Wohnen für alle  Rysumer Lü – Investor zur Rettung der Idee gesucht

Hannah Weiden
|
Von Hannah Weiden
| 22.05.2025 07:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Gulfhof am Dorfring ist eines der ortsprägenden Gebäude in Rysum. Foto: Heinz Wagenaar
Der Gulfhof am Dorfring ist eines der ortsprägenden Gebäude in Rysum. Foto: Heinz Wagenaar
Artikel teilen:

Das Leuchtturm- und Wohnprojekt Rysumer Lü steht seit Jahren still. Jetzt suchen die Initiatoren dringend einen Investor, der die soziale Idee weiterträgt.

Rysum - Um das Wohnprojekt Rysumer Lü war es zuletzt ruhig geworden. Die Idee: In einem Am Dorfring in Rysum gelegenen Gulfhof soll es Platz geben für Einheimische, Alt und Jung, Menschen mit und ohne Behinderung oder psychischen Erkrankungen. Das denkmalgeschützte Gebäude würde so vor dem Verfall gerettet, ein Ort von Rysumern für Rysumer geschaffen. Bei dieser Idee der Rysumerin Kathrin Haarstick und der Investoren Hinrich Eilers aus Greetsiel sowie Moritz von Bethmann aus Frankfurt war von einem in Ostfriesland bisher einmaligen Leuchtturmprojekt die Rede. Wie ist der Stand der Dinge?

Der denkmalgeschützte Gulfhof ist etwa 1050 Quadratmeter groß. Foto: Heinz Wagenaar
Der denkmalgeschützte Gulfhof ist etwa 1050 Quadratmeter groß. Foto: Heinz Wagenaar

Wie Hinrich Eilers auf Nachfrage berichtet, läuft aktuell die Suche nach einem Investor, der hoffentlich an der Idee und dem Konzept festhalten möchte. Das Projekt zieht sich nun schon seit fast fünf Jahren. Zwar gibt es durchaus Möglichkeiten, für Projekte dieser Art Fördermittel und Zuschüsse zu beantragen. Doch dafür wäre in den meisten Fällen eine Gemeinnützigkeit von Nöten gewesen. „Diese Hürde war sehr groß“, sagt Eilers.

Explodierende Preise wegen Ukrainekrieg

Auch die Idee einer Genossenschaft ließ sich nicht umsetzen. Hinzu kamen die mit Kriegsbeginn in der Ukraine explodierenden Baupreise. Zwar seien alle von der Idee angetan gewesen, einen Scheck habe aber keiner parat gehabt. „Das ist natürlich deprimierend“, sagt Hinrich Eilers. Für die Umsetzung ihrer Idee wären etwa vier Millionen Euro von Nöten.

Ein alter Lageplan des Hofs. Foto: privat
Ein alter Lageplan des Hofs. Foto: privat
So hat der Hof damals einmal ausgesehen. Foto: privat
So hat der Hof damals einmal ausgesehen. Foto: privat

Denkbar sei deshalb aktuell, dass man im Hauptteil des Gebäudes zunächst vier Wohnungen zum Verkauf oder zur Vermietung anbietet, eventuell auch als Ferienwohnungen. Die Baupreise ließen eine andere Vermarktung aktuell kaum zu.

Aus dem Gewinn könnte man dann auch zu einem späteren Zeitpunkt den einstigen Wirtschaftsteil des Hofs sanieren. Dort ließen sich etwa sieben bis neun Wohnungen errichten und auch das besondere Wohnkonzept noch umsetzen.

Worst Case: 16 Ferienwohnungen statt Sozialprojekt

Da das Gebäude aber als Ganzes verkauft werden würde, hängt das von dem Wohlwollen des möglichen neuen Investors ab, so Hinrich Eilers. „Worst Case wäre natürlich, wenn es jemand kauft und dort 16 Ferienwohnungen reinsetzt“, sagt er.

Die Gespräche mit möglichen Investoren liefen derzeit im Hintergrund, genaueres ließe sich deshalb frühestens Anfang Juli sagen.

Verwunschen und eingewachsen: Der Gulfhof Am Dorfring steht seit knapp fünf Jahren leer. Foto: Heinz Wagenaar
Verwunschen und eingewachsen: Der Gulfhof Am Dorfring steht seit knapp fünf Jahren leer. Foto: Heinz Wagenaar

Hinrich Eilers und Moritz von Bethmann hatten das sanierungsbedürftige und denkmalgeschützte Gebäude 2021 gekauft, auch weil sie so überzeugt waren von dem außergewöhnlichen Konzept und der sozialen Idee dahinter. Geplant waren zunächst circa 15 Wohnungen, eventuell ein Hofladen mit Café. Ältere Menschen, die in Rysum geboren, aufgewachsen und ihr Leben lang gelebt hatten, sollten im Alter nicht mangels Alternative in Altersheime „abgeschoben“ werden, weil es in Rysum selbst keine Möglichkeiten dafür gibt. Auch für Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen sollte es Platz bei den „Rysumer Lü“ geben.

Historisches Ensemble in Rysum

Rysum ist ein markantes Beispiel für ein ostfriesisches Rundwarfendorf und wurde vor rund 1000 Jahren zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Weil sich in dem Ort so viele unter Denkmalschutz stehende Gebäude, insbesondere Gulfhöfe, befinden, werden sie vom Land Niedersachsen als Gruppe zusammengefasst. Dadurch soll die Bedeutung des gesamten Ensembles betont werden, auch wenn das laut dem Landesamt für Denkmalpflege keine besonderen baurechtlichen Folgen nach sich zieht.

Ein historischer Blick auf Rysum: In dem Hof rechts soll das Wohnprojekt "Rysumer Lü" entstehen. Foto: privat
Ein historischer Blick auf Rysum: In dem Hof rechts soll das Wohnprojekt "Rysumer Lü" entstehen. Foto: privat

Kürzlich war in dem Warfendorf ein neuer Gulfhof und zwei kleinere Friesenhäuser nach historischem Vorbild in direkter Nähe zur Mühle gebaut worden, an gleicher Stelle war zuvor ein alter Hof abgerissen worden. Er beinhaltet zwölf Ferienwohnungen.

Ähnliche Artikel