Osnabrück  Aktivismus oder Glaube: Wohin will die evangelische Kirche?

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 04.05.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Beim evangelischen Kirchentag in Hannover ist eine Resolution für ein AfD-Verbot verabschiedet worden. Politischer Aktivismus und Kirche - passt das zusammen? Foto: IMAGO/Paul-Philipp Braun
Beim evangelischen Kirchentag in Hannover ist eine Resolution für ein AfD-Verbot verabschiedet worden. Politischer Aktivismus und Kirche - passt das zusammen? Foto: IMAGO/Paul-Philipp Braun
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Zu viel Wokeness, zu viel Politik – zu wenig Glaube: Die Kritik am evangelischen Kirchentag ist in diesem Jahr ist groß. Und über allem steht die Frage: Was hat das noch mit dem christlichen Glauben und den Lehren der Kirche zu tun?

Wirft man einen Blick in die Geschichte, zeigt sich: Die Kritik am Kirchentag ist vermutlich so alt wie der Kirchentag selbst. Und er war seit jeher politisch, das liegt quasi in der Natur seiner Geschichte: Ins Leben gerufen wurde der evangelische Kirchentag nämlich 1949 als Reaktion auf die NS-Vergangenheit Deutschlands und dem fehlenden Widerstand der damaligen Kirche.

So zog man in den 80er-Jahren über die vermeintlich naive Friedensrhetorik des Kirchentags im Zuge der Aufrüstung im Kalten Krieg her, in den 90er-Jahren standen die Vorwürfe einer zu progressiven Haltung zur Gentechnik im Vordergrund und in den 2000ern wurde das skeptische Auftreten gegenüber der Globalisierung beanstandet – und so sind es heute eben neue Themen des Zeitgeistes.  

Wie sollte es auch anders sein, wenn Kirche seit jeher als moralischer Kompass und Anker für Millionen Menschen diente und somit natürlich die Fragen behandeln muss, die sich aktuell stellen.

Die Kritik an den Themen des Kirchentags scheint eher eine Kritik an den Themen selbst zu sein: Über die Genderfrage, Veganismus, Klimaschutz und Rassismus wird auch ohne die Kirche tagtäglich gestritten.

Was damals wie heute zu kritisieren ist, ist die Frage nach dem Wie. Es ist eine Sache, Raum für Diskussionen zu schaffen. Eine andere, aktiv und noch dazu relativ einseitig am gesellschaftlichen und politischen Geschehen mitzuwirken: Sei es durch verabschiedete Resolutionen zur Prüfung eines AfD-Verbotes, durch Petitionen mit politischen Forderungen nach mehr Klimaschutzmaßnahmen oder durch den Ausschluss von Kindern aufgrund ihrer Hautfarbe.

Was ist Kirche heutzutage und was will sie sein? Diese Frage muss die evangelische Kirche sich nicht nur gefallen lassen, sie sollte darauf in einer immer stärker polarisierten Welt schleunigst eine Antwort geben: Will sie eine Kirche des politischen und gesellschaftlichen Aktivismus sein, die das aktuelle Zeitgeschehen nicht nur diskutiert, sondern aktiv und nach ihrer Interpretation beeinflusst? Oder eine Kirche, die einen neutralen Raum für alle Menschen bietet, ohne den Versuch, die Lehren der Bibel über die Fragen der Zeit zu stülpen?    

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