Verkehrssicherheit in Jemgum Nach tödlichem Unfall – Einmündung soll entschärft werden
Nach dem tragischen Unfalltod einer 89-Jährigen auf der Hofstraße in Jemgum plant die Gemeinde umfassende Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Welche Veränderungen diskutiert werden.
Jemgum - Im Dezember 2023 starb eine 89-Jährige bei einem Verkehrsunfall auf der Hofstraße (L15). Die Fußgängerin hatte versucht, die Landesstraße kurz hinter der Einmündung der Ziegeleistraße zu überqueren, und wurde dabei von einem Transporter erfasst. Jetzt soll der Bereich sicherer werden. Entsprechende Beschlüsse haben die Mitglieder im Verkehrsausschuss der Gemeinde gefasst.
Zu hohe Geschwindigkeiten, eine unübersichtliche Verkehrssituation und lange Wege beim Überqueren der Straße, all das monierte Rainer Schwerdhelm bei seiner Präsentation eines Gutachtens am Montag, 28. April 2025, im Dörfergemeinschaftshaus. Der Verkehrsexperte aus Varel hatte sich im Auftrag der Gemeinde bei einem Ortstermin im Februar ein Bild von der Lage verschafft.
Kostengünstig und schnell umzusetzen
„Straßenraum soll sich möglichst selbst erklären. Das ist hier nicht der Fall“, so sein vernichtendes Urteil. Vor allem die den Fußgängern und Radfahrern angebotene Stelle zum Überqueren der Straße etwa 60 Meter nördlich der Einmündung der Ziegeleistraße sorgte bei ihm für Kopfschütteln. Dem aus Richtung Leer kommenden Verkehr werde vermittelt, dass er mit der Einmündung der Ziegeleistraße eine mögliche Gefahrenstelle bereits passiert habe, und dann könnten unvermittelt andere Verkehrsteilnehmer auf der Straße stehen, so seine Kritik.
Als kostengünstige und relativ schnell umzusetzende Alternative schlug er vor, Angebote zum Überqueren der Landesstraße direkt an der Einmündung der Ziegeleistraße vorzusehen. Um die Übersichtlichkeit zu erhöhen, sollte der Radweg entlang der L15 angehoben werden, der deutlich unterhalb des Straßenniveaus liegt und daher schlecht einzusehen ist. Zusätzlich empfahl er eine Verbesserung der Beschilderung und die kaum noch zu erkennenden Markierungen auf der Straße zu erneuern. Auch sollte die vorhandene Tempo-30-Zone auf der Hofstraße in Richtung Norden bis hinter den Einmündungsbereich der Ziegeleistraße verlängert werden. Einem Zebrastreifen oder einer Ampel an dieser Stelle erteilte er eine Absage. Da das Verkehrsaufkommen wohl zu gering sei, müssten die Kosten voraussichtlich von der Gemeinde geschultert werden, so seine Argumentation.
Was ist mit dem Radweg?
Zumindest die Ausschussmitglieder überzeugt der Verkehrsexperte, die seiner Empfehlung folgten. Lediglich bei der Verlängerung der Tempo-30-Zone wollte die CDU den Weg nicht mitgehen. Jetzt stehen für Bürgermeister Hans-Peter Heikens (parteilos) Gespräche mit der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich und dem Landkreis Leer an, um die Ideen auch konkret umzusetzen.
Zu einem Stolperstein des Vorhabens könnte sich allerdings der Radweg entwickeln. Wie der SPD-Landtagsabgeordnete Nico Bloem am Dienstag mitteilte, solle der Radweg entlang der L 15 den Planungen der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zufolge noch in diesem Sommer neu gebaut werden. Im Ausschuss war noch unklar, wie weit die Planungen für dieses Projekt fortgeschritten waren und ob sich die Behörde ohne Weiteres darauf einlassen würde, im Zuge der Arbeiten am Radweg diesen - an den vorgesehenen Stellen zum Überqueren der Straße - auch anzuheben. Auch wer zusätzliche Kosten tragen müsste, war unklar. Dies bleibt für Bürgermeister Heikens ebenfalls noch zu klären.