Osnabrück  Jung? Charisma? Aus Afrika? Diese Faktoren zählen wirklich bei der Papstwahl

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 22.04.2025 12:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
„Sede vacante“: Der Stuhl des Petrusnachfolgers ist seit dem Tod von Papst Franziskus unbesetzt. Foto: Imago/Abacapress
„Sede vacante“: Der Stuhl des Petrusnachfolgers ist seit dem Tod von Papst Franziskus unbesetzt. Foto: Imago/Abacapress
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Die Kardinäle, die den Nachfolger von Papst Franziskus wählen, müssen sich gerade heikle Fragen stellen. Etwa die, wie viel Macht der Vatikan künftig braucht oder wie lange das nächste Pontifikat dauern sollte. Daraus ergibt sich ein klares Anforderungsprofil für den nächsten Papst.

Dass nicht nur Menschen allein es seien, die einen neuen Papst wählen, sondern dass die zuständigen Kardinäle es unter dem Einfluss des Heiligen Geistes tun werden, ist eine uralte Hoffnung der katholischen Kirche. Trotzdem würden wohl selbst die frommsten Kardinäle nicht in Abrede stellen, dass ihnen in diesen Tagen auch sehr menschliche Fragen durch den Kopf gehen. Anforderungsprofile werden die Runde machen. Und man muss gar kein Papstwähler sein, um sich auszumalen, welche Punkte ihnen dabei wichtig sein dürften.

So ist die oberste Aufgabe eines Bischofs von Rom traditionell die Bewahrung der Einheit: Franziskus ließ viele Diskussionen einfach laufen, was Konservative wie Liberale frustrierte. Der neue Papst wird die Kirche, in der dieselben Fliehkräfte am Werk sind wie in den modernen weltlichen Gesellschaften, nun erst einmal zusammenhalten müssen. Das spräche aus Sicht der Kardinäle für einen Kandidaten des theologischen Ausgleichs, für einen Strippenzieher eher als für eine Galionsfigur.

Zweitens werden die Papstwähler abzuwägen haben, welches Verhältnis zwischen Rom und den Ortskirchen in aller Welt der neue Mann verkörpern sollte. Schon in den beiden Konklaven 2005 und 2013 wurde etwa darüber spekuliert, ob angesichts der wachsenden Gläubigenzahlen in Asien oder Afrika nicht auch mal ein Papst von dort kommen sollte. 

Gerade die Amtszeit des argentinischen Kurien-Skeptikers Franziskus aber hat in Kirchenkreisen vielfach für Ernüchterung gesorgt: Kann man wirklich an der eigenen Zentrale vorbei einen Koloss wie die Weltkirche managen? Dass ausgerechnet der Papst der Armen, der seinem Apparat allen Prunk abgewöhnen wollte, dem Heiligen Stuhl ein Millionendefizit hinterließ, macht diese Bedenken nicht kleiner.

Und schließlich: Wie lang soll das nächste Pontifikat aus Sicht der Wähler am besten dauern? Franziskus war 77, als er gewählt wurde, und regierte fast zwölf Jahre lang. Einem Kandidaten deutlich unter 70 winkte also womöglich eine Amtszeit von 20 bis 25 Jahren, was ein kirchenhistorischer Spitzenwert wäre. Ob die Kardinäle es sinnvoll finden werden, die Kirche in dieser schnelllebigen Zeit so lange auf eine Person festzulegen?

In der Fernsehserie „The Young Pope“ mit Jude Law wird die Geschichte eines jungen, charismatischen Mannes aus Übersee erzählt, der zum Papst aufsteigt. Der echten Kirche könnte ziemlich genau das Gegenteil passieren. Die Mitwirkung des Heiligen Geistes bliebe natürlich trotzdem denkbar.

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