Kolumne „Alles Kultur“  Friedensorte laden zum Mitmachen ein

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 05.05.2025 06:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
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Die Landeskirche Hannovers betreibt acht Friedensorte, an denen sich Menschen zusammenfinden. Einer dieser Orte ist in Ostfriesland und erzählt Geschichten, die auch heute immer noch aktuell sind.

Frieden - das klingt groß. Vielleicht sogar zu groß. Okay, dann „Komm, wir singen für den Frieden!“ Denn was haben wir denn anderes dem Krieg entgegenzusetzen als unsere Stimmen. Acht Friedensorte hatten auf dem Kirchentag in Hannover eingeladen: Zum Zuhören, zum Erinnern, zum Handeln – und ja, auch zum Singen: Und das war Protest, Gebet, Trost, Ermutigung – alles auf einmal.

Diese acht Friedensorte der Landeskirche Hannovers sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie tragen: Tagungshaus, Gedenkstätte, sogar die ganze Stadt Osnabrück. Orte, an denen Menschen sich zusammentun, um aus einem großen Wort eine erfahrbare Wirklichkeit zu machen.

Einer dieser Orte liegt in Ostfriesland: Die Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld ist ein Friedensort, der zeigt, was es heißt, Heimat zu verlieren – und woanders anzukommen. Hier, wo einst eines der größten Aufnahmelager für Geflüchtete aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten stand, erzählen persönliche Erinnerungen und Lebensgeschichten von Verlust, Neuanfang – und vom Mut, Wurzeln neu zu schlagen. Tidofeld ist ein besonderer Ort – denn hier wurde aus einem Flüchtlingslager ein lebendiger Stadtteil. Heute ist Tidofeld der kleinste Teil der Stadt Norden und zugleich ein eindrucksvolles Abbild der deutschen Einwanderungsgesellschaft.

Zur Person

Annie Heger , geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Hamburg lebend, singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin.

Tidofeld erinnert – nicht um zu verharren, sondern um zu verbinden: Vergangenheit mit Gegenwart, Fluchtgeschichte mit Ankunftserfahrungen heute. Im geplanten Forum Boatpeople wird das sichtbar: Die Geschichte der südvietnamesischen Bootsflüchtlinge, die ab den 70er Jahren in Norden-Norddeich ankamen, wird Teil der Erzählung. Friedensarbeit – das klingt groß. Aber an diesen acht Orten wird klar: Sie beginnt im Kleinen. Mit einem Lied. Mit einer Erinnerung und Verantwortung.

Es ist gut, dass es diese Orte gibt. Noch besser ist: Sie laden ein. Zum Mitdenken. Mitreden. Mitsingen. Also: Hin da! Bei meinem Friedensliedersingen in Hannover waren viele Hunderte gekommen – ein Meer aus Kirchentagsschals und einem laut geschmetterten „We shall over come“.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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