Tonne oder Sack Reizthema Müllabfuhr in Leer wieder da
Einmal die Woche legen Leeraner unter anderem Restmüllsäcke für die Abfuhr an die Straße. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Das Thema Tonne ist in der Stadt nicht durch.
Leer - Jede Woche legen die Leeraner ihren Restmüll in schwarzen Säcken für die Müllabfuhr an die Straße. Gelbe Säcke und für Strauchschnitt und Co. grüne Säcke kommen dazu. Für Papier wurde 2022 von Säcken auf eine blaue Tonne umgestellt, Borkum bekam auch eine gelbe Tonne.
Nicht jeder ist zufrieden mit dem Sack-System. Das zeigen viele Hinweis bei der aktuellen Umfrage „Heimatcheck“ verschiedener ostfriesischer Zeitungsverlage. Man konnte zu vielen Themen Punktzahlen für die eigene Stadt oder Kommune vergeben – von 1 bis 10. Zum Abschluss des Heimatchecks durften die Teilnehmer aber auch noch loswerden, was ihnen auf der Seele brennt. Es gab die Frage: „Haben Sie abschließend noch allgemeine Anmerkungen, Wünsche oder Anregungen zur Lebensqualität in Ostfriesland?“ Müll war dabei eines der Themen, das in vielen Kommunen und Städten des Kreises Leer thematisiert wurde. Besonderes Augenmerk lag dabei auf: Sack oder Tonne?
Ruf nach der Tonne auch für Restmüll und Verpackungen
Wir haben die Ergebnisse der Umfrage angeschaut. Besonderes Augenmerk haben wir dabei auf die Kommentare der Teilnehmenden aus dem Kreis Leer gelegt. Bei fast jeder Kommune kam das Müllthema vor. Über alle Themengebiete verteilt gab es insgesamt rund 2000 Freitextantworten aus dem Kreis Leer. Wir haben sie durchstöbert und die zum Müll herausgesucht. Hier kommen Auszüge: „Ich kenne keinen Landkreis in Deutschland in dem wahnsinnigerweise Grünabfälle in Plastiksäcken entsorgt werden müssen. Die Müllsäcke verursachen ein Übermaß an Plastikmüll“ schreibt ein Teilnehmender. Es werde mit Kosten argumentiert, „was in fast 400 anderen Gemeinden möglich ist, funktioniert halt in Leer nicht.“
„Dass unser Müll in Säcken abgeholt wird und wir keine Restmülltonne haben, ist einfach unglaublich rückständig.“ Das sei ein No-Go. Eine weitere Anregung war: „Es braucht Mülltonnen für Restmüll und damit weniger Schädlinge.“ Für die Tonne spreche außerdem, „dass trotz aller Bemühungen die Beutel oft genug von Tieren kaputt gemacht werden und daher viel Müll am Straßenrand landet, den ich dann mühsam wieder einsammeln muss, oder denn auch schon mal davon geweht wird und sonst wo landet.“ Ein weiterer Kommentar lautet: „Müll soll einerseits vermieden werden, aber dann soll der zusätzlich in Plastiksäcken entsorgt werden. Das ist absolut nicht umweltfreundlich, zumal die Müllsäcke auch oft durch Katzen, Nager, usw. beschädigt werden oder bei Sturm durch die Gegend fliegen.“ Ein weiterer Teilnehmender schreibt: „Die gelben Säcke landen oft im Kanal, hier sollte der Landkreis auf Tonnen umstellen. Ebenso sind die Restmüllsäcke sehr umständlich.“
Pro-Sack-Argumente: Sauberer und flexibler
Das Thema ist nicht neu und auch nicht erst beim „Heimatcheck“ aufgekommen. Bei einer Umfrage dieser Zeitung 2024 in den sozialen Medien gab es ebenfalls Kritik an den Säcken – aber auch Pro-Argumente. Besonders, dass man flexibel sei, was die Menge des Mülls angeht, den man loswerden könne. „Tonnen sind bescheuert, wenn man mal aussortiert usw, stehste da und das Ding wäre zack voll. Da sind die Säcke schon besser. (...) Oft wird auch nicht jede Abfuhr gemacht, weil Feiertage anfallen und dann? Also bitte Säcke behalten.“ Wenn man nicht viel Müll habe, müsse man entsprechend wenig zahlen und an die Straße bringen. Insbesondere die wöchentliche Abholung sei ein weiterer Vorteil in den Augen vieler Kommentatoren. Ebenso, dass die Säcke weniger Platz bräuchten und man Tonnen öfter reinigen müsse.
Änderungen müssen beraten werden
Ob Befürworter oder Kritiker, die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Leer müssen ohnehin noch einige Jahre mit den Restmüll-Säcken Vorlieb nehmen. Die bestehenden Verträge können frühestens zu März 2028 gekündigt werden, erklärte der Landkreis 2024. Es werde im zuständigen Fachausschuss natürlich regelmäßig über das Abfuhrsystem gesprochen. So heißt es auch im aktuellen Abfallwirtschaftskonzept (2022 bis 2026), das auf der Internetseite des Landkreises Leer abrufbar ist, dass die Systeme kontinuierlich überprüft werden und „auch regelmäßig die Einführung einer Wertstofftonne als Erweiterung der Sammlung von Leichtverpackungen (Gelber Sack) diskutiert“ werde.
Bei der Einführung der blauen Tonne gab es zu Beginn kleinere Irritationen, aber schon im Frühjahr 2022 nach dem ersten Durchgang mit der Leerung der rund 75.000 Tonnen für Altpapier und Kartonagen stand für Klaus Anneken, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landkreis Leer, fest: „Insgesamt läuft es gut.“