Osnabrück Flohfarben, Knallrosa, Giftgrün und Co. – Kennen Sie diese fünf Farben?
Warum ein französischer König seine Frau mit Flöhen verglich, wie eine Farbe Napoleon getötet haben soll und warum manche Menschen Blau und Grün nicht unterscheiden können – die faszinierende Geschichte hinter absurden Farbnamen.
Einige Farben haben sonderbare Namen. Aber warum heißen sie eigentlich wie sie heißen?
Das Schweinfurter Grün war im 19. Jahrhundert sehr beliebt, zumindest so lange, bis es verboten wurde, weil es Arsen enthielt. Bis dahin aber wurde es viel und gerne genutzt, unter anderem als Farbe für Stoffe, Tapeten und Kinderspielzeug. Leider konnte sich das Arsen unter bestimmten Umständen aus der Farbe herauslösen und sogar in die Raumluft übergehen, wo es dann eingeatmet wurde.
Lange hielt sich das Gerücht, Napoleon Bonaparte sei in seinem Haus auf St. Helena an eben dieser arsenhaltigen Luft gestorben, die seine Tapete in Schweinfurter Grün ausgedünstet habe. Erst im Jahr 2008 konnte ein italienisches Forscherteam um Ettore Fiorini von der Universität Mailand-Bicocca anhand von originalen Haarproben des großen Korsen nachweisen, dass es nicht die Tapete war, die Napoleon umgebracht hat.
Die Farbe war damals übrigens noch unter Dutzenden anderen Namen bekannt und Giftgrün war vielleicht sogar die treffendste unter ihnen. Schweinfurter Grün hieß sie aber, weil die erste industrielle Produktion im unterfränkischen Schweinfurt stattfand.
Marie-Antoinette war nicht gerade für ihre Zurückhaltung in Sachen Mode bekannt. Was die französische Königin trug, war in, um nicht zu sagen en vogue, und das in ganz Europa.
Als im vorrevolutionären Frankreich die Stimmen gegen das Königshaus immer lauter wurden und Marie-Antoinettes Luxusleben die Gemüter erhitzte, reagierte König Ludwig XVI. nicht gerade mit Begeisterung, als seine Gattin ihm wieder einmal den allerneuesten Schrei präsentierte: ein Kleid aus Glanztaffet in einem Farbton, der eine Mischung aus Rosa, Braun und Grau darstellte.
Wenig erfreut bezeichnete er den Farbton als couleur de puce, also als die Farbe von Flöhen. Es dauerte nicht lange, da wollte jede Dame am französischen Hof ein Kleid in diesem Farbton. Bald darauf gab es weitere Nuancen, unter anderem dos de puce (dt.: Flohrücken) oder auch ventre de puce (dt.: Flohbauch).
Im Rokoko war man übrigens überhaupt sehr erfindungsreich, was Farbbezeichnungen anbetrifft. Neben Flohfarben gab es beispielsweise auch noch die Farben Lustige Witwe, Muntere Schäferin, Straßenschmutz und Vergifteter Affe.
Daisy Fellowes, It-Girl, Party-Animal und Mode-Ikone der 1920er und 1930er Jahre war im Besitz eines rosafarbenen Diamanten namens Tête de Bélier, der nicht nur durch stolze 17,47 Karat auffiel, sondern eben auch durch seine außergewöhnliche Farbe.
Sie trug ihn bei einem Treffen mit der Modeschöpferin und Designerin Elsa Schiaparelli, die wie auch schon Fellowes nicht so viel mit dem Mainstream anfangen konnte, dafür aber den Surrealismus und den Dadaismus liebte.
In ihrer Autobiografie schrieb Schiaparelli später: „Die Farbe strahlte mir ins Auge, leuchtend, unerreichbar, schamlos, kleidsam, lebensspendend wie alle Lichter, alle Vögel und alle Fische der Welt zusammen, eine Farbe von China und Peru, aber nicht des Westens - eine schockierende Farbe, rein und unverfälscht.“
Genau diese Farbe wählte sie dann auch für die Verpackung ihres ersten Parfüms, das 1937 auf den Markt kam, und schlicht Shocking hieß. Seitdem hat das Schockierende Pink, das sich im Deutschen auch Knallrosa nennt, eine eindrucksvolle Karriere gemacht und inspirierte sogar das Modejahr 2022.
Wer richtig viel Geld für ein Auto ausgibt, der möchte das ja nicht so gerne in Erbsengrünmetallic oder Hornhautumbra bestellen. Ein teures Auto muss auch in einer Farbe daherkommen, die einen exklusiven Namen trägt oder sich doch zumindest außergewöhnlich anhört.
Solar Flare, die Farbe der Sonneneruption (Bentley), French Racing Blue (Bugatti) oder auch Sunrise Copper (Range Rover) hören sich da doch schon gleich viel besser an. Manchmal kann man mit ein bisschen Raten sogar noch darauf kommen, welcher Farbton eigentlich gemeint ist, beim Achatgraumetallic (Porsche) beispielsweise oder auch beim Eiger Grey (Jaguar).
Die Fans von Loriots Film „Ödipussi“ kennen einige sehr schöne Grautöne, wie etwa Mausgrau, Staubgrau, Aschgrau, Steingrau, Bleigrau und Zementgrau. Ein weiterer Grauton heißt ganz anders: Taupe. Zwar könnte man Taupe mit Maulwurfsfarbengrau übersetzen, aber wer will das schon?
Der Maulwurf nennt sich im Französischen la taupe, wobei der französische Ausdruck la taupe wiederum auf das lateinische Wort talpa zurückgeht. So ist es dann auch kein Wunder, dass die Maulwürfe wissenschaftlich als Talpidae bezeichnet werden. Inzwischen gibt es derart viele verschiedene Taupe-Farbnuancen, dass sie selbst der allerschönste Maulwurf so nicht mehr hinbekommt.
Wer Blau und Grün mischt, bekommt Türkis heraus oder auch Aquamarin. Wer aber Blau und Grün gar nicht erst so strikt trennt, der kann ja gleich Blün sagen. Das ist in anderen Kulturen durchaus üblich. In Paraguay, wo man Guarani spricht, wird für Blau und Grün zum Beispiel das Wort hovy verwendet.
Und mal ganz ehrlich: Wenn man es ganz genau nimmt, dann ist der Himmel ja auch gar nicht immer so richtig schön Himmelblau, sondern manchmal auch eher Hellblau mit einem Grünstich, könnte man sagen. Oder nehmen wir einmal das Gras: Nur unser mit der Nagelschere kultivierte Rasen ist wirklich richtig satt Grasgrün.
Es gibt auch andere Grassorten, die durchaus mehr ins Blaue changieren. Oder das Wasser: Am idyllischen Südseestrand, wo das Wasser warm und klar ist, erscheint es oft doch eher Türkis als wirklich richtig Blau, oder? Zwischen Blau und Grün zu unterscheiden ist zwar möglich, aber oftmals gar nicht so einfach und für manche Menschen nicht einmal notwendig.