Kritik aus Emden Ostfriesischer Ostermarsch gegen Aufrüstung
„Aufrüstung bedeutet nicht mehr Sicherheit“, sagt Michael Schunk aus Emden. Der 67-Jährige organisiert den 7. Ostfriesischen Ostermarsch. Auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff ist dabei.
Emden - Die geplanten Milliardeninvestitionen Deutschlands in die Verteidigung bereiten Michael Schunk Sorge. „Aufrüstung bedeutet nicht mehr Sicherheit“, sagt der 67-jährige Emder im Gespräch mit der Redaktion. Das Gegenteil sei der Fall: Durch die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen beispielsweise werde Europa nicht sicherer, sondern zum potenziellen Angriffsziel. Schunk ist überzeugt: „Man versucht, die Leute in Angst zu versetzen.“
Der ehemalige Musikschullehrer engagiert sich seit Jahren für Frieden und Abrüstung. Schunk organisiert federführend den für Sonnabend, 19. April 2025, geplanten Ostfriesischen Ostermarsch in Emden, zum siebten Mal. Der Ostermarsch richtet sich gegen Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft, wie Schunk es formuliert. Die Veranstaltung beginnt um 11.15 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz.
2024 waren 250 Menschen beim Ostfriesischen Ostermarsch
Im vergangenen Jahr waren in Emden rund 250 Menschen mitmarschiert. Mit einer ähnlichen Resonanz rechnet Schunk auch diesmal. Wenn er in der Stadt mit Leuten spreche und seine Flugblätter verteile, sei es eigentlich wie immer. „Da gibt es alle möglichen Reaktionen.“ Die einen sagten: „Belästigen Sie mich nicht mit Politik“, die anderen sagten: „Wie gut, dass Sie da stehen.“ Er habe aber durchaus das Gefühl, dass das Thema Krieg und Frieden den Leuten auf der Seele liege, dass es präsenter sei als in den vergangenen Jahren, fügt der Organisator hinzu.
Zu Beginn der Veranstaltung wird Michael Jacob von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Kreisvereinigung Ostfriesland, an den Schwur „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ erinnern. Danach beginnt der Demonstrationszug durch die Innenstadt. Für 12.15 Uhr ist eine Kundgebung am Emder Hafentor geplant, wo Schunk die Demonstranten begrüßen und einige Worte zur Einführung sprechen wird. Auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hat die Teilnahme zugesagt. Er wird ein Grußwort sprechen.
Die Frage lautet: Wie ist Putin zu stoppen?
Hauptredner ist diesmal der niederländische Antifaschist Ewout van der Hoog (Amsterdam). Der Liedermacher Erik Stenzel aus Nürnberg begleitet die Veranstaltung musikalisch. Ostermärsche finden zwischen Gründonnerstag und Ostermontag in rund 100 Städten in ganz Deutschland statt.
Schunk befürchtet eine Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas, wenn Deutschland aufrüstet. Außerdem werde das Geld an anderen Stellen fehlen, etwa im sozialen Bereich. Auf die Frage, wie der russische Präsident Putin zu stoppen sei, sagt Schunk, es brauche Diplomatie und Kompromisse. „Mit Gewalt kommt man nicht wirklich weiter.“ Wer behaupte, Putin werde als Nächstes die baltischen Länder und Polen überfallen, schüre Angst und wolle Aufrüstung rechtfertigen.
„Wir wollen nicht kriegstüchtig werden“
Im vergangenen Jahr hatten die Teilnehmer des Ostfriesischen Ostermarsches die Beendigung der Kämpfe in der Ukraine und in Gaza gefordert. „Wir wollen nicht kriegstüchtig werden – nicht schon wieder“, hatte Schunk in Anspielung auf Aussagen von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gesagt. „Wir sollten nicht kriegstüchtig werden, sondern friedenstüchtig.“
Oberbürgermeister Kruithoff hatte gesagt, mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und angesichts des wachsenden Risikos eines Atomkrieges frage er sich, „ob es statt dieses Abnutzungskrieges, in dem die Ukraine auf Jahre hinaus wirtschaftlich, finanziell und militärisch unterstützt werden muss, nicht doch an der Zeit für mehr Mut zu Verhandlungen ist“.