„Gärtnern ohne viel Geschiss“ Garten-Influencerin Katrin Iskam kommt nach Emden
Mit ihren Gärtner-Tipps erreicht Katrin Iskam in sozialen Netzwerken Hunderttausende. Ihre Comedy-Tour macht auch Station in Emden. Was sie von Mährobotern und Gartenzwergen hält, verrät sie hier.
Emden - Sie steht für „Gärtnern ohne viel Geschiss“. So lautet das Motto von Katrin Iskam, die mit ihren humorvoll vorgetragenen Tipps regelmäßig Hunderttausende von Followern in den sozialen Netzwerken (wie hier bei Instagram) begeistert. Außerdem hat die gelernte Krankenschwester mehrere Bestseller über ihr Hobby geschrieben. Seit Jahresanfang ist sie auf Comedy-Tour und wird am 16. Oktober 2025 im Emder Festspielhaus am Wall zu Gast sein. Was das Publikum dort erwartet und was sie sonst noch so antreibt, verrät sie im folgenden Interview.
Woher rührt Ihre Faszination für Englische Gärten?
Als wir unser Haus gebaut haben, war drumherum nur Acker. Eine Freundin meinte dann irgendwann: „Komm doch mal mit nach England, und guck dir diese Gärten an.“ So ging der Kreislauf los. Da wusste ich, ich möchte einen Garten, der üppig durchblüht und insektenfreundlich ist. Darüber hinaus sollte er Ruhe und Struktur ausstrahlen und einen Wiedererkennungswert haben. Das war mein Traum, den ich mir nach und nach erfüllt habe.
Bei Englischem Rasen denkt man sofort an Trimmen mit der Nagelschere.
Das mag es geben, muss aber nicht zwangsläufig so sein. Unser Rasen ist inzwischen 20 Jahre alt. Der bekommt regelmäßig seinen Dünger, der ihn resistent gegen Hitze macht. Wir mähen ihn zwei Mal die Woche per Hand außer wenn es zu heiß wird, weil er sonst verbrennen würde. Viele lassen gerade im Sommer ständig ihren Mähroboter laufen. Das tut dem Rasen nicht gut. Wir warten lieber bis es wieder kühler wird und nehmen ihn dann einfach zwei Etagen runter.
Heißt das, Sie haben keinen Mähroboter?
So ein Ding kommt mir nicht ins Haus. Wenn die bloß tagsüber im Einsatz wären, fände ich das noch okay. Aber die laufen oft auch nachts. Und das ist lebensgefährlich für nachtaktive Tiere. Ich habe Kontakte zu Igel-Stationen, die immer wieder darüber klagen, dass Igel von diesen Robotern schwer verletzt werden. Allein schon deswegen mähe ich lieber mit der Hand. Außerdem ist Rasenmähen für mich wie Yoga.
Klingt trotzdem nach viel Arbeit.
Natürlich muss der Garten regelmäßig gepflegt werden. Aber ich habe meine Beete extrem dicht bepflanzt. Deswegen ist der Garten ab Mitte Mai recht pflegeleicht. Ich geh da auch nicht mit der Hacke rein, sondern mulche. Der Boden bleibt absolut naturbelassen. Alles, was ich zurückschneide, und auch das Laub im Herbst gebe ich auf die Beete. Dadurch habe ich kaum Probleme mit Beikraut. Wenn ich nach dem Rückschnitt etwas sehe, reicht mir eine Küchengabel, um das wegzumachen. Solche Dinge aus dem Haushalt sind ohnehin meine liebsten Gartengeräte. Ich gebe nicht unnötig Geld aus für teure Spezialwerkzeuge, die man hinterher sowieso nie braucht.
Da wird jetzt bestimmt der ein oder andere Garten-Profi die Nase rümpfen?
Der erhobene Zeigefinger ist momentan scheinbar Standard in Deutschland, und es gibt in der Tat Experten, die glauben, sie hätten den einen Weg gefunden und kein anderer wäre möglich. Doch das stimmt nicht. Es gibt viele Wege, die zu einem Ergebnis führen. Das sollte aber bitte jeder für sich selber ausprobieren dürfen und sich nicht von irgendwelchen Klugscheißern reinreden lassen. Wichtig ist vor allem, sich erst einmal darüber klar zu werden, was zu meinem Haus und meinem Garten passt; und was ich überhaupt für ein Typ bin. Es nützt mir nichts, wenn ich mir ein wildes Biotop anlege, und ich bin damit nachher total unglücklich.
