Zu viele Raser  Stadt Emden will ersten Ampelblitzer anschaffen

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 14.05.2025 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zuletzt war im November 2024 ein neuer Blitzer für die Larrelter Straße angeschafft worden, der in beide Richtungen blitzt. Jetzt geht es um die Anschaffung eines Geräts, das auch Autofahrer, die über eine rote Ampel fahren, erwischt. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Zuletzt war im November 2024 ein neuer Blitzer für die Larrelter Straße angeschafft worden, der in beide Richtungen blitzt. Jetzt geht es um die Anschaffung eines Geräts, das auch Autofahrer, die über eine rote Ampel fahren, erwischt. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
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Wer bei einer roten Ampel weiterfährt, kann hart bestraft werden – wenn er erwischt wird. Ampelblitzer gibt es in Ostfriesland bislang kaum. In Emden soll ein Gerät angeschafft werden.

Emden - Bei Rot weitergefahren – das ist sicher schon jedem Autofahrer mal passiert. Wer erwischt wird, muss mit hohen Strafgebühren, Punkten in Flensburg und teilweise auch Fahrverbot rechnen. In Ostfriesland ist die Anzahl der Ampelblitzer, die also auslösen, wenn jemand über Rot fährt, bislang überschaubar. Die ersten Geräte dieser Art für die Region waren 2018 in Aurich an der Pferdemarkt-Kreuzung installiert worden. Jetzt will auch die Stadt Emden eine „kombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage“ anschaffen.

Das hat die Politik bereits über die Haushaltsabstimmung beschlossen. Im Ratsausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice am 22. Mai 2025 wird die Verwaltung dazu Details mitteilen. Klar ist schon jetzt, wo das Gerät aufgestellt werden soll: an der sogenannten VW-Kreuzung. Damit ist die Kreuzung der Autobahn (A) 31 mit der Larrelter Straße und der Niedersachsenstraße gemeint. Diese wird täglich zu den VW-Schichtzeiten von Tausenden Autofahrern genutzt. Pro Grünphase fahren hier bis zu 100 Autos auf die Autobahn oder die Niedersachsenstraße.

Wie gefährlich ist die Situation an der VW-Kreuzung?

Der Stadtverwaltung ist die Situation an der VW-Kreuzung schon länger ein Dorn im Auge, denn hier wird nicht nur gerast, sondern auch gerne mal die rote Ampel ignoriert. Vom 15. bis zum 23. Januar 2025 stand der Engelke-Blitzer bei der Kreuzung und hat mehr als 600 Raser erwischt. Genauer: 606 Geschwindigkeitsüberschreitungen wurden festgestellt, teilte Stadtsprecher Eduard Dinkela im Februar auf Nachfrage mit. Der schnellste Autofahrer war mit 129 Kilometern pro Stunde in der 50er-Zone unterwegs.

„Die Kreuzung Niedersachsenstraße wurde in den letzten Jahren als Unfallschwerpunkt identifiziert“, erklärte Dinkela. Insbesondere Rotlicht- und Geschwindigkeitsverstöße seien dort ein wiederkehrendes Problem. „Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, wäre die Installation eines Blitzers eine mögliche Maßnahme“, schrieb er im Februar. Details zu einem Zeitplan hatte der Stadtsprecher damals aber nicht genannt. Er bezeichnete es „eher als mittelfristige bis langfristige Maßnahme“. Die Umsetzung hänge auch von Haushaltsmitteln ab.

Wann soll der Ampelblitzer an die VW-Kreuzung kommen?

Da die Anschaffung jetzt als Mitteilung auf der Tagesordnung für den Ratsausschuss steht, haben wir erneut nachgefragt, inwieweit es bereits einen Zeitplan für die Aufstellung gibt. „Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung wird derzeit noch erarbeitet“, erklärt Stadtsprecher Eduard Dinkela.

An der Larrelter Straße zwischen Bahnhofsbrücke und VW-Kreuzung sind bereits drei feste Blitzer-Standorte eingerichtet. Der Blitzer kurz vor der VW-Kreuzung wurde bereits im November 2024 durch ein neues 90.000-Euro-Gerät ersetzt und „knipst“ jetzt in beide Richtungen mit Laser-Technik. An der Kreuzung zur Constantiastraße wird noch ein Blitzer wieder aufgestellt. Der vorige war bei einem Unfall zerstört worden. Einen Termin für die Wiederaufstellung hat die Stadt aber noch nicht genannt.

Sind Ampelblitzer in den Landkreisen geplant?

Wir haben auch bei den ostfriesischen Landkreisen nachgehakt, ob Ampelblitzer in der Planung sind. „Im Stadtgebiet Leer gibt es aktuell keine Rotlichtblitzer, derzeit sind auch keine geplant“, schreibt Pressesprecherin Karen Radtke. Da es laut Unfallstatistik im Stadtgebiet keine Ampel-Kreuzung gebe, die als Unfallhäufungsstelle eingestuft sei, sei auch kein akuter Bedarf erkennbar. Auch an Ampeln an Kreisstraßen gebe es keine Rotlichtblitzer, erklärt Kreissprecher Philipp Koenen. „Es sind auch keine geplant“, schreibt er.

Ralf Klöker, Sprecher des Landkreises Wittmund, erklärt, dass der Kreis bisher ausschließlich auf mobile Verkehrsüberwachung durch Blitzer setze und bisher auf die Installation stationärer Anlagen verzichte. Da sei derzeit keine Änderung in der Politik geplant. Es würden werktäglich zwei mobile Geräte eingesetzt, die die Geschwindigkeit kontrollieren. „Die Standorte (nicht komplett alle) werden in der Woche zuvor jeweils für die darauf folgende Woche bekanntgemacht, auch über unsere Social-Media-Kanäle“, erklärt er. Ampelblitzer würden derzeit in der Zuständigkeit des Landkreises nicht eingesetzt.

Im Landkreis Aurich gibt es bislang nur die Ampelblitzer an der Pferdemarkt-Kreuzung, bestätigt Kreissprecher Rainer Müller-Gummels. Die Kreuzung gilt als Unfallschwerpunkt. Sie wird nicht nur stark vom motorisierten Verkehr, sondern auch von auch vielen Radfahrern und Fußgängern genutzt. Die Realschule und das Gymnasium sind nicht weit. Auch Schüler der Finkenburgschule (Grundschule) müssen dort entlang. Ein Erfolg: Im vergangenen Jahr wurden so wenige Verkehrsteilnehmer wie nie geblitzt. Schon 2022 sind an der meistbefahrenen Kreuzung Ostfrieslands nur noch rund halb so viele Menschen bei Rot über die Ampel gefahren wie im Vorjahr.

Hinweis der Redaktion: In einer vorigen Version haben wir geschrieben, dass noch über die Anschaffung des kombinierten Tempo- und Ampelblitzers beschlossen werden muss. Das stimmt nicht. Im Rahmen des Haushaltsbeschlusses war die Anschaffung schon von der Politik abgesegnet worden, teilt Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) aktuell mit.

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