Kolumne „Digital total“ Wie könnte eine echte KI aussehen?
Alle reden von Künstlicher Intelligenz. Aber ist unsere aktuelle KI überhaupt eine echte Form der Intelligenz? Nein, findet unser Kolumnist und setzt seine Hoffnung in andere Forschungsansätze.
Künstliche Intelligenz (KI), wie wir sie heute begreifen, ist nichts anderes als das Beantworten von Abfragen basierend auf der statistischen Analyse eines riesigen Datensatzes. Mit Intelligenz im eigentlichen Sinne hat das nichts zu tun. Aber wie genau könnte wirkliche KI aussehen?
In seinem bahnbrechenden Science-Fiction Roman „Niezwyciężony“ („Der Unbesiegbare“) von 1964 beschreibt Stanisław Lem eine aus einer Millionen Jahre langen technologischen Evolution auf einem fremden Planeten hervorgegangene Künstliche Intelligenz. Diese besteht aus winzigen Robotern, die einzeln agieren und sich zu Tausenden in einer insektenähnlichen Schwarmintelligenz zusammenschließen.
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Die Partikel an sich sind nicht intelligent und scheinen nur eine rudimentäre Programmierung zu besitzen. In unmittelbarer Nähe zueinander interagieren diese einfachen Programme allerdings in komplexen Mustern. Ähnlich wie eine Ameisenkolonie besitzt das ganze Konstrukt damit so etwas wie eine Intelligenz, welche die Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder des Ganzen weit überschreitet. Wie genau das funktioniert, beschreibt Lem nicht, die Geschichte hinterlässt allerdings den Eindruck, dass hier ein Mechanismus am Werk ist, der unserem Hirn nicht unähnlich ist: Auch hier verstehen wir, wie Neuronen im Einzelnen funktionieren, allerdings sind wir weit davon entfernt, zu erfassen, wie aus diesen Einzelteilen unsere Intelligenz entsteht.
Überträgt man dieses Konzept auf Software und wendet die ebenfalls seit den 60ern bekannte Forschung von sich evolutionär entwickelnden Algorithmen an, wird eine plausible Version Künstlicher Intelligenz greifbar. Einfache Algorithmen, die untereinander agieren und sich evolutionär verbessern, ähneln dem menschlichen Hirn sehr viel mehr, als Machine Learning oder aktuelle neuronale Netze. Wenn wir jemals Künstliche Intelligenz entwickeln, wird sie aus diesem Forschungsbereich kommen und nicht aus der aktuellen KI-Forschung.
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