Etappe 5 des Ossiloops Pewsumer mit Handicap brilliert auf Platz 2
Johannes Wiltfang von der Emder OBW zeigt beim Ossiloop starke Leistungen. Dafür setzt er auf hartes Training. Das Toploper-Feld brachte auf der Etappe nach Dunum nur wenig Überraschungen mit sich.
Aurich/Dunum - Auf ein Tässchen Tee im Ziel freuten sich am Dienstagabend traditionell viele Teilnehmer der 5. Ossiloop-Etappe von Plaggenburg nach Dunum. Zudem hatten die Landfrauen auch in diesem Jahr wieder Krintstuut als Stärkung für die erschöpften Läufer vorbereitet. An der Spitze des Feldes gab es keine Überraschungen. Seriensieger Tammo Oldigs ließ sich nicht ärgern und schnappte sich 11 Sekunden vor Johannes Wiltfang den fünften Sieg in Folge.
Verena Coordes, die noch immer mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte, ging das Risiko ein und kam bei den Frauen zum vierten Mal als Siegerin ins Ziel. Sie sprach jedoch von einem „harten Rennen“, das sie nur dank der Unterstützung ihres Begleiters Armin Ross geschafft habe. Wieder mit dabei war der Auricher Tim Veith, der bei der Stadtetappe am Freitag krankheitsbedingt ausfiel. Der Toploper ging es nun entspannter an und erreichte Dunum in 46:42 Minuten.
5. Etappe: Plaggenburg - Dunum (11,3 Kilometer)
Männer: 1. Tammo Oldigs (Ihrhove) 38:08 Minuten; 2. Johannes Wiltfang (OBW Emden) 38:19; 3. Ingo Mudder (Emder LG) 39:59. Gesamt: 1. Tammo Oldigs 2:50:22 Stunden; 2. Johannes Wiltfang 2:52:47; 3. Ingo Mudder (Emder LG) 3:03:20.
Frauen: 1. Verena Coordes (TuS Weene) 44:32 Minuten; 2. Daniela Ruthenbeck (Altenoythe) 46:26; 3. Frauke Buntjer (Bunde) 48:24. Gesamt: 1. Verena Coordes 3:22:59 Stunden; 2. Daniela Ruthenbeck 3:36:14; 3. Frauke Buntjer 3:40:37.
Männliche Jugend: 1. Levi Weber (FCSO) 43:32 Minuten; 2. Marvin Helmerichs (MTV Aurich) 44:13; 3. Franz Hofer (Wiesmoor) 44:45. Gesamt: 1. Levi Weber 3:21:45 Stunden; 2. Marvin Helmerichs 3:23:50; 3. Franz Hofer 3:26:23.
Weibliche Jugend: 1. Josefine Faß (KGS Wiesmoor) 50:59 Minuten; 2. Enna Schneider (Realschule Aurich) 54:58; 3. Lotta Smid (Ulricianum Aurich) 55:16. Gesamt: 1. Josefine Faß 3:53:04 Stunden; 2. Lotta Smid 4:12:32; 3. Enna Schneider 4:16:54.
Wiltfang nicht zu stoppen
Der derzeitige Gesamt-Zweite, Johannes Wiltfang, ließ sich von der anspruchsvollen „Cross-Etappe“, vor der die Veranstalter im Vorfeld gewarnt hatten, nicht beunruhigen: „Mir macht das nichts, ich bin ein super Bergläufer“, sagte der Pewsumer bereits am Montagabend. Diese Fähigkeit habe er bereits beim Rieslinglauf in Oestrich-Winkel (Hessen), beim Borkumer Meilenlauf und beim Emder Berglauf unter Beweis stellen können – dort stellte er einen Streckenrekord über 5 Kilometer auf.
