Ehrenamt im Nachbarland Darum ist junge Niederländerin so begeistert von Bunde
Shirley Brugge lebt in den Niederlanden und engagiert sich ehrenamtlich in Bunde. Die 25-jährige Lehrerin erzählt, wie es dazu kam und was sie am Nachbarland so begeistert.
Bunde/Oude Pekela - Die deutsche Sprache, Singen, Einradfahren – Shirley Brugge hatte schon immer Spaß daran, selbst Neues zu lernen und ihr Wissen dann an andere weiterzugeben. Diese Leidenschaft spiegelt sich in ihrem Hobby und im Beruf der Niederländerin wieder. Die 25-Jährige arbeitet als Deutschlehrerin in Bellingwolde und engagiert sich in ihrer Freizeit als Trainerin beim TV Bunde.
Shirley Brugge kommt gebürtig aus den Niederlanden. „Bis 2008 haben wir in Hoogezand gelebt. Dann haben meine Eltern in Bunde ein Haus gebaut“, erzählt sie. Der Besuch der Grundschule im Rheiderland war für sie damals ein „Sprung ins kalte Wasser“. „Ich konnte ja überhaupt kein Deutsch“, blickt sie zurück. Um schneller Deutsch zu lernen, habe sie bei einem Musical-Projekt in Bunde mitgemacht. Und die Rechnung ging auf. Ruck, zuck klappte es mit der Sprache, sie fand neue Freunde und entdeckte im TV Bunde den Spaß am Turnen und Einradfahren. Deutsch spricht sie übrigens inzwischen völlig akzentfrei.
Studium in Leeuwarden
Als sich ihre Eltern 2012 trennten, zog sie mit ihrer Mutter nach Bad Neuschanz. Der Vater blieb in Bunde. „Daher war es kein Problem, hier im Verein aktiv zu sein.“ Mit der Akeitu-Gruppe des TV Bunde hatte die Sportlerin inzwischen etliche Erfolge. Diese Sportart vereint Elemente aus der Akrobatik, dem Einradfahren und Turnen. Dafür steht die Abkürzung Ak-Ei-Tu. Dabei denken sich die Trainer für Wettkämpfe und Aufführungen Choreographien mit Musik zu bestimmten Themen aus. „Eine Choreografie hieß Scheidungskind, da sind auch meine eigenen Erfahrungen mit eingeflossen“, erzählt Shirley Brugge.
2018 musste sie allerdings zwangsweise eine dreijährige Pause einlegen. „In der Zeit habe ich in Leeuwarden Deutsch studiert. Da war einfach nicht genug Zeit fürs Training“, erzählt sie. Inzwischen hat sie ihr Studium abgeschlossen. Mit ihrem Freund lebt sie heute in Oude Pekela und unterrichtet Schüler im Alter zwischen 12 und 17 Jahren an der Gesamtschule in Bellingwolde im Fach Deutsch. Seit eineinhalb Jahren hat sie nun auch wieder Zeit für ihren Sport Akeitu. „In den Niederlanden gibt es das gar nicht. Das sieht man höchstens mal im Zirkus.“ Die 35 Kilometer lange Fahrt von Oude Pekela nach Bunde schrecke sie daher nicht ab.
Auszeichnung für ehrenamtlichen Einsatz
Seit eineinhalb Jahren ist die Niederländerin sogar als Akeitu-Trainerin beim TV Bunde aktiv. Gemeinsam mit Maren Adden und Marie Rademaker ist sie mit dem „Löppt mitnanner“-Ehrenamtspreis des Landkreises Leer ausgezeichnet und sogar für den Deutschen Ehrenamtspreis nominiert worden.
Profitiert sie auch in ihrem Beruf als Lehrerin von ihren Erfahrungen als Trainerin? „Vielleicht ein bisschen“, sagt sie. Die Motivation, zum Training zu gehen, sei natürlich eine andere, als zur Schule zu müssen. „Grundsätzlich ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Problemen und Sorgen gesehen werden.“ Der Respekt an deutschen Schulen gegenüber Lehrern sei größer als in den Niederlanden, beschreibt sie ihre Erfahrungen und erinnert sich an ihre Grundschulzeit in Bunde. „Das sind wir aufgestanden, wenn der Lehrer reinkam.“ Das gebe es in den Niederlanden nicht.
Der Kontakt der Lehrer zu den Schülern sei dort allerdings viel intensiver. Shirley Brugge ist wie ihre Kollegen Coach für 12 bis 16 Schüler. „Mit jedem führen wir jede Woche ein Gespräch. Nicht nur über die Leistungen in der Schule.“ Auch Hobbys, Freunde und Familie würden angesprochen. So könne sich ein gegenseitiges Verständnis und ein vertrauensvolles Lehrer-Schüler-Verhältnis entwickeln. „Wenn man von den Schülern respektiert werden will, muss man Grenzen aufzeigen, streng und konsequent sein“, beschreibt sie ihre Erfahrungen, „ich war zu Anfang manchmal zu nett“.
Nicht nur der Sport und das Akeitu-Team, sondern auch Bunde lassen Shirley Brugge nicht los. Sie schätze die besondere Gemeinschaft und den Zusammenhalt, den sie hier erlebe. Nicht nur im Verein. „Als wir hier gewohnt haben, hatte ich das Gefühl, dass die ganze Straße eine Familie ist“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem Freund habe sie zwar ein Haus in Oude Pekela gekauft, trotzdem sei für sie ein Ziel, in Deutschland zu leben.