Stadtetappe durch Aurich Ossiloop-Überraschungen – Rheinland-Pfälzer auf dem Weg zum Dörloper
Um beim ostfriesischen Traditionslauf dabei zu sein, nahm Timo Schmidtke aus Rheinland-Pfalz in diesem Jahr eine Anreise von fast 500 Kilometern auf sich. Sein Ziel: das Dörloper-Shirt.
Leer/Aurich - Eine unglaubliche Stimmung und Überraschungen im Spitzenfeld hat es am Freitagabend bei der vierten Etappe des Ossiloops gegeben. Der Empfang für die Läufer in der Auricher Innenstadt war prächtig. Als Erster schritt erneut Titelverteidiger Tammo Oldigs über die Ziellinie – dieses Mal aber mit deutlichem Abstand. Er hatte seine Kraft zuvor schon so dosiert, dass er bei der Aurich-Etappe über die zehn Kilometer Bestleistung abrufen kann. So „fegte“ der Ihrhover mit einem Kilometerschnitt von unter drei Minuten über die Strecke und erreichte nach 29:51 Minuten das Ziel. Der bisherige Gesamt-Zweite Tim Veith lief am Freitag überraschenderweise nicht mit. Johannes Wiltfang folgte auf Oldigs in 31:06 Minuten.
Als erste Frau kam nicht Gesamt-Führende Verena Coordes (TuS Weene) in der Auricher Innenstadt an, sondern die gebürtige Moormerländerin Katharina Saathoff. Sie wohnt mittlerweile in Bremen, läuft für den Braunschweiger Laufclub und nahm am Freitag als Tagesläuferin teil. „Das ist mit Abstand die schönste Etappe, die habe ich mir ganz bewusst ausgesucht“, sagte Saathoff. Insgesamt hat die Aurich-Etappe 350 Tagesläufer angelockt. Mehr als 1400 Athleten sind für alle sechs Etappen angemeldet.
Ergebnisse
4. Etappe: Aurich - Aurich (10,00 Kilometer)
Männer: 1. Tammo Oldigs (Ihrhove) 29:51 Minuten; 2. Johannes Wiltfang (OBW Emden) 31:06; 3. Ingo Mudder (Emder LG) 33:18.
Gesamt: 1. Tammo Oldigs 2:12:14 Stunden; 2. Johannes Wiltfang 2:14:28; 3. Ingo Mudder (Emder LG) 2:23:21.
Frauen: 1. Verena Coordes (TuS Weene) 37:18 Minuten; 2. Daniela Ruthenbeck (Altenoythe) 38:59; 3. Frauke Buntjer (Bunde) 39:59.
Gesamt: 1. Verena Coordes 2:38:27 Stunden; 2. Daniela Ruthenbeck 2:49:48; 3. Frauke Buntjer 2:52:13.
Männliche Jugend: 1. Levi Weber (FCSO) 36:29 Minuten; 2. Marvin Helmerichs (MTV Aurich) 37:06; 3. Franz Hofer (Wiesmoor) 37:57.
Gesamt: 1. Levi Weber 2:38:13 Stunden; 2. Marvin Helmerichs 2:39:37; 3. Franz Hofer 2:41:38.
Weibliche Jugend: 1. Josefine Faß (KGS Wiesmoor) 42:30; 2. Enna Schneider (Realschule Aurich) 45:09; 3. Lotta Smid (Ulricianum Aurich) 45:10.
Gesamt: 1. Josefine Faß 3:02:05 Stunden; 2. Lotta Smid 3:17:16; 3. Enna Schneider 3:21:56.