Generell ist Wiltfang, der von Geburt an mit einer geistigen Beeinträchtigung lebt, in der ostfriesischen Laufszene kein Unbekannter. Bereits in seiner Jugend landete er bei Wettkämpfen oft auf dem Treppchen – meist über 5- oder 10-Kilometer-Distanzen. Beim Ossiloop lief der 32-Jährige, der als Landschaftsgärtner bei der Emder OBW arbeitet, schon einige Male auf die ersten Plätze. 2011 gewann der damals 18-Jährige sogar die Jugendwertung des Kultlaufs. Am vergangenen Freitag stellte er bei der Auricher Stadtetappe mit 31:06 Minuten seine Bestzeit über 10 Kilometer auf.
Was ist die OBW?
Die OBW steht für „Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH“. Sie wurde 1964 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, „Menschen mit Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes Leben und eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen“, wie es auf der Website des Unternehmens heißt. Insgesamt arbeiten fast 700 Menschen mit Beeinträchtigung bei der OBW – unter anderem im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Handwerk oder im Büro.
„Mich schockt gar nichts“
Dabei war sein Start ins Läuferleben eher Zufall, berichtet Wiltfang. Seine Schule habe 2009 Teams für den Norder Citylauf zusammengestellt, dabei entdeckte der damals 16-Jährige seine Leidenschaft für den Sport. Seine Eltern, selbst ehemalige Läufer, erkannten das Talent ihres Sohnes und meldeten ihn beim Leichtathletikverein an. Heute trainiert Wiltfang täglich, an 365 Tagen im Jahr. Motivationsprobleme? Fehlanzeige! „Ich bin schon bei den schrecklichsten Wetterlagen gelaufen. Hagel, Schnee, Sturm – mich schockt gar nichts.“ Genau deswegen hat er sich bei der OBW auch für den Landschafts- und Gartenbau entschieden: „Ich bin einfach gerne an der frischen Luft.“
Jede Woche läuft der Pewsumer fast 100 Kilometer, sein Training besteht meist aus Intervallen auf der Bahn und ruhigen Dauerläufen auf der Straße. Dazu kommen Krafteinheiten und Dehnübungen, um schmerzfrei zu bleiben. Während des Ossiloops setzt der „Hobby-Leistungssportler“, wie Wiltfang sich selbst nennt, auf einen lockeren Vier-Kilometer-Lauf am Wettkampftag sowie ein paar Steigerungsläufe direkt vor dem Start. „Danach weiß ich genau, wie fit ich bin. Um ehrlich zu sein, bin ich jetzt erst richtig warm“, erklärt der Pewsumer.
Knüppelhartes Training
Am Anfang seiner Karriere wurde er von niemand Geringerem als dem mehrfachen Ossiloop-Sieger Andreas Kuhlen trainiert. Seit mittlerweile acht Jahren schreibt er seine Trainingspläne jedoch selbst. „Und die sind knüppelhart“, sagt der 32-Jährige lachend. Doch sie zahlen sich aus: Johannes Wiltfang hat unzählige Pokale und Medaillen gesammelt.
Der Erfolg ist für den 32-Jährige aber bei Weitem nicht das Wichtigste. „Ich freue mich immer am meisten auf die Begegnungen und auf die Leute, die an der Strecke stehen.“ Unter den Zuschauern sind auch stets seine Eltern. Sie fahren ihn nicht nur zu jeder Ossiloop-Etappe, sondern helfen auch, wenn es um Ausrüstung, Wettkampfanmeldungen und gesunde Ernährung geht.
Und somit gehört Johannes Wiltfang auch in diesem Jahr zu den absoluten Toplopern. Trotzdem bleibt der Pewsumer gelassen. Er weiß genau, dass sich Tammo Oldigs seinen Vorsprung von derzeit 2:25 Minuten nicht mehr nehmen lassen wird. Völlig okay für Wiltfang. Große Ambitionen auf den Sieg hegt er nämlich nicht: „Ich bin da sportlich fair und total zufrieden mit meinem zweiten Platz.“
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