Auch in Emden? Sonderschichten bei VW
Im Volkswagenwerk in Wolfsburg werden plötzlich Sonderschichten bis zu den Werksferien angeordnet. Wie ist die Lage im Emder Werk?
Wolfsburg/Emden - Die Nachricht kommt etwas überraschend: Im VW-Werk in Wolfsburg haben sich Konzernführung und Betriebsrat Sonderschichten bis zu den Betriebsferien geeinigt. Im Mai, Juni und Juli seien Sonderschichten an acht Wochenenden geplant, bestätigte eine Konzernsprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Erst Ende vergangenen Jahres kämpfte die Volkswagen-Belegschaft gegen Kündigungen und Werkschließungen. Jetzt ist die Auslastung in Wolfsburg so gut, dass Extra-Schichten eingelegt werden müssen. Allein in der Montage wurden 16 Sonderschichten angesetzt, weitere kommen in Karosseriebau und Lackiererei hinzu. Begründet wurde das mit der „aktuellen Programmsituation“.
„Auf das Werk in Emden wird sich das aber nicht auswirken, weil wir überhaupt keine Überschneidung mit den Produkten in Wolfsburg haben“, erklärt Betriebsrat Herbert de Vries. Neben dem Golf werden im VW-Stammwerk auch Tiguan, Touran und Tayron gebaut – alles reine Verbenner-Modelle. E-Autos wie in Emden werden dort nicht hergestellt.
Emden hofft auf steigende Nachfrage für ID.7
„In Emden werden wir mit unseren Mitarbeitern ganz normal unser Programm fahren“, so de Vries. „An unserem Standort gab es keine Anfrage des Unternehmens für Sonderschichten.“ Man hoffe natürlich auch auf eine steigende Nachfrage nach E-Autos. „Wenn die neue Regierung Änderungen für die Förderungen von Dienstwagen umsetzt, hoffen wir natürlich, dass auch unser ID.7 davon profitiert“, sagt de Vries. „Dann haben wir vielleicht auch das Glück, über Sonderschichten in Emden zu reden.“
Erst im Dezember hatten sich VW und IG Metall auf ein umfangreiches Sparprogramm geeinigt, einschließlich Stellenabbau und Abschmelzen von Überkapazitäten. 35.000 der 130.000 Stellen in Deutschland sollen bis 2030 wegfallen. Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, erklärte gegenüber den „Wolfsburger Nachrichten“ in Bezug auf die Sonderschichten: „Die Kolleginnen und Kollegen leisten in diesen Wochen Außergewöhnliches, weil sie trotz aller Unsicherheiten bereit sind, zusätzliche Schichten zu übernehmen. Wir haben uns mit dem Vorstand auf diese Lösung verständigt, um die hohe Nachfrage bedienen zu können – aber wir erwarten auch klare Perspektiven für die befristet Beschäftigten.“
Nachfrage stieg im ersten Quartal
Im ersten Quartal dieses Jahres lieferte Volkswagen weltweit 2,13 Millionen Fahrzeuge aus – ein Anstieg von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders gut hatten sich die Absatzzahlen in Deutschland (plus 5,5 Prozent) und Südamerika (plus 16,6 Prozent) entwickelt.
Auch bei der Elektromobilität ging es bergauf: Weltweit wurden in den drei Monaten 216.800 reine Stromer ausgeliefert, fast 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Jeder zehnte Neuwagen aus dem Konzern sei damit inzwischen ein reines E-Auto, so die VW-Quartalsbilanz. Vor einem Jahr waren es nur sechs Prozent.