Neumünster  Acht Autos, acht Zylinder, ein Sammler: Diese spektakuläre Oldtimer-Sammlung sollten Sie kennen

Finn Lasse Streckwaldt
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Von Finn Lasse Streckwaldt
| 07.05.2025 20:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Weltweit gibt es nur 15 Stück dieser seltenen Oldtimer – acht davon stehen in der Garage von Andreas Stühmer. Hier erzählt er, was die Oldtimer für ihn so besonders macht – und warum seine Autos auf die Straße gehören.

Versteckt in einem unscheinbaren Hinterhof mitten in der Innenstadt von Neumünster stehen sie aufgereiht und glänzen in der Mittagssonne – in rot, schwarz, weiß, silber und blau. Sceptre 6.6s: Diese Oldtimer mit ihrer markanten, langgestreckten Schnauze und ihren silbern funkelnden Abgaskrümmern an der Außenseite wirken wie aus der Zeit gefallen. Und doch spürt man sofort die Faszination, die diese Autos ausstrahlen. Weltweit gibt es nur 15 Exemplare dieser handgefertigten Luxuswagen – acht davon stehen in Neumünster und gehören Andreas Stühmer. 

„Ich bin mit Benzin im Blut geboren“, wurde er einmal in einer Zeitung zitiert. Wer bei Andreas Stühmer am Esstisch Platz nimmt, merkt schnell: Das ist keine leere Floskel. Seine Leidenschaft begegnet einem überall im Raum. In Glasvitrinen stehen detailgetreue Modellautos, die Wände zieren Gemälde und Fotografien verschiedener Fahrzeuge. Was seine Bilder von den Postern eines autoverliebten Elfjährigen unterscheidet? Ein Blick auf die Kennzeichen mit dem Kürzel NMS verrät es. Diese Autos hat Andreas Stühmer selbst besessen und ist sie tatsächlich gefahren.

Doch obwohl alle seine Wagen besonders sind, leuchten seine Augen nur bei einem ganz bestimmten Modell auf: den Sceptre 6.6s. Erst kürzlich kam ein weiterer hinzu – silbern und blau lackiert. Es ist sein achter Sceptre, den er trotzdem „Nummer 13“ nennt – denn es ist der 13. Wagen, der überhaupt gebaut wurde. Nur 15 Stück existieren. Jeder seiner Wagen ist zugelassen und wird regelmäßig gefahren – sofern das Wetter es zulässt.

Autos begleiten den Wohnungsvermieter und ehemaligen Betreiber eines Campingplatzes auf Sylt schon seit der Jugend. Mit den Sceptren startete es im Jahr 2011. Damals stieß Andreas Stühmer beim Stöbern auf eBay auf das Foto eines roten Sceptre. „Nummer 7“, wie er ihn heute nennt.

Die Bilder allein genügten, um ihn zu begeistern. „Ich war sofort fasziniert von diesem Auto und habe darauf geboten.“ Nachdem er die Auktion gewonnen hatte, setzte er sich in den Flieger nach Nürnberg, um das Auto persönlich abzuholen und fuhr es schließlich selbst zurück. „Ich bin bis kurz vor Hannover gekommen, den Rest musste ich dann beim ADAC mitfahren“, erzählt er schmunzelnd. Der Defekt konnte seiner Begeisterung nichts anhaben. „Das Auto ist unglaublich.“

Gebaut wurden die Sceptre 6.6s Ende der 1970er Jahre von der Sceptre Motorcar Company in Kalifornien. Unter der Haube lauert ein kraftvoller V8-Ford-Motor, mit einem Dreigang-Automatikgetriebe und 168 PS. Damals lag der Verkaufspreis bei rund 50.000 Dollar – ein stolzer Preis für die Zeit. Einer der Wagen gehörte dem legendären Marlboro-Mann Ted Peterson. Heute steht auch dieser bei Stühmer in Neumünster.

Was Andreas Stühmer an diesen Fahrzeugen fasziniert, ist nicht nur ihr besonderes Design, sondern auch ihre Exklusivität. Selbst auf großen Oldtimermessen sorgt er regelmäßig für staunende Gesichter, wenn er vorfährt. Ein kurzer Blick auf das Profil der Reifen verrät: Bei ihm verstauben die Autos nicht im Verborgenen. Dafür liebt er sie zu sehr. „Über zwei Jahre hat es gedauert, manche der Wagen durch den TÜV zu kriegen“, sagt er. Aber das war es ihm wert.

Im Alltag fährt er meist mit seinem 550 PS starken Bentley. Doch das sei kein Vergleich zu den 40 Jahre alten Sceptren. „Ich bin viel am Schimpfen auf der Autobahn“, sagt Stühmer. „Im Sceprte ist das anders. Auch wenn ich dann nur mit maximal 100 über die Landstraßen fahre. Ich genieße es. Dieses Auto entschleunigt total.“ Ganz stimmt das Bild vom „Benzin im Blut“ jedoch nicht – zumindest nicht ausschließlich. Schließlich hat es auch ein E-Auto auf den Hof geschafft. Den Opel Mokka fährt allerdings meist nur Simone Sonnenberg.

Zu den Klassiker-Tagen Ende Mai wird er mit insgesamt 15 Oldtimern anreisen – auch ausgewählte Freunde dürfen hinters Steuer seiner Autos. In welchem Wagen er dann gemeinsam mit seiner Partnerin Simone Sonnenberg Platz nehmen wird? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Im Prototyp. Wir sitzen in der Eins.“

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