Osnabrück  Die neue Faulheit: Warum nur müssen so viele junge Leute mit E-Scootern fahren?

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 23.04.2025 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
E-Scooter waren auch mal als Öko-Alternative zum Auto gedacht. Foto: Imago/imageBROKER/Oleksandr Latkun
E-Scooter waren auch mal als Öko-Alternative zum Auto gedacht. Foto: Imago/imageBROKER/Oleksandr Latkun
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Elektrische Tretroller, neudeutsch Scooter, haben sich in Großstädten längst als die Geißel der Mobilitätswende erwiesen. Trotzdem kommen die Dinger nun auch bei jungen Leuten auf dem Land in Mode. Unser Autor erklärt, warum er das fatal findet.

Wer glaubt, dass bei uns auf dem Land die Welt noch in Ordnung sei, wird länger keinen Spielplatz mehr besucht haben. Also, auf der Schaukel oder im Sandkasten ist alles noch weitgehend beim Alten. Aber die Art und Weise, wie die Kinder dorthin gelangen, ändert sich gerade dramatisch: Jedenfalls ist mir schon häufiger aufgefallen, dass auch hier in der Provinz nun der Trend zum elektrischen Tretroller zu gehen scheint, dem sogenannten E-Scooter. Zu einem Gerät also, das sich doch schon in Großstädten allgemein als Geißel erwiesen hat.

Das letzte Mal, dass es in den Medien einen recht positiven oder zumindest nicht ausdrücklich negativen Auftritt hatte, war neulich bei den witzigen Berichten über Armin Laschet, den die Berliner Polizei auf seinem E-Scooter für Boris Pistorius gehalten hatte.

Sonst aber kennt man die Roller vor allem aus der Unfallstatistik: 9.439 Unfälle verzeichnete das Statistische Bundesamt für das Jahr 2023, Tendenz stark steigend. Meist geht es darum, dass irgendein Scooterfahrer über einen reinen Fußgängerweg geballert ist, betrunken war oder beides. Fachleute rechnen außerdem mit einer Dunkelziffer: Wie oft andere Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen, weil irgendwer seinen E-Scooter nur doof abgestellt hat, haben die Statistiker noch gar nicht gezählt.

Wobei man ja schon froh ist um jeden Roller-Fahrer, der sich überhaupt noch die Mühe mit dem Abstellen macht. Allein in Köln sollen Taucher 2021 mehr als fünfhundert E-Scooter auf dem Grund des Rheins gefunden haben. Es waren so viele, dass der Besitzer, ein Sharing-Unternehmen, zunächst auf eine Bergung verzichtete: zu teuer. E-Scooter waren ja auch mal als Öko-Alternative zum Auto gedacht. Aber bei Autofahrern müssen Umweltschützer zumindest nicht ständig Sorge haben, dass sie in unseren Flüssen massenweise Lithium-Ionen-Akkus versenken.

Der Fairness halber wäre höchstens zu ergänzen: Dass man E-Scooter in vielen deutschen Städten schon gar nicht mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln mit sich führen darf, ist ausdrücklich nicht dem schlechten Benehmen der Scooter-Fahrer anzulasten. Das liegt nur daran, dass die Dinger auch explodieren können.

Wenn nun also diese E-Scooter auch immer häufiger bei uns auf dem platten Land zu sehen sind, könnte man natürlich sagen: Gut, gerade dort kommen die vielen offensichtlichen Nachteile des Ganzen ja auch weniger zum Tragen. Also, von der Explosionsgefahr mal abgesehen. Hier bei uns ist ja mehr als genug Platz, um einen elektrischen Tretroller gefahrlos irgendwo abzustellen oder auf Gehwegen um die Passanten herumzufahren, statt sie umzunieten. Sofern es überhaupt einen Gehweg gibt. Aber darum geht es mir gar nicht.

Was ich an den E-Scootern auf unseren Spielplätzen einfach nicht verstehe, ist das „E“. Wenn wir früher im Ort unterwegs waren, zum Freibad, zur Freunden, zur Sporthalle, dann haben wir uns, nun ja, bewegt. Wir fuhren Fahrrad, Inliner oder fuhren Roller – also selber. Das ist ja das Schöne am Landleben, dass die Kinder alles Mögliche aus eigener Kraft erreichen können: Bewegung ist Heimat.

Wenn ich dagegen heute sehe, wie sich die Kinder auf dem Rollertrittbrett stehend fortbewegen, kommt mir das ungut vor. Die ländlichen Regionen dürften nicht abgehängt werden von der urbanen Entwicklung, heißt es ja immer. In diesem Fall hätte ich nichts dagegen gehabt.

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