Internet über Satelliten Großefehntjer hat Antwort auf schleppenden Breitbandausbau
Lösungen finden, statt über den stockenden Breitbandausbau zu jammern – das ist die Devise von André Emkes aus Mittegroßefehn. Bei der Suche nach Alternativen wurde er zum Experten.
Großefehn - Im Haus von André Emkes gibt es viele „smarte“ Elektrogeräte. Das heißt, sie lassen sich über das Mobiltelefon von überall steuern und manche kommunizieren sogar miteinander. „Wenn die Waschmaschine fertig ist, weiß der Trockner schon, was für eine Ladung ihn erwartet und wählt die passenden Einstellungen“, erklärt der Fahrlehrer. Was für ihn wichtig ist, damit er diese schlauen Funktionen der Geräte auch nutzen kann: schnelles Internet.
Denn diese Geräte kommunizieren über eine Cloud im Internet. Die Ernüchterung war deshalb groß, als er sich auf den Umzug in sein neues Zuhause in Mittegroßefehn vorbereitete. „Übertragungsraten von 2 Megabit pro Sekunde haben wir hier über DSL erreicht“, sagt Emkes. Mehr kam nicht an, obwohl laut Anbieter mehr verfügbar sein soll – sogar bis zu 150 Megabit pro Sekunde.
Wie hoch sollte die Übertragungsrate sein?
Wer mit diesen Zahlen nicht viel anfangen kann: 2 Megabit pro Sekunde reichen nicht einmal zum Arbeiten im Homeoffice und schon längst nicht dafür, Filme im Netz zu streamen. Die smarten Funktionen seiner Therme und anderer Geräte kann er so ebenfalls nicht nutzen. Was also tun? Für Homeoffice werden mindestens 50 Megabit pro Sekunde und für Streaming und viele verknüpfte Geräte idealerweise sogar 100 Megabit pro Sekunde oder mehr empfohlen.
Dass der Breitbandanschluss im Landkreis Aurich stockt, ist auch deshalb für André Emkes ein Problem. Über die jahrelange Verzögerung beim Anschluss von Haushalten jenseits der Zentren wurde bereits viel geschrieben. Emkes hat schon in verschiedenen Orten im Landkreis Aurich gewohnt und war überall auf dasselbe Problem gestoßen. Deshalb testet er schon länger Alternativen zum Glasfaseranschluss, um der schlechten Versorgungslage ein Schnippchen zu schlagen.
Viele Alternativen zu Glasfaser getestet
„Statt über die Situation zu meckern, suche ich lieber nach Lösungen“, sagt er. Fast alles hat er schon durch: vom klassischen Kupferkabel und DSL über Internet per Mobilfunk über den GigaCube von Vodafone und den Telekom Speedport bis zur Satelliten-Technik von Starlink. Nur von einem Breitbandanschluss muss er weiterhin träumen.
Dabei ist der erste Schritt bereits getan: „Wir mussten neue Versorgungsleitungen legen und haben deshalb auch gleich den Hausanschluss für das Breitbandnetz legen lassen“, erklärt er – in der Hoffnung, dass das schnelle Netz irgendwann auch einmal für ihn verfügbar ist. Gesehen hat er es schon: Das Leerrohr für den Hausanschluss liegt kurz vor dem neuen Breitbandkabel der zweiten Ausbaustufe im Landkreis Aurich. Der Breitbandanschluss ist also zum Greifen nah.
Warten auf Breitband ist wie eine Lotterie
Vor etwa einem Monat ist er eingezogen und hätte sein smartes Zuhause am liebsten direkt angeschlossen. Beim Verfügbarkeitscheck auf der Seite des Landkreises Aurich sieht es auch so aus, als sei das kein Problem. Gibt er seine Adresse dort ein, erscheint ein lächelnder Smiley und der Satz „Glasfaser ist bei Dir verfügbar!“. Doch als er beim Landkreis anrief, um sich zu informieren, gab es eine Absage. „Ich war zu spät, um mich für einen Anschluss in der momentan laufenden zweiten Ausbaustufe anzumelden“, sagt Emkes.
Statt ihm Hoffnung auf eine baldige Lösung zu machen, gab es vom Landkreis einen Dämpfer: „Sie haben mir erklärt, dass man erst einmal abwarten muss, ob noch Kapazitäten für einen weiteren Anschluss an das Breitbandnetz vorhanden sind“, sagt er und lacht ein wenig bitter. „Ob wir eines Tages angeschlossen werden, ist wie das Warten auf einen Lotteriegewinn.“ Gut also, dass er bereits eine Lösung hat.
