Shanghai Steht der Verbrenner in China echt vor dem Aus? Schön wär's
In Deutschland wird der E-Auto-Hochlauf im fernen China gefeiert. Dabei ist der Siegeszug der Batterieautos auch dort alles andere als ausgemacht. Das kann sich bitter rächen. Für VW und für das Klima.
VW gibt in China mächtig Gas. Nur im übertragenen Sinne natürlich, denn Europas größter Autobauer steht im weltgrößten Automarkt voll auf beziehungsweise unter Strom. Fast alle der gerade auf der Leitmesse in Shanghai präsentierten Neuheiten sind reine oder hybride E-Autos. Bis 2030 sollen 30 pure Stromer an den Start gehen. Akku statt Diesel oder Benzin: Bei der Wette um den Antrieb von morgen setzen die Wolfsburger erstmal auf eine Karte, um chinesische Käufer zu gewinnen.
Angesichts mancher Trends (und des medialen und politischen Jubels hierzulande darüber) erscheint das auch klug und zukunftsweisend, werden in diesem Jahr im Reich der Mitte doch erstmals mehr Autos mit „alternativen Antrieben“ zugelassen. Das Verbrenner-Aus liegt also schon hinter der nächsten Ecke. Könnte man meinen. Aber es gibt eben auch eine ganz andere chinesische Realität. Und danach ist der Abschied von Diesel und Benzinern nicht absehbar. Tatsächlich scheint die von der Regierung in Peking seit mehr als einer Dekade massiv angeheizte Akku-Euphorie empfindlich abzukühlen. Dafür boomen Zwitter-Autos, in denen jede Menge fossiler Treibstoff zur Stromerzeugung verbrannt wird, um Reichweite zu schaffen, wenn der Akku eben doch viel zu schnell leer ist.
Und nicht nur das: Trotz Abwrackprämien für Verbrenner, gewaltiger E-Auto-Subventionen und eines unschlagbaren Tempos beim Ladesäulen-Ausbau kauft weiterhin jeder zweite chinesische Haushalt einen Wagen ganz ohne Akku. Nicht, um den Grünen eins auszuwischen oder aus Scheu vor neuen Technologien. Sondern, weil die alte Technologie noch immer für praktischer befunden wird. Das ist die eigentliche Botschaft des Marktes.
Und es ist eine Botschaft, die beunruhigen kann, ja muss. Wenn der E-Auto-Markt im Reich der Mitte stagniert, kann das nicht nur für VW zum Desaster werden. Jeder Liter verbrannter Sprit trägt schließlich zur Erderwärmung bei. Der Sinn von Stromwagen ist es ja, den verheerenden Temperaturanstieg zu bremsen, ohne auf das Autofahren verzichten zu müssen. Und wenn es die Chinesen nicht hinbekommen, wer dann?
Es wäre also mehr als zu begrüßen, wenn VW mit seinen neuen E-Autos in China überzeugen würde. Wenn sich die zahllosen Versprechen von immer längeren Reichweiten, immer kürzeren Ladezeiten und immer geringeren Kosten auch wirklich mal erfüllen. Denn sonst verschwindet die deutsche Verbrenner-Industrie, ohne dass beim Kampf gegen die Erderwärmung zumindest ein Etappensieg erreicht worden wäre.