3. Etappe am Dienstag  Ohne Fleiß kein Preis – Dornumersieler Musiker setzt Ossiloop ein Denkmal

Deike Terhorst
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Von Deike Terhorst
| 06.05.2025 22:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Helge Plavenieks aus Dornumersiel beschreibt mit einem eigenen Song seine Leidenschaft für den Ossiloop. Foto: Klaus Ortgies
Helge Plavenieks aus Dornumersiel beschreibt mit einem eigenen Song seine Leidenschaft für den Ossiloop. Foto: Klaus Ortgies
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Mit „Wanna Run You Have to Work Hard“ hat Musiker Helge Plavenieks aus Dornumersiel dem Ossiloop einen Song gewidmet. Der Liedermacher geht selbst bei allen sechs Etappen an den Start.

Bagband/Holtrop - Obwohl die Ossiloop-Organisatoren explizit darum bitten, während des Laufens keine Kopfhörer zu tragen und sogar mit Disqualifizierungen drohen – ganz ohne Musik geht es nicht! Und so ist vor einer Woche ein Song erschienen, der ganz allein Ostfrieslands Kultlauf gewidmet ist. Aufgenommen wurde „Wanna Run You Have to Work Hard“ vom Musiker Helge Plavenieks aus Dornumersiel.

Die Idee kam dem 48-Jährigen beim Training für den Sechs-Etappen-Lauf – der Refrain entstand spontan unter der Dusche. Es folgten Zeilen über Landschaft und Gemeinschaft. „Der Song soll genau dieses Gefühl einfangen – dieses ‚Wir laufen zusammen‘“, erklärt der Songwriter, der das Stück im Stil einer 80er-Jahre-Rockhymne in sechs Wochen fertigstellte. „Ist eine ganz schöne Nummer geworden“, lautet sein ostfriesisch-nüchternes Fazit.

Aufgewachsen in Norderneyer Sportlerfamilie

Der auf Norderney aufgewachsene Plavenieks tritt in diesem Jahr für den SV Dornum beim Ossiloop an. Bereits die ersten beiden Etappen legte er in beeindruckenden Zeiten zurück: In 49:54 Minuten lief er nach Holtland, in 39 Minuten nach Gut Stikelkamp. Kein Wunder, stammt er doch aus einer Sportlerfamilie. Vater Manfred war viele Jahre lang Vorsitzender des Norderneyer Inselvereins, organisierte unter anderem den City-Abendlauf. Im Herz von Helge Plavenieks war also stets viel Platz für Sport. Bereits seit Anfang der 1990er nimmt er immer mal wieder am Ossiloop teil. „Wenn man von Norderney kommt, kann man aber immer nur einzelne Etappen mitlaufen.“ 2011 zog er nach Dornumersiel, das machte die Teilnahme logistisch einfacher.

3. Etappe: Bagband - Holtrop (11,95 Kilometer)

Männer: 1. Tammo Oldigs (Ihrhove) 40:24; 2. Tim Veith (MTV Aurich) 40:24; 3. Johannes Wiltfang (OBW Emden) 40:48.

Gesamt: 1. Tammo Oldigs 1:42:23; 2. Tim Veith 1:43:10; 3. Johannes Wiltfang 1:43:22.

Frauen: 1. Verena Coordes (TuS Weene) 47:11; 2. Daniela Ruth (Altenoythe) 50:44; 3. Frauke Buntjer (Bunde) 50:38.

Gesamt: 1. Verena Coordes 2:01:09; 2. Daniela Ruth 2:10:49; 3. Frauke Buntjer 2:12:14.

Männliche Jugend: 1. Levi Weber (FCSO) 46:46; 2. Marvin Helmerichs (MTV Aurich) 46:48; 3. Franz Hofer (Wiesmoor) 47:12.

Gesamt: 1. Levi Weber 2:01:44; 2. Marvin Helmerichs 2:02:31; 3. Franz Hofer 2:03:41.

Weibliche Jugend: 1. Josefine Faß (KGS Wiesmoor) 53:46; 2. Lotta Smid (Ulricianum Aurich) 59:52; 3. Enna Schneider (Realschule Aurich) 58:51.

Gesamt: 1. Josefine Faß 2:19:35; 2. Lotta Smid 2:32:06; 3. Enna Schneider 2:26:37.

Zu seinen Lieblingen gehört dabei stets die dritte Etappe in Richtung Holtrop. „Die Mühlenetappe ist die mit Abstand schönste.“ Die diesjährige Ausgabe des Ossiloops entspreche übrigens auch seiner Lieblingsrichtung – von Leer ans Meer laufe er quasi nach Hause. „Von Bensersiel könnte ich theoretisch auslaufen“, witzelt der Musiker.

„Mittlerweile bin ich nicht mehr so in Form“

Ob er mit seiner Leistung bisher zufrieden ist? „Ich habe meiner Frau versprochen, mir in diesem Jahr keine Ziele zu setzen“, antwortet der 48-Jährige lachend. „Als junger Mensch war ich mal richtig gut, mittlerweile bin ich nicht mehr so in Form.“ Seine Prioritäten seien nun andere. „Ich bin froh, dass mir bis jetzt kein Auftritt am Dienstag oder Freitag dazwischengekommen ist.“ Er habe zwar Biologie und Sport studiert, letztlich sei seine Leidenschaft aber die Musik.

