Radfahren in Ostfriesland  Warum jede Fahrradbewegung mitgezählt wird

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 20.05.2025 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wie gut werden Radwege genutzt? Wo ist ein Ausbau angebracht, wo sind andere Maßnahmen der Verkehrsplanung notwendig? Dazu erhebt das Land Niedersachsen Daten auch an drei ostfriesischen Radstrecken. Symbolfoto: Archiv
Wie gut werden Radwege genutzt? Wo ist ein Ausbau angebracht, wo sind andere Maßnahmen der Verkehrsplanung notwendig? Dazu erhebt das Land Niedersachsen Daten auch an drei ostfriesischen Radstrecken. Symbolfoto: Archiv
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Das Verkehrsministerium Niedersachsen unterhält 39 Fahrrad-Zählstellen. Drei davon sind in Ostfriesland: in Aurich, Hinte und Ostrhauderfehn.

Aurich - Genau 220 Fahrräder waren am 18. Mai auf der Dornumer Straße (L 7) in Aurich-Sandhorst unterwegs. Das ist für einen Sonntag eher normal - an Werktagen nutzen den Radweg deutlich mehr Radfahrer. Nur am Muttertag, 11. Mai, war die Strecke bei schönstem Wetter offensichtlich für Ausflüge per Rad gut genutzt: 788 Fahrräder wurden da erfasst. Die Zählstelle an der L 7 ist eine von 39 Dauerzählstellen für den Radverkehr in Niedersachsen: Seit Ende 2023 erfasst das Verkehrsministerium in Hannover das Radverkehrsaufkommen im ganzen Land. Dadurch sollen Veränderungen bei der Nutzung von Radwegen erfasst und belastbarere Prognosen für den Radverkehr erstellt werden. Die Daten sollen in die künftige Verkehrsplanung des Landes einfließen.

206.322 Fahrradbewegungen 2024 in Sandhorst

Seit Dezember 2023 misst die Auricher Zählstelle jedes Fahrrad, das den Radweg befährt - und zwar in beide Richtungen. 206.322 Fahrradbewegungen wurden so für 2024 erfasst, in diesem Jahr waren es bisher 69.312. Am meisten Betrieb auf dem Radweg herrschte in diesem Jahr am 1. Mai: 1265-mal löste der unscheinbare Zählkasten aus. Im vergangenen Jahr war der Mai der stärkste Radverkehrsmonat auf der Strecke mit 26.158 Fahrradbewegungen.

„Aus den erhobenen Zahlen der Fahrradzählstellen können wie ableiten, wie hoch der Radverkehr insgesamt in unserem Geschäftsbereich ist und welche Maßnahmen möglich sind, um das Radfahren insgesamt weiter zu fördern“, sagt Johannes Booken vom Geschäftsbereich Aurich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Zählstelle in Aurich besteht aus einer unauffälligen kleinen schwarzen Box am Rand des Radwegs, die per Lichtschranke die Fahrradbewegungen registriert und zählt.

Auch die Stadt Aurich zählt den Radverkehr: Seit 2022 gibt es wechselnde Messstellen im Stadtgebiet, deren Daten die kommunalen Verkehrsplaner auswerten.

So sieht die Auswertung für den 6. April der drei ostfriesischen Fahrrad-Messstellen aus. Auf der Internetseite der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen sind alle Daten zugänglich. Screenshot: Hanz
So sieht die Auswertung für den 6. April der drei ostfriesischen Fahrrad-Messstellen aus. Auf der Internetseite der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen sind alle Daten zugänglich. Screenshot: Hanz

Seit November 2024 Zählstellen in Hinte und Ostrhauderfehn

In der Gemeinde Hinte und in Ostrhauderfehn wird der Radverkehr ebenfalls so gezählt. Diese beiden Zählstationen sind seit November 2024 in Betrieb. In Hinte hängt der kleine schwarze Zählkasten am Radweg entlang der B 210 im Bereich der Suurhuser Kolonie. Auch dieser Radweg ist werktags deutlich mehr befahren als am Wochenende. Am Sonntag, 18. Mai, wurden dort genau 143 Fahrradfahrten gezählt - gegenüber 500 am Dienstag, 13. Mai. Die höchste Zahl an Fahrrädern, nämlich 546 kam laut Statistik am 30. April dort vorbei. Im laufenden Jahr zählte der Kasten bisher 37.198 Fahrradfahrten.

In Ostrhauderfehn hängt der Zählkasten an der Brücke im Verlauf der Hauptstraße (B438). Auch dort herrscht werktags viel mehr Verkehr als sonntags: 577 Radfahrer kamen am 18. Mai dort vorbei, aber 1323 am Freitag, 16. Mai. In diesem Jahr zählte der Kasten bisher genau 94.951 Radfahrten, das bisherige Maximum wurde am Maifeiertag mit 2111 erreicht.

Datensammlung für die Verkehrsplaner

Dass ausgerechnet an diesen drei Stellen der Radverkehr gezählt wird, hängt mit Bewertungskriterien zusammen, die das Verkehrsministerium für Zählungen aufgestellt hat, erklärt Johannes Booken. „Zum einen müssen die Messstellen natürlich bereits eine gewisse Verkehrsbelastung haben, bei der davon ausgegangen wird, dass sie sich weiterentwickelt“, sagt er. Hinzu kommt, dass die Zählstellen eine Bedeutung fürs gesamte Radverkehrsnetz in ihrem jeweiligen Bereich haben. „Und natürlich muss der Radverkehr auch zählbar sein, es müssen also Strecken mit eindeutigen Fahrradbewegungen sein“, so Booken. Anhand der Änderungen der Verkehrsbelastung können Verkehrsplaner schließlich ableiten, ob und was am Verkehrsnetz zu ändern ist.

Die Daten der drei ostfriesischen Dauerzählstellen sowie aller übrigen 36 sind übrigens auf der Internetseite der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen/Region Hannover veröffentlicht: Unter www.vmz-niedersachsen.de/niedersachsen/radzaehler gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich die Daten sortieren und neu zusammenstellen zu lassen, um eigene Schlüsse zu ziehen.

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