Was sollte ich denn grundsätzlich beachten?
Ich pflanze gerne in Gruppen. Also bevor ein Salbei einsam und alleine vor sich hinwächst, besser Dreier- oder Fünfergruppe anlegen. Das gibt nachher ein schönes, ruhiges und harmonisches Bild. Abgesehen davon erkennt man schneller, wenn sich Beikraut zwischen den Stauden breitmacht.
Und was tun, wenn es nicht wie gewünscht klappt?
Mit der Gartenarbeit ist das so ähnlich wie mit dem Kochen. Beides lebt in erster Linie von der Erfahrung. Ich gärtnere seit 20 Jahren, und klar sind auch mir Anfängerfehler passiert. Natürlich gibt es gewisse Grundregeln wie zum Beispiel, dass man die Licht- und Bodenverhältnisse beachten sollte. Die allerwichtigste Regel ist und bleibt aber: Das Grüne an der Pflanze gehört nach oben und nicht umgekehrt. Dann klappt das schon. Und wenn tatsächlich mal was nicht klappt, ist das auch nicht schlimm. Da nimmt man den Spaten und setzt das einfach um. Meistens wächst das wieder an.
Warum haben Sie eigentlich keine Gartenzwerge?
Was die Dekoration betrifft, gilt für mich: Weniger ist mehr. Wir Deutschen neigen oft dazu, unsere Gärten überzudekorieren, so dass man am Ende mehr Deko als Pflanzen sieht. Ich habe lediglich an ein paar gezielten Punkten hochwertige Sandsteinobjekte als Eyecatcher aufgestellt. Mehr steht da nicht, und mehr brauche ich auch nicht.
Wie gehen Sie mit Ihrer Rolle als Influencerin um?
Ich mag dieses Wort ehrlich gesagt gar nicht so gerne, weil ich mich nicht für eine typische Influencerin halte. Ich habe nie versucht, meinen Fans irgendwelchen billigen Mist anzudrehen, obwohl es durchaus entsprechende Angebote gab und ich vielleicht schon längst Millionärin hätte sein können. Das war aber nie mein Ziel. Ich wollte immer einfach nur den Menschen da draußen zeigen, dass Garten Spaß macht und sie ermutigen, die Gärtnerei unkonventionell und pragmatisch anzugehen.
Sie arbeiten als Krankenschwester. Wie schaffen Sie es, Hobby und Beruf unter einen Hut zu kriegen?
Das stimmt, ich arbeite seit 30 Jahren in einem Herzzentrum. Zwar habe ich mittlerweile reduziert und einen sehr kooperativen Chef, der mir meine Dienstpläne passend schreibt, damit ich dann zum Beispiel im Herbst auf Tour gehen kann. Aber ich möchte auf jeden Fall weiter in meinem Beruf arbeiten, damit ich mit den Füßen auf dem Boden bleibe. Wenn ich in die Klinik komme und sehe, was alles passieren kann und wie schnell Leute von heute auf morgen schwer krank werden, das erdet einen. Und das finde ich schon auch noch wichtig.
Was erwartet uns in Ihrem Live-Programm? Ist das nur was für Garten-Fans?
Ich kombiniere sozusagen Garten-Tipps mit Comedy. Natürlich sollen die Leute etwas für sich und ihren Garten mit nach Hause nehmen. Aber das ist längst nicht alles. Ein ganz großes Thema bei mir sind Männer. Viele haben noch nicht so richtig begriffen, was „happy wife, happy life“ bedeutet. Ich verrate den Frauen, was sie anstellen müssen, um ihre Männer für Gartenprojekte zu begeistern. Dabei werden auch ein paar lustige Accessoires zum Einsatz kommen. Mittlerweile sitzen bei mir 40 Prozent Männer im Publikum, vielleicht weil sich herumgesprochen hat, dass ich bloß ein Nachthemd anhabe. Ansonsten reicht das Altersspektrum von 20 bis 92, und es ist wirklich für jeden was dabei. Ich finde es toll, Leute zum Lachen zu bringen und ich glaube, dass viele Menschen genau das im Moment auch brauchen, weil es ihnen gut tut.