Hannover  Nur einer von 1.000 wird angenommen: Kolumbianer flüchten fast nur nach Niedersachsen

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 07.05.2025 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Während die Zahl der Asylanträge in Niedersachsen insgesamt zurückgeht, steigt der Anteil kolumbianischer Flüchtlinge. Nur jeder Tausendste erhält auch einen Schutzstatus – was passiert dann mit den Menschen?

Wenn von Flüchtlingen die Rede ist, geht es meist um Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. Sie machen deutschlandweit die größten Herkunftsgruppen aus. In Niedersachsen hingegen steht Kolumbien auf Platz zwei der Herkunftsländer – jeder achte Asylantrag wird inzwischen von einem Kolumbianer gestellt.

Wenn Kolumbianer nach Deutschland flüchten, dann meist nach Niedersachsen. Zwar werden Asylanträge aus dem südamerikanischen Land auch in Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen bearbeitet, 80 Prozent der kolumbianischen Asylanträge aber landen auf den Schreibtischen niedersächsischer Behörden.

In vielen Teilen Kolumbien gibt es zwar bewaffnete Konflikte, zu einem Schutzstatus führt das aber nicht automatisch. Jeder Fall werde einzeln geprüft, erklärt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Dabei seien aber „auch inländische Fluchtalternativen zu prüfen“.

Insgesamt 5923 Kolumbianer haben in den vergangenen beiden Jahren einen Asylantrag in Niedersachsen gestellt. Doch nur einer von Tausend erhielt auch einen Schutzstatus, wie das BAMF der Redaktion auf Anfrage mitteilte. Das wären rechnerisch rund sechs Personen.

Ein Teil der Verfahren wurde eingestellt, der Großteil der Anträge jedoch abgelehnt. Weil Deutschland mit Kolumbien diplomatische Beziehungen unterhält, wird dorthin grundsätzlich auch per Linienflug abgeschoben. 2024 wurden insgesamt 61 Personen nach Kolumbien abgeschoben, wie eine Kleine Anfrage der Linkspartei im Bundestag ergab. Vier davon wurden mit einem Abschiebeflug für knapp 45.000 Euro rückgeführt.

Acht weitere Kolumbianer wurden im letzten Jahr im Rahmen der Dublin-Verordnung an andere EU-Staaten überstellt. 449 Kolumbianer reisten freiwillig aus, der Großteil davon mit einer finanziellen Förderung. Etwas mehr als 1000 Kolumbianer wären zusätzlich grundsätzlich ausreisepflichtig.

Viele kolumbianische Flüchtlinge bleiben also trotz Ablehnung ihres Asylantrags im Land. Allein im Landkreis Rotenburg (Wümme) östlich von Bremen lebten Ende 2024 rund 500 Asylbewerber aus Kolumbien. Zur Anwerbung von Pflegefachkräften gibt es bereits ein Abkommen mit Kolumbien, außerdem wurden im Herbst letzten Jahres vereinbart, ein Migrationsabkommen auszuhandeln.

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