Hamburg Masturbation im Morgenkreis? Wie die AfD sich komplett lächerlich macht
AfD-Politikerin Vanessa Behrendt macht eine Kita aus Niedersachsen öffentlich nieder, weil die über die sexuelle Entwicklung von Kindern informiert. Wie sie dabei vorgeht, ist beschämend.
Taucht das Wort Sex im Kontext von Kindern auf, sieht AfD-Frau Vanessa Behrendt Rot. „Niemals“ dürften diese beiden Wörter in einem Satz fallen, forderte die Landtagsabgeordnete gerade auf ihrem „X“-Account.
Was Behrendt damit offen zugibt: Der Kontext ist ihr völlig egal.
Wie egal, das bekam zuletzt auch eine Kita aus Niedersachsen zu spüren. Die hatte nämlich ihr sexualpädagogisches Konzept auf die Webseite gestellt. Thema unter anderem: die Entwicklung von kindlicher Sexualität oder der Schutz vor sexuellen Übergriffen.
Behrendt aber liest, was sie lesen will: Kinder und Sex. „Pervers“ polterte sie auf ihren sozialen Netzwerken, forderte Berufsverbote für das Personal und behauptete sogar, Mitarbeiter würden Kinder zur Masturbation auffordern.
Was eine perfide Lüge ist. Die Einrichtung informiert in ihrem sexualpädagogischen Konzept lediglich darüber, dass Kinder ihren Körper erkunden, es zu sogenannten Doktorspielen kommen kann und erläutert, wie diese vom Personal pädagogisch begleitet werden.
Dass diese Begleitung aber auch völlig fehlinterpretiert werden kann, zeigt der Fall einer Kita der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aus Hannover. Im Alleingang plante der Leiter einen sogenannten Körpererkundungsraum. Das Jugendamt stoppte das Vorhaben – zurecht. Einen ähnlichen Aufreger gab es in NRW.
Eine sensible Präventionsarbeit aber ist unerlässlich. Denn es ist kindliche Unwissenheit über Sexualität, die sie schneller zu Opfern von Missbrauch werden lassen kann. Kennen Mädchen und Jungen Wörter für Geschlechtsteile und sexuelle Vorgänge, haben sie bessere Möglichkeiten, über sexuelle Übergriffe zu sprechen. Die Forderung der AfD, sexuelle Aufklärung in Kitas zu stoppen, ist also brandgefährlich.
Sexualerziehung liegt neben der Familie auch in der Verantwortung von Bildungseinrichtungen – und dazu zählen Kitas. Frau Behrendt sollte lernen, das zu akzeptieren.