Nadelöhr bei Wiesmoor Baustelle an der Schleuse Neudorf kostet Nerven
Seit einem Jahr ist die Baustelle an der Schleuse Neudorf zwischen Uplengen und Wiesmoor ein Nadelöhr. Immer wieder melden sich Leser und machen ihrem Unmut Luft. Wie geht es dort weiter?
Wiesmoor/Uplengen - Die Baustelle an der Schleuse Neudorf hat ihren ganz eigenen Takt. Dort, wo Wiesmoor entlang des Nordgeorgsfehnkanals endet und Uplengen beginnt, pumpt die Pumpe aus dem bereits neu gebauten Schleusenbecken Wasser mit schnellem Herzschlag in den hinter der Spundwand liegenden Kanal. Auf der benachbarten Straße geht es gemächlicher zu. Durch die Baustelle ist ein Fahrstreifen der parallel verlaufenden Wiesmoorer Straße gesperrt. Hier gibt die Baustellenampel den Takt vor.
Exakt eine Minute und 30 Sekunden dauert eine Ampelphase. Alle 45 Sekunden wird an einem Ende der rund 100 Meter langen Baustelle Grün. Dann setzt sich auf der jeweiligen Seite eine kleine Karawane in Bewegung. Seit einem Jahr gibt es dieses Nadelöhr auf der Landesstraße 12 bereits. Immer wieder erreichen die Redaktion Anrufe deswegen. Denn einen Radweg gibt es in diesem Bereich nicht und der so schön getaktete Verkehrsfluss wird durch die jetzt wieder beginnende Fahrradsaison ausgebremst. Ist an der Baustelle denn noch immer kein Ende in Sicht?
So lange bleibt der Verkehr im 45-Sekunden-Takt
Manche Anrufer beschäftigen auch ganz andere Fragen: „Fragen Sie mal nach, ob die da vielleicht einen U-Boot-Hafen bauen. Bei dem Material, das dort verbaut wird, ist das durchaus denkbar“, meldete sich ein Leser. Außerdem würden dort keine Schiffe mehr fahren. Warum ist ein Schleusenneubau dann überhaupt noch notwendig? Fest steht, die Dauerbaustelle bewegt die Menschen, die auf diese zentrale Verbindungsroute zwischen Wiesmoor und Uplengen angewiesen sind. Das sind nicht wenige.
Von der Seite des Bauherren gibt es erst einmal gute Nachrichten. „Aktuell liegt das Bauvorhaben voll im Zeitplan“, bestätigt Carsten Lippe. Er ist Pressesprecher beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden. Diese gute Nachricht heißt aber nicht, dass der 45-Sekunden-Takt an der Schleuse Neudorf bald Geschichte ist. „Es ist geplant, die im Frühjahr 2024 begonnenen Arbeiten bis Februar 2026 abzuschließen“, so Lippe. Allerdings wird wohl nicht die ganze Zeit lang die kanalnahe Fahrbahn gesperrt bleiben. Lippe: „Wir gehen davon aus, dass die Einschränkungen für den Verkehr bis zum vierten Quartal 2025 aufrechterhalten werden müssen.“
Warum wird überhaupt eine neue Schleuse benötigt?
Die Pendler am Nordgeorgsfehnkanal müssen also noch ein wenig länger mit dem Nadelöhr leben. Doch warum gibt es das überhaupt – und wird die Schleuse überhaupt noch gebraucht? Die „Schleuse V“ genannte Schleuse Neudorf ist die fünfte von insgesamt acht Schleusen entlang des im Jahr 1916 fertiggestellten und 31,8 Kilometer langen Wasserweges. Der Nordgeorgsfehnkanal verbindet die Jümme mit dem Ems-Jade-Kanal. Der Ausbau diente der Entwässerung der großen Hochmoorgebiete im südlichen Landkreis Wittmund und der Verkehrsanbindung der Moorkolonien, die um 1900 im Raum Wiesmoor entstanden.
Die Krux: Seit dem Bau des Kanals vor mehr als 100 Jahren war an der Schleuse in Neudorf kaum etwas gemacht worden. Vonseiten des NLWKN heißt es: „Der über 100 Jahre alte Vorgängerbau (...) war baulich abgängig, es bestand also Handlungsbedarf.“ Es sei zwar richtig, dass der Kanal nicht mehr für den Transport von Torf und Kohle genutzt wird, so Lippe weiter: „Der Kanal und die für seinen Betrieb erforderlichen Bauwerke haben aber in der Region touristischen Wert als Wasserweg für die Sportschifffahrt: Er verbindet das Leda-Jümme-Gebiet mit dem Ems-Jade-Kanal und stellt so eine Verbindung zwischen Ems, Jade und Weser her.“
Der Nordgeorgsfehnkanal und seine Rolle bei Hochwasser
Mithilfe der Schleuse in Neudorf wird am Nordgeorgsfehnkanal ein Höhensprung im Gewässer von 7,50 Metern auf neun Meter über Normalhöhennull (NHN) bewältigt – das ist die Höhe über dem Meeresspiegel. Der Wasserweg ist nicht nur für Bootstouristen wichtig. Der Nordgeorgsfehnkanal spielt eine wichtige Rolle bei der Entwässerung und Hochwasserabfuhr für Tausende Haushalte in der Region, heißt es vom NLWKN. Ein Schlüsselelement für Hochwasser ist bereits fertiggestellt: Durch das unterirdische, massive Bypass-Bauwerk soll sich zukünftig Hochwasser an der Schleuse deutlich leichter managen lassen.