Diese entdeckte Plavenieks bereits im Alter von 15 Jahren. „Anfang der 90er hat mich ein Lehrer in den Übungsraum der Schulband mitgenommen. Von da an wollte ich Musik machen“, erinnert sich der Dornumersieler, der sich das Gitarrespielen selbst beibrachte. In den Jahren darauf trat er mit verschiedenen Rockbands auf, wechselte später jedoch von der E-Gitarre zur Akustikgitarre und begann solo in Kneipen, Kirchen und Wohnzimmern einen Mix aus Rock, Blues und Folk zu spielen. Auch für Hochzeiten und Geburtstage wird er gebucht.

Enge Freundschaft mit den Steinkes

Sein über vier Minuten langer Ossiloop-Song ist seit Ende April auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar. Im dazugehörigen Video gibt es neben Animationen einer typisch ostfriesischen Landschaft mit Windrädern und Deichen und einer Szene von Moderator Heino Krüger (inklusive Klatschhand) auch eine von Hilde Steinke – Zuschauer winken der „Königin des Ossiloop“, die über 40 Jahre lang dabei war, am Streckenrand zu. „Diese Szene war mir besonders wichtig – eine stille Verneigung vor einer Lauflegende“, so Plavenieks.

Helge Plavenieks (links) traf am vergangenen Freitag auf Gut Stikelkamp auch auf seinen Laufkumpanen Peter Steinke. Foto: privat
Helge Plavenieks (links) traf am vergangenen Freitag auf Gut Stikelkamp auch auf seinen Laufkumpanen Peter Steinke. Foto: privat

Schon seit vielen Jahren ist er dem aus Warsingsfehn stammenden „Läufer-Clan“ freundschaftlich verbunden – beim Ende der zweiten Etappe am vergangenen Freitag ulkte er mit Sohn Peter auf Gut Stikelkamp für einige Selfies herum. „Wanna Run You Have to Work Hard“ kommt jedoch auch beim Rest der Ossiloop-Community gut an. „Der TV Norden sagt, die hören das im Bus auf dem Weg zum Ossiloop“, berichtet der Musiker. „Auch Heino Krüger reagiert total positiv darauf. Er spielt den Song sogar auf der Strecke.“

Eins von vielen Liedern

„Wanna Run You Have to Work Hard“ ist jedoch nicht der einzige Song, der dem ostfriesischen Kultlauf gewidmet ist. Die Ganter aus der Gemeinde Ihlow, die sich selbst augenzwinkernd „Die ostfriesische Antwort auf die Amigos“ nennen, haben zu Ehren der Laufveranstaltung bereits vor zwei Jahren den „Ossiloop-Song“ geschrieben und auf dem Videoportal YouTube veröffentlicht.

Die Ganter (links Hans-Albert Theilen, rechts Dieter Kabra) posierten beim Ossiloop 2023 in Bensersiel mit dem Velomobil von Enno Heidergott. Foto: Archiv/privat
Die Ganter (links Hans-Albert Theilen, rechts Dieter Kabra) posierten beim Ossiloop 2023 in Bensersiel mit dem Velomobil von Enno Heidergott. Foto: Archiv/privat

Das Duo, bestehend aus Hans-Albert Theilen und Dieter Kabra, ist beziehungsweise war im Lehramt tätig. Theilen unterrichtet an der Realschule Aurich Englisch, Religion, Musik und Sport. Kabra lehrte früher an der Berufsschule Emden Mathematik und Elektrotechnik. Die Hobbymusiker sind seit über zehn Jahren aktiv und haben neben dem „Ossiloop-Song“ auch Fußball-, Vereins-, Friedenslieder geschrieben. Dazu kommen lokalpatriotische Hymnen wie „Ostfriesland, du bist einfach schön“ und „Ostfriesenmensch“. Im Gegensatz zu Helge Plavenieks sind öffentliche Auftritte bei ihnen jedoch die Ausnahme.

Ingo Mudder, Johannes Wiltfang, Tim Veith und Tammo Oldigs (von links) waren bei der dritten Etappe die Ersten im Ziel. Foto: Klaus Ortgies
Ingo Mudder, Johannes Wiltfang, Tim Veith und Tammo Oldigs (von links) waren bei der dritten Etappe die Ersten im Ziel. Foto: Klaus Ortgies

Auf der Königsetappe von Bagband nach Holtrop dominierten an der Spitze auch die bisher Gesamtführenden. Sowohl Verena Coordes (TuS Weene) in 47:11 Minuten als auch Tammo Oldigs (Concordia Ihrhove) in 40:11 Minuten schnappten sich auf der mit 11,9 Kilometern längsten Etappe auch den dritten Sieg. Musiker Helge Plavenieks landete in 55:41 Minuten auf Rang 130.

Dritte Ossiloop-Etappe – der Liveblog zum Nachlesen

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