Frankfurt  Aktienkurse rauschen ab – who cares?

Gregor Lischka
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Von Gregor Lischka
| 09.04.2025 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kursverluste auf den Anzeigetafeln: Für die meisten Deutschen ein Spektakel aus sicherer Distanz, für Unternehmen und aktive Anleger jedoch eine echte Herausforderung mit möglicherweise weitreichenden Folgen. Foto: Arne Dedert/dpa
Kursverluste auf den Anzeigetafeln: Für die meisten Deutschen ein Spektakel aus sicherer Distanz, für Unternehmen und aktive Anleger jedoch eine echte Herausforderung mit möglicherweise weitreichenden Folgen. Foto: Arne Dedert/dpa
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Trotz der sich scheinbar überschlagenden Nachrichten von der Börse ist Panik unangebracht. Während die Kurse tief fallen, bleibt das Meiste für die Deutschen relativ unbedeutend. Ein Blick auf die tatsächlichen Folgen.

„Kursmassaker“ und „Börsenblutbad“ – die Nachrichten klingen dramatisch. Ja, die Aktienkurse sind abgestürzt. Die gute Nachricht ist: Den meisten Deutschen kann das erst einmal ziemlich egal sein. Denn: Nicht mal jeder Fünfte hierzulande hält überhaupt Aktien oder Fondsanteile. Und selbst für diejenigen, die jetzt mit Sorgenfalten in ihr Depot gucken, gilt: Ihr Geld ist nicht weg.

Ein Kursrutsch bedeutet erst mal nur Buchverluste – also Zahlen auf dem Papier. Ihre Aktien, beziehungsweise Unternehmens- und Fondsanteile sind ja nicht plötzlich verschwunden. Es sind im Moment lediglich weniger Leute dazu bereit, viel dafür zu zahlen. Genau deswegen sagen Finanzmarktprofis immer: Aktieninvestitionen sind ein Marathon, kein Sprint.

Ein Beispiel: Wer vor ein paar Jahren in Aktien- und ETF-Investments eingestiegen ist, liegt wahrscheinlich immer noch im Plus - trotz der aktuellen Verluste und trotz dieses vergleichsweise kurzen Anlagehorizonts. Auf lange Sicht – und das zeigt die Statistik seit Jahrzehnten – schneiden breitgestreute Aktieninvestitionen fast immer besser ab als jedes Sparbuch, als jede Riester-Rente und jede Lebensversicherung.

Aber klar, weh tut es denjenigen, die jetzt auf ihr Erspartes angewiesen sind – weil sie zum Beispiel ein Haus finanzieren oder in Rente gehen wollen. Wer in so einem Moment verkaufen muss, der verliert wirklich. Diese Situation zeigt auch, wie riskant ein Rentensystem wäre, das vorwiegend auf Kapitalmärkte setzt.

In den USA erleben das gerade Millionen: Ihre Pensionen hängen an der Börse. Und das macht das nochmal deutlich, dass die umlagefinanzierte Rente, so schlecht ihr Ruf auch sein mag, ihren Wert hat. Doch es wäre zu kurz gedacht, den Börsencrash nur als Problem für Anlegerinnen und Anleger zu sehen, die jetzt an ihr Erspartes wollen.

Denn: Hinter jedem Aktienkurs, der auf einer Börsen-Anzeigetafel gerade in den Keller rauscht, stecken reale Unternehmen. Das Risiko: Wenn deren Kurse einbrechen, könnte es für diese Unternehmen schwieriger werden, sich zu refinanzieren, Geld zu leihen, Kredite aufzunehmen. Dann hätte der Crash am Kapitalmarkt auch ganz konkrete Folgen für die Realwirtschaft. Und da stecken wir bekanntlich alle gemeinsam drin. Für die deutschen Unternehmen kommt das alles zur absoluten Unzeit.

Erst vor wenigen Tagen hatte das ifo-Institut sich in der deutschen Exportwirtschaft umgehört. Die Stimmung schien endlich mal wieder besser zu werden, die Umsatzerwartungen gingen nach oben. Aber: Jetzt die Nachrichten von neuen Zöllen, dramatischen Kurseinbrüchen - und plötzlich steht sogar eine Rezession wieder im Raum. Die Unsicherheit ist erneut gestiegen. Und das ist wahrscheinlich das eigentliche Drama.

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