Zusätzlich gewährleistet die Schleuse mit ihrem kleinen Schöpfwerk auch in Trockenzeiten die Kontrolle des Wasserstands. Sie verhindert damit eine unkontrollierte Entwässerung der umliegenden moorigen Gebiete. Doch wie sieht es mit dem Nordgeorgsfehnkanal und seiner Rolle als Strecke für den Radtourismus aus? Da es in diesem Bereich entlang der Landesstraße keinen Radweg gibt, fahren immer wieder Radfahrer auf der Straße durch die Baustelle, melden die Anrufer. Auch ein Sturz wurde der Redaktion schon gemeldet. Gibt es Ideen, die in der Ferienzeit für Entlastung sorgen könnten? Grundsätzlich sei der NLWKN darum bemüht, die baustellenbedingten Einschränkungen für den Verkehr so gering wie möglich zu halten, erklärt Lippe.
Welche Alternativen gibt es für Radtouristen?
Während der zweiwöchigen Weihnachtspause auf der Baustelle zum Jahreswechsel sei die Ampel abgeschaltet gewesen und es standen wieder zwei Fahrstreifen zur Verfügung. „Um unnötige Einschränkungen für den öffentlichen Straßenverkehr zu vermeiden“, so Lippe. Dies gehe allerdings nur, wenn das Baugeschehen wirklich ruhe. „Wir werben um das Verständnis der Anrainer“, sagt Lippe: „Wir werden selbstverständlich auch künftig ähnliche Entlastungen ermöglichen, wo die Rahmenbedingungen es hergeben.“ Doch wie sieht es in diesem Bereich für Fußgänger und Radfahrer aus? Für sie ist die Nutzung des Weges direkt am Kanal ab der Harmsbrücke während der Bauzeit nicht möglich.
Gründe dafür sind die engen Verhältnisse im Baufeld und die notwendige Baustraße. Für den Radverkehr ist laut dem Pressesprecher eine ausgewiesene Umleitung auf der anderen Seite des Nordgeorgsfehnkanals eingerichtet worden, auf der auch kein größeres Pkw-Aufkommen herrscht. Die Umleitung verläuft östlich um das Neudorfer Moor. Auf diese Weise sei eine Verbindung zwischen Uplengen und Wiesmoor jederzeit gewährleistet, heißt es. „Es ist gar nicht nötig, die Landesstraße 12 mit Fahrrädern zu befahren.“ Stürze im Bereich der Baustelle seien weder dem NLWKN noch der zuständigen Baufirma bisher gemeldet worden, ergänzt Carsten Lippe.
Was kostet das Projekt?
Wer als Anlieger oder Fahrrad-Pendler nicht die fünf Kilometer längere, aber landschaftlich schöne Umleitung nehmen möchte, muss leider weiterhin die Kröte schlucken und auf den 100 Metern die enge Fahrbahn mit Autos und Lastwagen teilen. Gebaut wird in Neudorf übrigens seit dem 23. Mai 2024. Damals starteten die Vorarbeiten mit dem ersten Rammschlag. In einem Käfig aus Spundwänden wird die alte Schleuse zurückgebaut und an gleicher Stelle nach aktuellem Stand der Technik wieder hergestellt. Die künftige Schleusenkammer ist wie ihre Vorgängerin 6,80 Meter breit und 29 Meter lang.
Für Fußgänger wird dabei in finanzieller Kooperation mit der Gemeinde Uplengen der vorhandene Drehbrückensteg ersetzt und in den Schleusenbetrieb integriert. Bauherr des Schleusenneubaus ist das Land Niedersachsen, vertreten durch die für den Betrieb und die Unterhaltung des Nordgeorgsfehnkanals zuständige Betriebsstelle Aurich des NLWKN. Den Auftrag für den Neubau erhielt die Firma Ludwig Freytag aus Oldenburg. Insgesamt investiert Niedersachsen in Uplengen in den kommenden zwei Jahren 5,7 Millionen Euro in die wasserwirtschaftliche Infrastruktur.