Osnabrück  Mann der Mitte: Warum Papst Leo XIV. der deutschen Kirche kaum helfen wird

Dr. Philipp Ebert
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Von Dr. Philipp Ebert
| 08.05.2025 20:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Papst Leo XIV., hier noch noch als Bischof von Chiclayo. Foto: picture alliance/dpa/Diocese of Chulucanas via AP
Papst Leo XIV., hier noch noch als Bischof von Chiclayo. Foto: picture alliance/dpa/Diocese of Chulucanas via AP
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Kardinal Robert Francis Prevost ist jetzt Papst Leo XIV. Auch wenn er als Mann der Mitte und als Vertrauter vom verstorbenen Papst Franziskus gilt: Die deutschen Katholiken wird er, der Brücken bauen will, notwendigerweise enttäuschen. Ein Kommentar.

So mancher freut sich, noch mehr schauen interessiert, ja fasziniert nach Rom: Während der ikonische weiße Rauch in den Abendhimmel über dem Vatikan aufstieg, verkündeten die Glocken des Petersdoms: Ein neuer Papst ist gewählt.

Auf Papst Leo XIV., dem 267. Bischof von Rom als Oberhaupt der katholischen Kirche, liegen große Erwartungen. Nicht nur, aber auch von Deutschlands Katholiken. Schließlich hatte sein Vorgänger, Papst Franziskus, mit seinem spartanischen Lebens- und Kleidungsstil, seinen sozial-romantischen Reden und dem Einsatz für die “Bewahrung der Schöpfung” – also der Umwelt – viele Anhänger.

Enttäuscht wurde die Mehrheit der deutschen Katholiken von Franziskus aber in kirchenpolitischen Reformfragen: Frauenweihe, Zölibat, Scheidung und Wiederheirat, Ökumene – in keinem dieser Felder entschied Franziskus im Sinne der reformhungrigen Deutschen.

Viele hatten gehofft, auf Papst Franziskus folge ein ebenso umweltbewusster und sozialer Papst; am besten einer, der dazu noch endlich eine progressive Kirchen-Veränderungs-Agenda vorantreibt. Andere hofften auf eine konservative Korrektur, eine Besinnung auf den katholischen Markenkern.

Der bisherige Kardinal Prevost gilt als Mann der Mitte, der Franziskus nahestand. Mit Enttäuschungen müssen die deutschen Katholiken aber gleichwohl rechnen. Weil die Erwartungen, die man hierzulande hat, im weltkirchlichen Kontext unrealistisch sind.

Weder ist zu erwarten, dass Papst Leo XIV. Frauen in den kommenden Jahren zu Weiheämtern zulässt; noch, dass der Pflichtzölibat für Priester zügig aufgehoben wird.

Ohnehin wird sich der Verlust an Relevanz- und Plausibilität, den die katholische Kirche in Deutschland erfährt, nicht durch Reformen bremsen lassen. Die Säkularisierung schreitet ungebremst voran; ebenso der demografische Wandel.

Christen werden in Deutschland immer mehr zu einer Minderheit – egal ob der neue Papst erlaubt, dass Priester heiraten dürfen oder nicht.

Aber das muss ja nicht schlimm sein: Auch als Minderheit können Christen zum Segen für ihre Umwelt werden. Etwas pathetisch-pastoral formuliert: Nächstenliebe zu leben ist wichtiger, als nur von ihr zu erzählen. Daran können sich Christen aufrichten, wenn die Aufregung um die Wahl von Papst Leo XIV. demnächst wieder verflogen ist.

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