Sydney  Kommt für Down Under jetzt der „Temu-Trump“?

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 23.04.2025 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Peter Dutton bezeichnete Trump einst als seinen „ideologischen Weggefährten“ – nun distanziert er sich. Foto: dpa / Mick Tsikas
Peter Dutton bezeichnete Trump einst als seinen „ideologischen Weggefährten“ – nun distanziert er sich. Foto: dpa / Mick Tsikas
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Australien wählt Anfang Mai ein neues Parlament. Die regierende Labor-Partei und die konservative Opposition hoffen beide auf einen Wahlsieg. Herausforderer Peter Dutton inszeniert sich als starke Führungspersönlichkeit – mit Anklängen an den Populismus Donald Trumps.

Äußerlich erinnert Peter Dutton kaum an US-Präsident Donald Trump: Der 54-Jährige ist glatzköpfig, sachlich im Ton, ohne schrille Auftritte. Inhaltlich aber setzt er auf eine klare konservative Linie: weniger Migration, weniger Staat, mehr nationale Interessen. Im Wahlkampf kündigte er an, die Migration um ein Viertel zu reduzieren und 41.000 Staatsbedienstete zu entlassen – genau so viele, wie unter der aktuellen Regierung hinzugekommen seien.

Von der Entlassungszahl ist er inzwischen abgerückt, sparen will er dennoch. Für das neu geschaffene Amt der „Regierungseffizienz“ bringt er die indigene Politikerin Jacinta Price ins Gespräch, die bei einer Wahlkampfveranstaltung gerade noch versprochen hat, „Australien wieder großartig zu machen“ – ganz in Anklang an Trumps „Let‘s make America great again“-Slogan.

Im Video fordert Jacinta Price, Australien wieder großartig zu machen:

Wegen seiner politischen Ausrichtung und der Nähe zur Trump-Agenda kursierte zeitweise der Spottname „Temu-Trump“ im Netz – eine Anspielung auf den chinesischen Billig-Onlineriesen Temu, mit der Dutton als billige Trump-Kopie verspottet wurde.

Direkt nach Trumps Wahlsieg zeigte sich Dutton euphorisch – wie viele Konservative, sagt Mark Kenny vom Australian Studies Institute in Canberra. Damals habe er sich bereitwillig als australisches Pendant zu Trump inszeniert – „nicht ganz so extrem, aber als ideologischer Weggefährte“. Mittlerweile aber bemüht er sich, demonstrativ auf Distanz zu gehen. Das spiegelt wider, wie kritisch viele Australier heute auf Trumps Einfluss blicken.

Ein weiterer entscheidender Faktor: China. Die Beziehungen zur Volksrepublik und die sicherheitspolitischen Folgen sind seit Jahren ein zentrales Thema im australischen Wahlkampf. Peter Dutton gilt als China-Hardliner. Als früherer Verteidigungs- und Innenminister warnte er vor den „Kriegstrommeln“ – und erklärte, es sei nahezu undenkbar, dass Australien sich einem Krieg der USA gegen China wegen Taiwan nicht anschließen würde. Eine Haltung, die für ihn fast selbstverständlich schien.

Doch diese harte Rhetorik hatte Folgen an der Wahlurne. Inzwischen versucht Dutton als Oppositionsführer, seine Position zu überarbeiten. Besonders in Wahlkreisen mit großen chinesischen Communities in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales bemüht er sich um neue Nähe – denn eine konfrontative Haltung gegenüber China kam dort nicht gut an.

Auch in anderen Bereichen sorgte Dutton wiederholt für Kontroversen: Ein geschmackloser Witz über vom Klimawandel bedrohte Pazifikstaaten, eine abfällige SMS über eine Journalistin, die er versehentlich direkt an sie schickte, sowie sein Boykott der nationalen Entschuldigung an die „Gestohlenen Generationen“ indigener Kinder im Jahr 2008.

Heute bezeichnet er das als Fehler – sprach sich aber 2023 entschieden gegen das Referendum für eine „Voice to Parliament“ aus, ein Gremium zur politischen Mitbestimmung der indigenen Bevölkerung. Auch will er – sollte er Premierminister werden – bei Pressekonferenzen nicht neben den Flaggen der indigenen Bevölkerung stehen.

Dabei kann Dutton auf jahrzehntelange Erfahrung verweisen: Seit 23 Jahren sitzt er im Parlament, war Minister für Einwanderung, Inneres und Verteidigung. Der frühere Polizist aus Queensland stammt aus einfachen Verhältnissen – Sohn eines Maurers und einer Sekretärin. Schon früh baute er sich ein beachtliches Immobilienvermögen auf. Medien berichten von bis zu 26 Immobilien, die er im Laufe der Jahre besessen haben soll oder noch besitzt.

Von den zentralen Wahlkampfthemen – hohen Lebenshaltungskosten und unerschwinglichem Wohnraum – ist er damit persönlich nicht betroffen. Dennoch verspricht er Entlastung: Erstkäufer von Neubauten sollen ihre Hypothekenzahlungen von der Einkommenssteuer absetzen dürfen, er propagiert die Halbierung der Benzinsteuer, niedrigere Energiekosten durch eine Gasquote für den Inlandsmarkt und den Bau von sieben Atomkraftwerken – ein ungewöhnlicher Vorschlag für ein Land, das bisher keine eigene Atomenergie nutzt.

Rückhalt erhält Dutton unter anderem von Australiens reichster Frau, Bergbaumagnatin Gina Rinehart – obwohl zuletzt von Spannungen zwischen beiden die Rede war. Auch hier zeigen sich Parallelen zu Trump: Rinehart ist bekennende Anhängerin der MAGA-Politik („Make America Great Again“), pflegt Kontakte zu den „Trumpettes“ in den USA und hat ihren Firmensitz mit MAGA-Symbolik dekoriert – darunter eine silberne Skulptur des Eichhörnchens „Peanut“, das in den USA zum Maskottchen rechter Proteste wurde. Eine Gedenktafel mit einem Zitat von Elon Musk über Freiheit und Staatsgrenzen ist ebenfalls geplant.

Auf Twitter inszeniert sich der australische Politiker Peter Dutton mit amerikanischer „MAGA“-Cap:

Dutton hat der Branche große Versprechen gemacht. Auf einer Bergbaukonferenz kündigte er an, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und regulatorische Hürden abzubauen. Er wolle „der beste Freund der Rohstoffindustrie“ sein. Für viele klingt das wie ein Echo auf Trumps „Drill, baby drill“.

Ob dieser Kurs – wenn auch gemäßigter – bei den Wählerinnen und Wählern verfängt, ist offen. Nachdem Duttons Liberalkonservative bei Umfragen lange Zeit in Führung lagen, rutschen sie aktuell immer mehr ab. Eine lokale Zeitung sprach vor Kurzem gar vom „Trump-Backlash“ – eine Gegenreaktion auf die Politik des US-Präsidenten, die Dutton letztendlich den zeitweise sicher geglaubten Wahlsieg kosten könnte.

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