Die Mobilfunkabdeckung im Ort reicht nicht aus
Emkes steht in seinem Garten unter einer kleinen, an der Garage montierten Satellitenschüssel. Optisch ist es nicht mehr als ein schräg auf einen Halter montiertes Tablett. Es ist die neueste Starlink-Generation des US-amerikanischen Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmens SpaceX, das 2002 von Elon Musk gegründet wurde. Bedenken hat Emkes nicht, das Unternehmen wegen Musks Nähe zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu unterstützen – auch wenn er die Entwicklung in den USA kritisch sieht.
„Ich habe aber auch Bekannte, die aus Überzeugung auf Starlink verzichten, weil sie das nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können“, sagt Emkes. Allerdings habe er nicht wirklich eine Wahl gehabt – denn eine Alternative gab es nicht. „Die Mobilfunk-Lösungen mit dem GigaCube und dem Speedport haben bei uns nicht funktioniert“, sagt André Emkes. „Die Mobilfunkabdeckung ist meistens ebenfalls problematisch, wenn man wie wir am Ende der Welt wohnt“, gibt er zu bedenken.
4G, 5G – der Unterschied ist die Übertragungsrate
Wer wissen möchte, wie die Mobilfunk- und Internetstandards am eigenen Wohnort sind, kann das auf der Seite der Bundesnetzagentur nachsehen. Allerdings werden dort nur grobe Richtwerte angezeigt. „Auch wenn bei uns angeblich ein 5G-Netz (Mobilfunkstandard der fünften Generation) verfügbar ist, hatten wir maximal zwei Balken im LTE-Netz“, sagt André Emkes. Für das smarte Heim und Streaming reicht das nicht aus.
LTE steht für (Long Term Evolution) und ist der Mobilfunkstandard der vierten Generation (4G). Die Übertragungsraten liegen bei maximal 150 Megabit pro Sekunde. Das würde eigentlich ausreichen. Ist die Verbindung wie bei André Emkes aber schlechter, kann es deutlich weniger sein. Besser wäre ein 5G-Netz, es erreicht maximal eine Übertragungsrate von einem Gigabit pro Sekunde.
Es gab keine Alternative zu Starlink
Also blieb nur noch die Wahl zwischen Starlink und einem Internet im Schneckentempo. „Das Gute ist, dass Starlink inzwischen bezahlbar geworden ist“, so der Großefehntjer. Das Kit kostet bei monatlicher Kündigungsfrist 349 Euro in der Anschaffung. Internet gibt es für monatlich 50 Euro. „Das ist inzwischen ein fairer Preis“, findet Emkes. „Nur weiteres Zubehör wie Halterungen und Verlängerungskabel sind relativ teuer.“ Die Installation sei leicht. „Mit der Starlink-App muss man prüfen, ob der Himmel über der Satellitenschüssel frei ist.“ Für die gelieferten Komponenten gibt es eine Montageanleitung im Ikea-Stil.
Wie man Starlink nutzt, steht jedem frei. „Ich habe Starlink mit dem Netzwerkrouter gekoppelt“, erklärt André Emkes. Jeder Raum im Haus ist darüber angeschlossen, inklusive eigener Netzwerkdose. Die Übertragungsrate sei relativ konstant und ausreichend, sagt Emkes und lässt einen Test laufen. Die App zeigt 132 Megabit pro Sekunde im Download und 20 im Upload. Damit ist André Emkes zufrieden. Bei 15 Bekannten hat er das System schon installiert. „Ich bin mittlerweile schon ein Experte bei der Suche nach Alternativen zum Breitbandanschluss.“
Wenn der Breitbandanschluss kommt, hat Starlink ausgedient
Sobald es allerdings grünes Licht vom Landkreis oder vom zuständigen Netzanbieter gibt, ist für ihn Starlink Geschichte. „Deshalb ist es gut, dass man Starlink monatlich kündigen kann. Auch das Kit kann ich gut weiterverkaufen“, sagt Emkes. Denn es gibt in Deutschland noch immer zahlreiche Haushalte ohne oder mit schlechtem Internet.
Nach Daten des Bundesverbands Breitbandkommunikation und einer Analyse des Bundes hat bisher etwa jeder zweite Haushalt in Bremen und Niedersachsen Zugang zu Glasfaser. Doch nur etwa jeder fünfte Haushalt ist angeschlossen. Bis 2030 soll bundesweit jedes Haus wenigstens einen Zugang zu einem Glasfaseranschluss haben.
Alternativ arbeitet die Europäische Union bereits an einem eigenen Satellitensystem, um unabhängig vom Musk-Imperium zu werden. Der erste Start des Satellitensystems Iris2 ist ab 2030 geplant. Es soll auch den Zugang von Privathaushalten und Unternehmen zu schnellem Internet sichern.