gemeinsam hatten die drei Kommunen die EWE Netz GmbH beauftragt, eine kommunale Wärmeplanung für das Rheiderland zu erstellen.

Sichere Grundlage für die Bürger liefern

Beim Namen EWE dürfte in Verbindung mit kommunaler Wärmeplanung so mancher ins Grübeln kommen. War das nicht der Versorger, der in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Vertrieb fossiler Brennstoffe und dem damit verbundenen Erdgasnetz gutes Geld verdient hatte? Beraubt sich der Konzern jetzt selbst eines seiner wirtschaftlichen Standbeine? Wohl nicht. Immerhin hat sich der Oldenburger Energieversorger das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden, wie EWE-Sprecherin Mareike Baudis im Gespräch mit unserer Redaktion betonte. „Wir sehen das Feld der Kommunalen Wärmeplanung im Einklang und als Ergänzung zu unserer eigenen Philosophie.“ Klimaschutz sei bei der EWE kein Nebenthema, sondern zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie – mit konkreten Maßnahmen in den Bereichen Erneuerbare Energien, Netzausbau und Wasserstoff.

Die Kommunale Wärmeplanung soll auch zeigen, ob und wo Fernwärme eine Option sein kann. Foto: Thomas Banneyer/dpa
Die Kommunale Wärmeplanung soll auch zeigen, ob und wo Fernwärme eine Option sein kann. Foto: Thomas Banneyer/dpa

Der Startschuss zur kommunalen Wärmeplanung im Rheiderland fiel bei einem internen Kick-Off-Treffen. „Wir bündeln unsere Kräfte und werden so eine sichere Grundlage schaffen, dass alle Bürger im Rheiderland wissen, welche Möglichkeiten zum Heizen in den kommenden Jahrzehnten bestehen“, sagte Uwe Sap einer Mitteilung zufolge. Hans-Peter Heikens ergänzte: „Gemeinsam wollen wir unsere Kommunen bis 2040 klimaneutral bekommen – wie es das niedersächsische Klimaschutzgesetz vorsieht.“

Eher ländliche Struktur im Rheiderland

„Das Rheiderland hat eine eher ländliche Struktur. Wir werden uns genau anschauen, wo wir welche Erneuerbaren Energien als mögliche Wärmequellen einsetzen können“, sagte EWE-Projektleiter Alexander Grote im Gespräch mit unserer Redaktion. In einem ersten Schritt müssten nun eine Bestandsanalyse und darauf folgend eine Potenzialanalyse erstellt werden. „Wir sehen erst, was möglich ist, wenn uns eine vernünftige Datengrundlage vorliegt“, betonte Grote. Schließlich solle für jede der drei beteiligten Kommunen eine maßgeschneiderte Wärmelösung gefunden werden, wie Baudis ergänzte.

Ein Screenshot eines „digitalen Zwillings“: Dieser digitale Zwilling einer Kommune wird mithilfe einer maßgeschneiderten Software erstellt, die bei der Ausarbeitung von Wärmeplänen unterstützt. Sie macht unter anderem Energieverbräuche sowie erneuerbare Potenziale transparent sichtbar. Aktuell wird die Ausarbeitung für Weener, Jemgum und Bunde angegangen. Screenshot: EWE/greenventory
Ein Screenshot eines „digitalen Zwillings“: Dieser digitale Zwilling einer Kommune wird mithilfe einer maßgeschneiderten Software erstellt, die bei der Ausarbeitung von Wärmeplänen unterstützt. Sie macht unter anderem Energieverbräuche sowie erneuerbare Potenziale transparent sichtbar. Aktuell wird die Ausarbeitung für Weener, Jemgum und Bunde angegangen. Screenshot: EWE/greenventory

Bei der Bestands- und Potenzialanalyse greift die EWE auf vorhandene Daten etwa zur Bausubstanz und dem Alter der Gebäude, auf Daten von Schornsteinfegern zu Energieträgern in Gebäuden und dem Alter der Anlagen oder auf Daten zum Energieverbrauch von den Netzbetreibern zurück, wie Grote erläuterte. Gleichzeitig werde technologieoffen geschaut, welche Energieträger künftig für die Wärmeversorgung einzelner Quartiere genutzt werden könnten und zusätzlich verschiedene Wärmeversorgungsszenarien simuliert. Möglich seien etwa Strom, Biogas, Solarthermie, Flusswärme oder Abwärme größerer Betriebe – eher weniger Wasserstoff. „Den sehen wir eher im Einsatz bei der Industrie“, sagte der EWE-Projektleiter.

Ein digitaler Zwilling soll den Fahrplan liefern

Erstellt werde mittels einer speziellen Software ein digitaler Zwilling der Gemeinden, der unter anderem Energieverbräuche sowie erneuerbare Potenziale transparent sichtbar macht, erläutert Grote das Vorgehen. Aufgeschlüsselt und dargestellt würden etwa Wärmenetz-Eignungsgebiete und Gebiete für eine dezentrale Versorgung. Damit unterstütze der digitale Zwilling kommunale Akteure bei der fundierten Entscheidungsfindung. Das Ergebnis sei ein belastbarer, dynamisch aktualisierbarer Fahrplan, der technische Möglichkeiten, wirtschaftliche Realitäten und lokale Besonderheiten verknüpft.

Haben den Startschuss für die Kommunale Wärmeplanung gegeben (von links): Bürgermeister Heiko Abbas und Projektleiter Stefan Schmitz (Weener), Bürgermeister Uwe Sap und Projektleiter Robert Müller (Bunde), Jemgums Bürgermeister Hans-Peter Heikens und von der EWE Netz Gmbh Alexander Grote. Foto: Stadt Weener
Haben den Startschuss für die Kommunale Wärmeplanung gegeben (von links): Bürgermeister Heiko Abbas und Projektleiter Stefan Schmitz (Weener), Bürgermeister Uwe Sap und Projektleiter Robert Müller (Bunde), Jemgums Bürgermeister Hans-Peter Heikens und von der EWE Netz Gmbh Alexander Grote. Foto: Stadt Weener

Bereits im ersten Quartal 2026 soll der kommunale Wärmeplan für das Rheiderland stehen. „Nicht nur unsere eigenen Entscheidungen für die kommunale Infrastruktur hängen von der Planung ab“, sagte Weeners Bürgermeister Abbas. „Auch viele Hauseigentümer und Unternehmer benötigen hier eine sichere Grundlage für ihre Entscheidungen für künftige Investitionen.“

Kooperation der Kommunen senkt Kosten

Die drei Rheiderland-Kommunen hatten die Kommunale Wärmeplanung gemeinsam als Auftrag vergeben. „Damit können wir viele Kosten für die einzelnen Kommunen senken“, sagte Jemgums Bürgermeister Heikens. Das bestätigte auch Grote: „Kostensenkende Synergieeffekte haben wir nicht nur bei der Datenerfassung, die Synergien helfen uns beim gesamten Prozess bis hin zur abschließenden Strategie für die Wärmewendestrategie.“

Darauf freuen sich auch schon die drei Bürgermeister Sap, Heikens und Abbas: „Wir freuen uns auf den Dialog und die Gespräche. Gemeinsam werden wir die Weichen stellen für die Zukunft des Heizens im Rheiderland. Wir laden alle ein, sich zu beteiligen“, wird in der Mitteilung der Rheiderland-Kommunen zitiert.

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