Edzard Wirtjes spricht von einem Novum
Einige nehmen für eine Teilnahme am Ossiloop alle möglichen Strapazen auf sich – bei Timo Schmidtke ist es eine Anreise von fast 500 Kilometern. Der 46-Jährige aus Undenheim, einer 3000-Seelen-Gemeinde circa 20 Kilometer südlich von Mainz, verbringt drei Wochen in Ostfriesland, um sich in den illustren Kreis der Ossilooper einzureihen. Und das nicht etwa für Bestzeiten, denn der Rheinland-Pfälzer läuft ohne Zeitnahme. „Ich wollte mir keinen Druck machen und erst einmal ausprobieren, was auf mich zukommt“, begründet Schmidtke seine Entscheidung. Dass er trotzdem ein wenig auf die Zeiten schielt, gibt er witzelnd zu: „Ich wäre im Moment gefühlt unter den ersten 1000.“
Sogar Ossiloop-Organisator Edzard Wirtjes zeigt sich von Schmidtkes Einsatz beeindruckt: „Das hat es so noch nie gegeben.“ Zwar seien schon viele Läufer aus ganz Deutschland für den Kultlauf angereist, dass ein Nicht-Ostfriese dafür aber gleich drei Wochen verplant – das sei ungewöhnlich. Wobei: So ganz fremd ist Schmidtke die Region nicht.
Von Weinbergen zum Windrad
Seine Mutter war Wahlostfriesin und besaß ein Haus in Leer-Loga – das nutzt Schmidtke nun als Basislager. „Das ist schon ganz praktisch, aber natürlich hätte ich jetzt lieber meine Mutter an der Strecke, wie sie sich freut“, sagt er nachdenklich. Während des Ossiloops wohnt der 46-Jährige in der kleinen Ferienwohnung im Obergeschoss des Hauses. Urlaub nehmen musste er sich jedoch nicht – Timo Schmidte kann als Informatiker bequem von Zuhause aus arbeiten. „Ich bin da relativ flexibel. Aber natürlich weiß mein Vorgesetzter Bescheid, dass ich im Moment nicht in der Nähe von Mainz unterwegs bin.“
Auch in der Ossiloop-Community ist Schmidtke kein Unbekannter. Während der Corona-Jahre lief er bereits 18 Etappen des „Ossiloop anners“, dem virtuellen Ableger des Sechs-Etappen-Laufs. Über ein Shirt war er damals überhaupt erst auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. „Ich habe gesehen, dass viele hier in Ostfriesland mit den Ossiloop-T-Shirts unterwegs waren. Da habe ich mir angeguckt, was das überhaupt ist.“ Nach der Pandemie wurde es nun Zeit für die erste „echte“ Teilnahme.
Bustransfer auf Abwegen
Jeden Dienstag und Freitag fährt Schmidtke mit dem Bus von Logabirum zur jeweiligen Etappe. Offenbar ist das nicht immer frei von Komplikationen: „Gestern hat sich der Bus auf der Rückfahrt verfahren“, berichtet der Rheinhesse am vergangenen Mittwoch lachend. „Der Fahrer hat wohl zu viel geschnackt. Hat sich nicht auf die Strecke konzentriert und deswegen sind wir dann falsch abgebogen. Wir hatten alle sehr viel Spaß.“ Schmidtkes Anekdote passt zur allgemeinen Stimmung des Ossiloops, bei dem nicht die Zeit, sondern das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund steht.
Genau deswegen fühlt sich der Undenheimer, der alleine läuft und niemanden kennt, beim ostfriesischen Kultlauf gut aufgehoben. „Es ergibt sich immer mal, dass der ein oder andere kurzfristig seine Kilometer mit einem teilt. Und auch im Bus gibt’s genug Leute, mit denen man sich unterhalten kann.“
Dörloper-Shirt in Aussicht
Das Ziel des weit gereisten Rheinhessen ist es, alle sechs Etappen durchzuhalten. „Ich laufe zwar schon länger, aber lasse es ganz entspannt angehen – wenn ich am Ende das Dorlöper-Shirt kriege, bin ich zufrieden“, sagt Schmidtke schmunzelnd.
Was den Ossiloop für ihn als Nicht-Ostfriesen ausmacht? „Es ist wahnsinnig interessant, zu sehen, was sich die Zuschauer alles einfallen lassen, um uns Läufer zu unterstützen.“ Für Schmidtke ist demnach eines ganz klar: Im nächsten Jahr wird er erneut dabei sein. „Ich muss ja schließlich wieder zurück – vom Meer nach Leer.“
Vierte Ossiloop-Etappe – der Liveblog zum Nachlesen