Verbotener Lost Place Neue Pläne für Alte Ziegelei in Pilsum
Bei der Alten Ziegelei in Pilsum wird weiterhin gearbeitet. Sind die Ideen des Investors jetzt schon konkreter?
Pilsum - Ein neues Dach, neu verblendet, teils neue Fenster: Die ehemalige Ruine auf dem Grundstück der Alten Ziegelei in Pilsum ist kaum wiederzuerkennen. Seit einem Jahr wird auf dem Grundstück und an dem Haus gearbeitet. Immer, wenn mal Luft auf anderen Baustellen ist, kommen seine Mitarbeiter nach Pilsum, sagt der Leezdorfer Unternehmer Wilke Saathoff im Gespräch mit dieser Zeitung. „Erst wollte ich nicht so recht ran ans Objekt, aber jetzt habe ich richtig Freude dran, wenn ich da bin.“
Saathoff hat mittlerweile viele Ideen für das rund 21.000 Quadratmeter große Gelände direkt an der Kreisstraße zwischen Pilsum und Greetsiel. Erst einmal muss er aber das Ergebnis eines Bodengutachtens abwarten. Denn: Auf der ehemaligen Industrie-Fläche könnte der Boden mit Schadstoffen durchsetzt sein. Dann könnte er sich einen Architektenwettbewerb vorstellen, um Ideen für eine weitere Nutzung zu sammeln. Er hat aber auch schon so viele Ideen und sogar schon einen ungefähren Zeitplan im Kopf.
Was könnte bei der Alten Ziegelei entstehen?
Bei dem Hauptgebäude, das jetzt „aufgepeppt“ wird, weiß Wilke Saathoff noch nicht, ob ein Dauerwohnen oder eine Feriennutzung denkbar wäre. Mit dem Urlaubs-Geschäft kennt er sich aus: Sein Unternehmen hat laut der Firmen-Website Ferienunterkünfte unter anderem in Leezdorf, Bensersiel, Neßmersiel, Norddeich, Emden, Aurich und der Krummhörn.
In der Überlegung ist für ihn auch, Wohnmobilstellplätze im vorderen Bereich zur Straße einzurichten. 30 Stellplätze wären möglich, meint er. Klar ist für ihn aber: So ein Platz muss dann Hand und Fuß haben, denn Camper sind mittlerweile anspruchsvoll. Eine vernünftige Sanitäranlage und Versorgungsinfrastruktur werden von den meisten gewünscht. In der Krummhörn ist die Campingplatz-Konkurrenz stark: Regelmäßig wird der Platz am Deich in Upleward zum besten in Niedersachsen gewählt. Die Lage, Spielmöglichkeiten für Kinder, Sauna, Gastronomie: In Upleward wird einiges geboten.
Doch auch Wilke Saathoff geht in seinen Gedankenspielen weiter: Den alten Ziegelei-Ofen, alte Loren und mehr würde er gerne in ein Museums-Angebot integrieren. Und er könnte sich eine Teestube und/oder Gastronomie vorstellen. Viele Touristen, im Wohnmobil oder auf dem Fahrrad, könnten die Adresse ansteuern, hofft er. Zwar gibt es im nahe gelegenen Greetsiel zahlreiche Restaurants und Cafés, in Pilsum direkt aber findet sich nur das Restaurant Alte Brauerei. Beim Leuchtturm gibt es derzeit noch kein neues Imbiss-Angebot.
Wie geht es jetzt weiter?
Zunächst wartet Saathoff noch auf das Bodengutachten. Allerdings: Schon jetzt sagt er, dass er Ende 2028 anpeilt, um sein Vorhaben bei der Alten Ziegelei abgeschlossen zu haben. Welche Projekte bis dahin umgesetzt sind – Wohnmobilplätze, Teestube, Museum und mehr –, ist offen. „Viele Faktoren“ seien mit im Spiel, sagt der Investor.
2009 hatte Wilke Saathoff das Gelände, auf dem vor mehr als 50 Jahren die Ziegelei schloss, vom Land Niedersachsen gekauft. Seitdem hatte es bis zum Frühjahr 2024 keine Bautätigkeit gegeben. In die Medien war das Grundstück geraten, weil die Ruine 2017 für Dreharbeiten eines Ostfriesen-Krimis zu einem Schauplatz geworden war. 2018 wurde die Folge ausgestrahlt. Danach war das öffentliche Interesse groß.
Nicht nur Krimi-Fans, sondern auch viele Menschen aus der „Lost Places“-Szene, also Anhänger „verlorener oder verwunschener Orte“, wollten sich vor Ort genauer umsehen. Sogar Fans des Paranormalen, also selbst ernannte Geisterjäger, haben schon Interesse bekundet. Ein Anbau des Haupthauses hatte 2017 gebrannt. Die Reste waren als Erstes im April 2024 abgerissen worden. „Das Gelände ist so groß. Wenn man anfängt, sieht man erst, was alles da ist“, sagt Saathoff aktuell.