Bei Sielmönken Neuer Windpark in der Krummhörn – Fragen und Antworten
In der Krummhörn hatte es hitzige Diskussionen um eine neue mögliche Windpark-Fläche nahe Freepsum/Sielmönken gegeben. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen.
Krummhörn - Die Anwohnerinnen und Anwohner in Sielmönken werden trotz ihres Widerstands wohl damit leben müssen, dass bald ein neuer Windpark in ihrer Nachbarschaft gebaut werden wird. Für eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans hat sich der Gemeinderat am Donnerstag, 22. Mai 2025, nach einer längeren Diskussion mehrheitlich ausgesprochen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Was hat der Gemeinderat konkret beschlossen?
Der Gemeinderat hat eine Änderung des Flächennutzungsplans auf 236,7 Hektar beschlossen. Dabei handelt es sich um eine 211,2 sowie um eine 25,5 Hektar große Fläche zwischen Uttum und Freepsum. Durch die Änderung des Flächennutzungsplans ist es Investoren möglich, in diesem Gebiet Windkraftanlagen zu bauen. Die Gemeinde hat, sofern die Anlagen genehmigungsfähig sind und die Flächeneigentümer zustimmen, dann keine Möglichkeit mehr, sich in den Bau der Anlagen einzumischen. Wie viele Anlagen letztlich auf der Fläche errichtet werden, muss durch Machbarkeitsstudien untersucht werden. Zuletzt war aber von etwa 12 Anlagen die Rede.
Warum wurden weitere Flächen ausgewiesen?
Eigentlich hat die Gemeinde Krummhörn ihr gesetzliches Soll in Sachen Windkraft längst erreicht. Trotzdem hatte der Gemeinderat im Dezember 2024 eine Grundsatzentscheidung verabschiedet, dass die Gemeinde ein „weiteres starkes Zeichen für den Klimaschutz setzen“ will und bestehende Sondergebiete zukunftsfähig machen und weitere Flächen für Windenergie auszuweisen. Um eine Überbelastung der Bevölkerung zu vermeiden, soll das Augenmerk bei der neuen Ausweisung von Flächen auf Gebieten liegen, in denen bereits jetzt eine Vorbelastung gegeben ist.
Durch eine Potenzialstudie waren diejenigen Flächen in der Gemeinde Krummhörn ermittelt worden, die für weitere Windkraftanlagen geeignet wären. Darin wurden sogenannte weiche und harte Kriterien berücksichtigt, also zum Beispiel gesetzliche und freiwillige Abstände zu Wohnsiedlungen und Schutzgebieten. Die Fläche zwischen Uttum und Freepsum ist eine dieser Potenzialflächen.
Was bedeutet das für die Anwohnerinnen und Anwohner? Was sind deren Sorgen?
Die neue Ausweisung der Fläche zwischen Freepsum und Uttum war insbesondere Anwohnerinnen und Anwohnern der Siedlung Sielmönken nahe Freepsum übel aufgestoßen. Sielmönken wird bereits von zwei Seiten auf Hinteraner Gemeindegebiet von Windkraftanlagen umgeben. Die Anwohner kritisierten, sie würden mit dem neuen Gebiet dann von drei Seiten durch Windkraftanlagen belastet werden. Sie sprachen von Schattenwurf, Lärm, „Disco-Effekt“ durch Nachtbeleuchtung sowie einer Störung des Landschaftsbilds und einem Wertverlust von Immobilien. Es hatte sich eine Interessengruppe gegründet, die unter anderem Unterschriften von Anwohnerinnen und Anwohnern sammelte.
Vor der Ausschuss- und Ratssitzung hatte es Treffen zwischen Verwaltung, Politik, Anwohnerinnen, Anwohnern und Investoren gegeben. Dabei ging es darum, einen möglichen Kompromiss zu finden. Die Politik hatte sich dann geeinigt, den Abstand zwischen dem Sondergebiet und Sielmönken von 400 auf 650 Meter zu vergrößern.
Danach hatte Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) den Vorschlag eingebracht, einen 46,5 Hektar großen Teil der größeren Fläche zunächst aus der Planung zu nehmen und dort gegebenenfalls nachzuverhandeln. Die Anwohnerinnen und Anwohner begrüßten diesen Vorschlag, die SPD- und CDU-Fraktionen, die gemeinsam die Mehrheit im Rat bilden, lehnten ihn jedoch ab. Auch der Freepsumer Ratsvorsitzende Heiko Ringena (fbl) brachte einen Vorschlag ein, bei dem die Fläche ebenfalls etwas kleiner ausgefallen wäre als nun beschlossen.
Welche Argumente gab es bei der Ratssitzung?
Die Fraktionsvorsitzenden Alfred Jacobsen (SPD) und Roelf Odens (CDU) betonten in der Sitzung am Donnerstag, es habe bereits Entgegenkommen gegeben. „Wir brauchen jetzt eine Entscheidung“, sagte Jacobsen. „Wir müssen den Investoren Planungssicherheit geben.“ Odens betonte zudem, es brauche eine Wirtschaftlichkeit, die für Investoren erst ab einer bestimmten Flächengröße gegeben sei. Eine weitere Verkleinerung der Fläche könne seine Fraktion daher nicht mittragen. Außerdem handele es sich bei den möglichen Investoren um eine Eigentümergesellschaft von Krummhörnern, teilweise auch Freepsumern. Denen sei es ebenfalls daran gelegen, den Nachbarschaftsfrieden zu wahren und in den Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern zu treten und sie bestmöglich zu beteiligen, auch finanziell. Beide erinnerten an die Grundsatzentscheidung vom Dezember 2024, die die Ratsmitglieder mehrheitlich mitgetragen hatten.
Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) sagte, Gemeinwohl messe sich nicht nur in Euro, Entscheidungen auf dem Papier hätten reale Auswirkungen für die Anwohnerinnen und Anwohnern in der Gemeinde. Die Erhöhung des Abstands auf 650 Meter sei für sie zu wenig, um als fairer Kompromiss zu gelten.
Diese Ansicht teilte auch Garrelt Agena von den Grünen, der vor einem Ansehensverlust der Politik sowie einem Akzeptanzverlust der Windenergie warnte, wenn sich Bürgerinnen und Bürger nicht verstanden und ihre Sorgen nicht in der Lokalpolitik repräsentiert fühlten. Die Änderung des Flächennutzungsplans wurde schließlich mit fünf Gegenstimmen beschlossen. Damit ist es Investoren nun möglich, auf der Fläche neue Windenergieanlagen zu bauen.