Neues Urteil  EU-Verbot ist herber Rückschlag für ostfriesische Fischer

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 22.05.2025 17:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Klage der Fischer gegen das EU-Fangverbot wurde abgewiesen. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
Die Klage der Fischer gegen das EU-Fangverbot wurde abgewiesen. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
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Ein EU-Fangverbot bringt Krabbenfischer in Bedrängnis. Was bedeuten schrumpfende Fanggebiete und fehlende Perspektiven für die Küstenfischerei? In Greetsiel ist man frustriert.

Greetsiel/Ostfriesland - Die Nordsee ist für viele Fischer seit Generationen Lebensgrundlage – doch ihre Arbeitsbedingungen verändern sich. Denn mit einem Fangverbot der EU stehen die deutschen Küstenfischer vor neuen Herausforderungen: Am Mittwoch, 21. Mai 2025, war bekannt geworden, dass das EU-Gericht eine Klage der Fischer gegen Fangverbote in einigen Gebieten der Nordsee abgewiesen hat.

„Es ist nicht gut, dass wir das verloren haben“, sagt Dirk Sander, Präsident des Verbands der Deutschen Kutter- und Küstenfischer, mit Blick auf das Fangverbot der EU. Das Fangverbot wurde 2022 von der EU beschlossen und ist als Schutzmaßnahme für die Riffe und Seebänke in der Nordsee gedacht. Die Fischer hatten dagegen geklagt – und nun verloren. In der Begründung der EU-Kommission heißt es, dass die eingesetzten Schleppnetze der Fischer den Meeresboden beschädigen würden und damit eine Bedrohung für diverse Meeresbewohner darstellten. Von diesem Verbot sind insbesondere die Krabbenfischer betroffen, die ebendiese Schleppnetze beim Krabbenfang einsetzen.

Als Folge der Fangverbote: Fischereibetriebe könnten verschwinden

„Das Gebiet bekommen wir nicht wieder“, sagt Sander. „Irgendwann werden wir für die Anzahl der Kutter keinen Fangplatz mehr haben“, so der ehemalige Fischer. Und das sei schade, immerhin spiele die Fischerei gerade an den Küsten schon lange eine große Rolle. „Es werden dann wohl auch einige Fischereibetriebe verschwinden“, so Sanders. „Und wenn das so weitergeht, dann haben wir vielleicht in zwanzig Jahren keine Fischer mehr.“

Deshalb waren die Krabbenfischer auch mit ihrer Klage gegen das Verbot vorgegangen. Sie wollten erreichen, dass es für jene EU-Schutzgebiete, die innerhalb der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone liegen, eine Ausnahmegenehmigung gebe. Damit scheiterten sie nun vor dem EU-Gericht, die Fangverbote in Teilen der Nordsee haben damit weiter Bestand.

Kleinere Fanggebiete durch Offshore-Windparks

Für die Fischer ein herber Schlag. Die regulären Krabben-Fanggebiete seien zwar weiterhin erreichbar, sagt Gerold Conradi, ehemaliger Greetsieler Krabbenfischer und Sprecher der dortigen Fischer. „Aber im Frühjahr und Herbst, wenn wir weiter rausfahren müssen, wird das schon schwieriger.“ Denn einige der von den Fangverboten betroffenen Gebiete werden mitunter auch von den Greetsieler Fischern angesteuert, darunter das Gebiet Borkum-Riffgrund und das Gebiet Sylter Außenriff. Im Moment laufe die Fischerei zwar weiter, bestätigt auch Sander. Doch für viele Fischer werde zum Beispiel der Fang des Taschenkrebses immer wichtiger, so Sanders. Und genau dieser große Krebs mit dem harten Panzer lebe in ebendiesen Gebieten der Nordsee, die von dem Fangverbot betroffen sind.

Die abgewiesene Klage der Fischer ist damit noch eine weitere Herausforderung für den Berufsstand der Krabbenfischer. Die Fischer werden immer älter, Nachwuchs gibt es kaum noch. Zudem würde das Fanggebiet der Fischer auch durch den Ausbau von Offshore-Windparks in der Nordsee stetig kleiner. „Wir haben ja schon doppelte und dreifache Verluste durch die Windparks“, so Conradi. „Und es sollen noch acht mal mehr Windparks kommen“, sagt auch Sander. Dann bliebe für die Fischer bald gar nichts mehr übrig.

Die Verbote betreffen nicht nur die ostfriesischen Fischer, so der Greetsieler Conradi. Auch die niederländischen Nachbarn und die Belgier seien zum Beispiel von den Fangverboten betroffen. „Das betrifft alle EU-Fischer“, so Conradi. Viele Möglichkeiten, gegen das von der EU beschlossene Fangverbot vorzugehen, sehen Conradi und Sander nicht. „Dafür bräuchte es wohl ein eigenes Gutachten“, so Sander. Und das koste Geld. Geld, dass die Fischer nicht haben. „Wir sind vielleicht noch 200 Kutter“, sagt er. Das Fangverbot werde man darum wohl so hinnehmen müssen.

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