Osnabrück  Endlich glücklich – mit Kunst! Die gute Nachricht der Forscher und was von ihr zu halten ist

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 19.04.2025 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kunst macht das Leben glücklicher. Das fanden Forscher heraus. Das gilt besonders für Bilder von Malern wie Claude Monet (im Bild).. Foto: IMAGO/News Licensing
Kunst macht das Leben glücklicher. Das fanden Forscher heraus. Das gilt besonders für Bilder von Malern wie Claude Monet (im Bild).. Foto: IMAGO/News Licensing
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Kunst – nichts für mich? Millionen Menschen wissen es besser und schauen auf Bilder großer Künstler. Genau das macht glücklich. Das fanden Forscher jetzt heraus. Kunst auf Rezept? Das wirft dennoch Fragen auf.

Nehmen Sie einen Monet und es geht Ihnen in zwei Minuten spürbar besser. Klingt nach einem Witz? Durchaus nicht. Forscher haben herausgefunden, dass der Blick auf Kunst die Stimmung aufhellt. Ein Gemälde soll demnach wie ein heller Frühlingstag wirken. Es stimmt positiv, verringert Gefühle von Einsamkeit, verscheucht Anflüge von Melancholie. Wer Kunst anschaut, dem geht es gut. Ganz sicher.

Gibt es demnächst Kunst auf Rezept? Was Forscher jetzt publiziert haben, klingt in der Tat nach einem Beipackzettel für Kunst, die als Medikament verstanden wird. Im Journal of Positive Psychology – wo sonst? – findet sich der Report einer Vergleichsstudie, die Daten von 38 Einzelstudien verglichen und zusammengetragen hat. Im Fokus steht ein Mythos: die angeblich wohltuende Wirkung von Kunst.

Jetzt ist es endlich heraus: Kunst stand bislang völlig zu Unrecht in dem Verdacht, Menschen verstören und aus dem Gleichgewicht bringen zu können. Das Gegenteil ist wohl richtig: Kunstwerke wirken wie eine Mixtur aus Glückshormon und mildem Sedativum. Sie beruhigen, gleichen aus, lassen kleine Spitzen von Euphorie durch den Seelenhaushalt schießen.

Ich weiß nur nicht, ob mich diese Neuigkeit glücklich machen soll. Bislang dachte ich immer, dass Kunst zur Stellungnahme herausfordert und so den gesellschaftlichen Diskurs anregt, dass sie provoziert und zum Widerspruch herausfordert. Lautet nicht genau so das kulturpolitische Mantra, das seit Jahren wiederholt wird?

Mit der Wirkung von Kunst ist das so eine Sache. Wer mit Kunst umgeht, in der Kultur zu Hause ist, soll empathischer und toleranter, aufgeschlossener und denkfähiger sein. So hört man es seit Jahren. Leider gibt es dafür keine empirischen Belege. Die neue Mega-Studie verspricht in diesem Punkt einen völlig neuen Diskussionsstand, weil sie offenbar erstmals verlässliche Daten liefert.

Ich habe den Eindruck, dass der Widerspruch der Kunst heute nicht mehr alles ist. Die Menschen erfahren in ihrer Lebenswirklichkeit so viel Kontroverse und Konflikt, dass sie nach Reservaten heilsamer Ruhe suchen. Die Kunst verspricht sie ihnen – nicht als Kuschelecke für schlaffes Dösen, sondern als Raum einer neuen Besinnung und Konzentration. Ich nenne diesen Effekt so: Kunst macht das Leben schöner.

Millionen sind schon auf diesen Trichter gekommen, ohne von irgendeiner Kunst-Wirkungs-Studie zu wissen. Es sind jene Millionen Menschen, die sich vor der Mona Lisa drängen oder vor den Bildern Caspar David Friedrichs beinahe andächtig verharren. Für Claude Monet gilt das Gleiche, für Paul Klee, Gabriele Münter und all die anderen ebenso.

Kunst stärkt. Kultur ist in Wirklichkeit ein Vitamin. Allerbeste Wirksamkeit für die persönliche Resilienz. Die Studie aus dem britischen Wissenschaftsjournal liest sich wie der aufmunternde Spruch des Hausarztes. Und das Allerbeste: Für solchen Kunstgenuss ist keine Überdosis bekannt! Na, dann.

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