Urlaub in Ostfriesland  Camping so beliebt wie nie – auch in Wiesmoor?

Rilana Kubassa
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Von Rilana Kubassa
| 29.04.2025 12:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Anita Blöchl leitet den Camping- und Bungalowpark in Wiesmoor direkt am Ottermeer. Seit dem Jahr 2024 können Gäste auch im Schlafstrandkorb übernachten. Foto: Archiv/Kubassa
Anita Blöchl leitet den Camping- und Bungalowpark in Wiesmoor direkt am Ottermeer. Seit dem Jahr 2024 können Gäste auch im Schlafstrandkorb übernachten. Foto: Archiv/Kubassa
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2024 erreichten die Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen Rekordzahlen. Auf dem Campingplatz am Ottermeer folgt man dem Trend – zum Teil.

Wiesmoor - Übernachtungen auf dem Campingplatz sind beliebt, das kann Anita Blöchl, Leiterin des Camping- und Bungalowparks in Wiesmoor, nur bestätigen. Schon jetzt sagt sie zum Urlaubsjahr 2025: „Wir haben eine sehr gute Buchungslage.“ Auch mit der Auslastung an den eher kühlen Ostertagen und dem anstehenden Mai-Wochenende sei sie sehr zufrieden, so Blöchl. Allerdings habe es im Jahr 2024 etwa gleich viele Buchungen gegeben wie im Jahr 2023: 70.000 Gäste kamen da mit Zelt oder Camper ans Ottermeer.

Damit decken sich ihre Erfahrungen nur zum Teil mit dem bundesweiten Trend. Laut aktuellen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) haben auf den deutschen Campingplätzen im Jahr 2024 so viele Menschen übernachtet wie nie zuvor. Knapp 42,9 Millionen Reisende suchten Erholung in Zelt oder Camper.

Doppelt so viele Camper wie vor 20 Jahren

Zum Vergleich: Das sind 1,4 Prozent mehr Übernachtungen als im Jahr 2023 mit 42,3 Millionen und sogar 19,9 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019 mit 35,8 Millionen Übernachtungen. Besonders krass zeigt sich diese Entwicklung im 20-Jahres-Vergleich: 2004 übernachteten mit 21,4 Millionen nur halb so viele Gäste auf deutschen Campingplätzen wie im Jahr 2024. Besonders beliebt waren die schleswig-holsteinische Ostsee, der Schwarzwald und die niedersächsische Nordseeküste.

Bezogen auf alle Beherbungsarten ist das Reisen im Inland weiterhin beliebt. Im vergangenen Jahr verbrachten laut der Deutschen Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen 36 Prozent der 3000 Befragten ihren Urlaub in Deutschland. Verglichen mit dem Jahr 2004 waren laut Destatis die Übernachtungszahlen in allen Beherbergungsbetrieben im Jahr 2024 um 46,4 höher.

Mehr Buchungen, aber weniger Umsatz in Hotels

Und doch stehen in Wiesmoor und Friedeburg derzeit mehrere Hotels zum Verkauf. Zum Teil aufgrund sinkender Umsätze, zum Teil aus anderen Gründen, wie Presseberichten zu entnehmen ist. Laut der Luftkurort Wiesmoor Touristik GmbH sind die Zahlen der Übernachtungen bezogen auf alle Wiesmoorer Beherbergungsbetriebe zwischen 2022 und 2023 zurückgegangen – von 200.019 auf 173.052. Zahlen für 2024 liegen noch nicht vor.

Dabei erscheinen die reinen Umsatzzahlen im deutschen Beherbergungsgewerbe verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr (167.942 Übernachtungen) gar nicht so schlecht – und decken sich mit bundesweiten Entwicklungen. Nominal, also nicht inflationsbereinigt, verzeichnet die deutsche Beherbergungsbranche gegenüber 2023 im Jahr 2024 ein Umsatzplus von 2,4 Prozent. Real, also inflationsbereinigt, besteht aber ein Umsatzminus von 0,4 Prozent. Verglichen mit 2019 ist das Minus noch deutlicher: Während der nominale Umsatz um 15,6 Prozent höher lag, sank der reale Umsatz um 4,9 Prozent.

Camping ist immer günstiger

Infolge der Teuerung seit den Corona-Jahren und den darauf folgenden Krisen sind Hotelübernachtungen zwar deutlich teurer geworden – aber nicht nur die. Laut Destatis sind die Preise für Übernachtungen auf Campingplätzen in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Übernachtungspreise insgesamt. Ein Wohnmobilstellplatz war 2024 beispielsweise 27,7 Prozent teurer als im ersten Coronajahr 2020. Insgesamt erhöhten sich die Preise in der Übernachtungsbranche um 23,1 Prozent.

In Wiesmoor kostet ein Stellplatz für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern in der Hauptsaison derzeit 41 Euro pro Nacht, inklusive Strom, Wasser und Gas, zählt Anita Blöchl auf. Das ist immer noch deutlich günstiger als viele andere Arten, Urlaub zu machen.

Darum ist Camping gerade so beliebt

Anita Blöchl beobachtet denn auch auf ihrem Campingplatz, dass besonders Familien vermehrt kommen, besonders natürlich in den Ferien und an den langen Wochenenden. Aber auch „das Publikum 60 plus“ buche weiterhin häufig, sowie viele Gäste aus der näheren Umgebung, so Blöchl. 200 Stellplätze stehen zur Verfügung, hinzu kommen noch Zelte – denn auch das klassische Zelten nehme offenbar wieder zu, so Blöchl. „Viele kommen einfach mal übers Wochenende“, sagt sie. Auch der Schlafstrandkorb, der seit dem letzten Jahr hier steht, sei schon wieder gebucht.

Das Eben-mal-Rauskommen sieht sie als einen der Gründe, warum der Campingplatz am Ottermeer so beliebt ist. Und dass es so einfach ist: „Hinstellen, Stühle raus und Abschalten“, fasst Anita Blöchl den Urlaubsanfang auf dem Campingplatz zusammen. „Man hat relativ schnell eine hohe Freizeitqualität erreicht“, sagt sie. Das gefalle natürlich nicht jedem Publikum. Ein Hotel müsse dagegen viel Mehrwert für die Gäste bieten. „Beim Camping hat man seinen Platz, seinen eigenen kleinen Bereich, und viel Grün. Alles ist schnell verfügbar“, sagt sie. Und freut sich auf die kommende Saison.

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