Berlin  Wer waren die Abweichler? So geriet der Niedersachse Andreas Mattfeldt in Verdacht

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 10.05.2025 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wer hat ihn verraten? Beim ersten Wahlgang fällt Friedrich Merz durch. Auch ihn wird jetzt die Frage umtreiben, wer ihm die Gefolgschaft im letzten Moment verweigerte. Foto: dpa/Michael Kappeler
Wer hat ihn verraten? Beim ersten Wahlgang fällt Friedrich Merz durch. Auch ihn wird jetzt die Frage umtreiben, wer ihm die Gefolgschaft im letzten Moment verweigerte. Foto: dpa/Michael Kappeler
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Man wüsste zu gern, wer die 18 Abweichler bei der Merz-Wahl waren. Mancher Abgeordnete wie Andreas Mattfeldt (CDU) musste sich dieser Tage erklären.

Plötzlich war der CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeldt zum ersten Mal bei Markus Lanz. Allerdings anders, als er sich das wohl vorgestellt hätte. Nicht persönlich, aber er war DAS Thema. Der langjährige Bundestagsabgeordnete (seit 2009 direkt gewählt, Wahlkreis Osterholz-Verden) wurde verdächtigt, Friedrich Merz im ersten Wahlgang die Stimme verweigert zu haben. Einer von 18 Abgeordneten gewesen zu sein, die die Republik diese Woche in Schnappatmung versetzt hatten. 

Die Indizien: Mattfeldt wurde von der Lanz-Redaktion als einer der möglichen Rebellen identifiziert, weil er auf seinem Linkedin-Account auf der Zugfahrt nach Berlin nicht nur darüber geschrieben hatte, dass das Frühstück im tschechischen EC so wunderbar ist, sondern auch Folgendes: „Die Kanzlerwahl steht an. Und ja – ich bin nach wie vor irritiert darüber, wie sich unsere Unionsspitze von einer noch amtierenden SPD-Ministerin mit einem AfD-Gutachten vorführen lässt.” Das sei eine „Farce”. Und dann der Satz: „Ich werde auch weiterhin ausschließlich nach meiner Überzeugung und im Sinne meines Wahlkreises abstimmen.” Verdächtig, verdächtig, befand die Runde bei Lanz. Und dann ist Mattfeldt auch noch Niedersachse! 

Der starke CDU-Landesverband wurde bei Merz’ Personaltableau mit keinem einzigen Ministerium bedacht. Brachten die Norddeutschen also Merz im ersten Anlauf zu Fall? 

Anruf bei Mattfeldt. „Ich war überrascht, dass mein Post bei Lanz gezeigt wurde und ich plötzlich als Abweichler gelten sollte. Das ist völlig absurd. Ich stehe Wolfgang Bosbach nahe und habe natürlich Friedrich Merz gewählt.“ Um seine einwandfreie Merz-Treue zu untermauern, hat Mattfeldt inzwischen auf LinkedIn nachgelegt. Ein Foto mit ihm und Merz, ein Jubelschreiben über dessen Wahl. Ähnlich dürften auch andere Gesinnungschecks der nächsten Tage und Wochen bei Union und SPD ablaufen, sehr wahrscheinlich ergebnislos.

Der „Heide-Mörder“ wurde schließlich auch nie gefunden. Vor 20 Jahren, am 17. März 2005, fehlte der langjährigen SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein bei der Wahl im Landtag überraschend eine einzige Stimme - und sie verlor das Amt. Der Abweichler offenbarte sich nicht.

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