Wyk Föhr  Auf nach Gibraltar: Rentnerin von Föhr fährt mit Mini-Wohnmobil durch Europa

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Von CUE Services
| 22.05.2025 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im umgebauten Kleintransporter findet Jutta Zurwonne Platz zum Schlafen. Foto: Jörg Brökel
Im umgebauten Kleintransporter findet Jutta Zurwonne Platz zum Schlafen. Foto: Jörg Brökel
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Jutta Zurwonne aus Wyk auf Föhr macht etwas, wovon viele Menschen träumen. Die 67-Jährige geht im eigenen Mini-Wohnmobil auf Europatour. Und das allein.

Jutta Zurwonne hat ihre dreimonatige Europatour mit dem eigenen Mini-Wohnmobil generalstabsmäßig geplant. Ihren alten Opel Corsa hat sie im vergangenen Herbst gegen einen VW Caddy getauscht. Dann wurde der kleine Diesel drei Tage in Ostwestfalen zum Wohnmobil umgebaut. Jetzt finden sich ein Tisch, ein Waschbecken, Wasser- und Abwasserkanister und sogar eine kleine Toilette in dem Transporter. „Und auf meinem E-Book habe ich 360 Bücher drauf“, sagt die 67-Jährige, die seit vier Jahren auf Föhr lebt. Darunter befände sich übrigens auch die komplette Reihe von „Das Lied von Feuer und Eis“, auf welcher die Erfolgsserie „Game of Thrones“ basiert.

Stück für Stück hat sich die studierte Sozialpädagogin ihre persönliche Freiheit vor ihrer großen Europatour zurückgeholt. Denn 45 Jahre hat die gebürtige Münsterländerin in Köln ein handelsübliches Familienleben gelebt. Zurwonne war verheiratet und hat zwei Kinder großgezogen. „Mit meinem Ex-Mann habe ich 46 Jahre zusammengelebt. Wir haben dort ein Häuschen gekauft“, erzählt die reiselustige Frau. Doch nach der Trennung erfolgte der erste Schritt in Richtung neuer Freiheit. In Köln seien die gesuchten Wohnungen klein, hässlich und teuer gewesen. „Und dann habe ich in Anzeigen nach einer Wohnung am Meer gesucht und bin so auf Föhr gelandet“, schmunzelt die Wykerin.

Hier lebt sie nun seit vier Jahren und hilft bisweilen als Springerin im „offenen Ganztag“ an der Rüm-Hart-Schule in Wyk aus. „Ich habe ein Leben lang meine Familie betüddelt. Jetzt habe ich ein Stück Freiheit gewonnen“, sagt die Wohnmobilbesitzerin. Und jetzt eben die Reise durch Europa. Ein weiterer Schritt, dem Leben eine andere Richtung zu geben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Es geht Richtung Süden über Frankreich, Spanien, Portugal bis nach Gibraltar“, sagt Jutta Zurwonne und die Augen leuchten. Zurück soll die Reise möglicherweise über Italien, Österreich und die Schweiz gehen. 60.000 Kilometer hat der Diesel auf der Uhr. Da dürften die zusätzlichen Euro-Kilometer kein Problem sein. Zumal Jutta Zurwonne ihn noch auf der Insel hat durchchecken lassen.

„Nur wenn mir das Geld zum Tanken ausgeht, dann muss ich zurück“, sagt die unternehmungslustige Frau. Um die Kosten zu minimieren, will sie nicht nur auf Campingplätzen übernachten. „Es können auch einmal Rastplätze oder andere Stellplätze sein“, sagt sie. Angst habe sie keine. „Was sollen die denn machen, was mir nicht auch woanders passieren könnte?“, sagt sie. Die Tochter mache sich allerdings schon Sorgen, erklärt Jutta Zurwonne. „Aber auf der anderen Seite sagt sie auch, ‚Mama ist cool‘“, lächelt die Europareisende.

Erfahrung hat Jutta Zurwonne genug in Sachen Camping und Wohnmobilreisen gesammelt. „Wir sind mit den Kindern in ganz Europa zelten gewesen“, erklärt sie. Seit Dienstag, 20. Mai, ist Jutta Zurwonne jetzt auf Reisen. Zunächst besucht sie ihren Sohn und die Tochter in Köln. Und ab Belgien wird sie – auch der Kosten wegen – nur noch die kleinen Landstraßen nutzen. „Ich freue mich auf die kleinen Orte, die ich sonst nie gesehen hätte“, erklärt sie. So könne sie in jedem Städtchen, wo es ihr gefiele, auch Pause machen, sagt sie.

Angst vor Sprachbarrieren habe sie keine. Englisch könne sie, Französisch und Spanisch nicht. „Ich bin eine echte Quasselstrippe. Irgendwie verständige ich mich schon. Und wenn, dann mit Händen und Füßen“, lacht sie. Viel Unbekanntes könnte die Tour bringen. Es tue ihr einfach gut, nicht mehr so eingebunden zu sein, sagt sie. „Ich habe mich freigeschwommen, um schwimmen zu können“, sagt sie und lächelt.

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