Hamburg Dynamit und rote Pille: Das bedeuten die Emojis der Frauenhasser
Emojis sind meist harmlos – in manchen Fällen verstecken sich dahinter aber auch diskriminierende Botschaften. Die Netflix-Serie „Adolescence“ thematisiert gefährliche Rollenbilder, die durch sogenannte „Incels“ verbreitet werden. Das steckt hinter ihren Emoji-Codes.
Emojis haben in unterschiedlichen Kreisen oft ganz eigene Bedeutungen. Ein braunes Herz, ein Broccoli oder eine Kiwi klingen erst einmal harmlos — die Codes werden aber unter anderem für den Online-Drogenhandel oder zur Verbreitung von Hass-Botschaften genutzt.
Wegen der neuen Netflix-Serie „Adolescence” wird gerade wieder viel über die Subkultur der „Incels” gesprochen – und auch diese Szene hat ihre eigenen Codes.
Die britische Miniserie gehört laut Netflix schon nach weniger als einem Monat zu den fünf erfolgreichsten Serien des Streamingdienstes überhaupt. „Adolescence“ dreht sich um den Teenager Jamie (Owen Cooper), der eines Abends eine Mitschülerin ersticht und wegen erdrückender Beweise schon am Tag danach festgenommen wird.
Der Mord an Katie wird in der Serie genutzt, um die Psyche des Jungen zu erkunden und zu beleuchten, wie soziale Medien und gesellschaftlicher Druck gefährliche, frauenfeindliche Denkmuster bei jungen Männern befeuern können.
Vor allem eine Szene in Folge zwei der Serie sorgt derzeit für Aufregung – und wird auch in den Medien breit diskutiert. Der Sohn des ermittelnden Polizisten erklärt seinem Vater, warum der die Instagram-Kommentare des Mordopfers an den vermeintlichen Mörder komplett falsch versteht. Das erstochene Mädchen hatte dem Jungen unter anderem folgende Emojis geschickt: eine brennende Dynamit-Stange, eine rote Pille und drei Kidneybohnen.
Doch was steckt hinter den Emoji-Codes der „Incels“?
Steht für einen Incel, also einen Mann, der unfreiwillig keinen Erfolg bei Frauen hat und daraus Frust entwickelt.
Aufgestaute sexuelle Frustration der Incels.
Die Kidney-Bohne steht ebenso für einen Incel und wird von Incels häufig zur Selbstidentifikation verwendet.
Dieses Symbol steht für die 80/20-Regel. Sie besagt, dass 80 Prozent der Frauen nur an 20 Prozent der Männer interessiert seien. Das sei auch der Grund, warum ein Mann zu Manipulation und Gaslighting-Taktiken greifen müsse, um überhaupt eine Chance zu haben. Diese Denkweise dient als Rechtfertigung für frauenfeindliche Narrative.
Die rote und die blaue Pille soll, angelehnt an den Film „Matrix“ eine Wahl zwischen Realität und Illusion repräsentieren. „Die rote Pille schlucken“ soll im Incel-Jargon für das Erkennen der vermeintlich „harten“ Realität stehen, in der Frauen im gesellschaftlichen Leben besser dastehen als Männer.
Die Idee zu der Serie hatte Schauspieler und Co-Autor Stephen Graham, als er von zwei voneinander unabhängigen Morden an zwei Mädchen in Liverpool und London hörte, ebenfalls durch jugendliche Täter, sagte er der britischen „BBC“.
Der britische Premierminister Keir Starmer war von der Serie laut der Nachrichtenagentur „AP News“ so beeindruckt, dass er die Macher Ende März in der Downing Street empfangen hat. Außerdem unterstützt die britische Regierung nun eine Initiative von Netflix, die Serie gratis an weiterführenden Schulen im ganzen Land zu zeigen.
(mit dpa)