Blaulicht  Hochwasser bis Hausbrand – unermüdliche Helfer im Austausch

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 07.04.2025 08:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Innenministerin des Landes Niedersachsen, Daniela Behrens (SPD), kam mit Einsatzkräften aus dem Kreis Leer ins Gespräch. Foto: Vogt
Innenministerin des Landes Niedersachsen, Daniela Behrens (SPD), kam mit Einsatzkräften aus dem Kreis Leer ins Gespräch. Foto: Vogt
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Unermüdlich arbeiten Ehrenamtliche im Kreis Leer und schützen Menschenleben – von Autounfall bis Hochwasser. Die Innenministerin bekam Infos aus der Praxis. Was war besonders wichtig?

Rheiderland - Autocrash, Badeunfall, Hausbrand, Hochwasser – Ob es Katastrophen für einzelne oder für die breite Bevölkerung sind: Es gibt Menschen, die helfen. In Bunde kamen kürzlich die Verantwortlichen zusammen. In der großen Fahrzeughalle der Feuerwehr saßen Menschen, auf die es ankommt, wenn es schwer wird – Retter, Sicherheits- und Einsatzkräfte aus dem Landkreis Leer: Von der Feuerwehr, über die Polizei, Autobahnpolizei, das Technisches Hilfswerk (THW), Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und das Rote Kreuz.

Viele Einsatzkräfte und Politiker kamen in Bunde zu einem Blaulichtabend zusammen. Foto: Vogt
Viele Einsatzkräfte und Politiker kamen in Bunde zu einem Blaulichtabend zusammen. Foto: Vogt

Sie sollten die Möglichkeit haben, Kritik und Anregungen aus der Praxis loszuwerden. Hören sollte dies die Politik: Allen voran die Innenministerin des Landes Niedersachsen, Daniela Behrens (SPD). Auch andere Politikerinnen und Politiker waren dabei. Der Organisator des Abends, Landtagsabgeordnete Nico Bloem (SPD), Bundestagsabgeordnete Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) und die Bürgermeister Claus-Peter Horst (Leer), Heinz Trauernicht (Uplengen) und Uwe Sap (Bunde). Zu den Forderungen und Anregungen später mehr.

Schutz: Was ist die größte Aufgabe, die auf die Kräfte und die Bevölkerung zukommen?

Zivilschutz: „Wir befinden uns in einer ernsten Lage durch den Russland-Konflikt“, sagt Behrens. Wenn es um den Schutz der Bevölkerung geht, könne nicht Bunkerbau wie in den 1960ern besprochen werden. Bei einem Zivilschutzfall komme es auf die Menschen an, die meist helfen. „Das sah man, als die Impfzentren aufgebaut werden mussten“, sagt sie. Aber man müsse Zivilschutz groß denken. „Es geht darum, das Bewusstsein zu schärfen, dass es wichtig ist, Vorräte im Haus zu haben, da ist viel Wissen verloren gegangen.“ Es sei aber auch wichtig, zu wissen, wo die zentralen Stellen und wichtige Knotenpunkte seien, man müsse ausarbeiten, wo beispielsweise Menschen versorgt werden, die in Pflegeheimen untergebracht sind. Es müssten ausführliche Pläne gemacht und mit den unteren Katastrophenschutzbehörden besprochen werden. „Wichtig ist, dass wir die vorhandenen Kräfte nicht überfordern und keine Panik verbreiten.“

Innenministerin Daniela Behrens, Organisator Nico Bloem und Kreisbrandmeister Ernst Berends im Gespräch. Foto: Vogt
Innenministerin Daniela Behrens, Organisator Nico Bloem und Kreisbrandmeister Ernst Berends im Gespräch. Foto: Vogt

Übergriffe: Wo liegen Probleme in Sachen Kriminalität?

Die ansteigende Zahl der Übergriffe auf Einsatzkräfte macht der Innenministerin zu schaffen. „Gewalt ist inakzeptabel“, sagt sie. Dies sei ein Zeichen der Verrohung der Gesellschaft insgesamt. „Jeder einzelne dieser Fälle muss zu Ende ermittelt werden. Dann ist es eine Richterfrage, ob es zu Einstellung kommt“, sagt sie. Insgesamt gebe es eine gute Aufklärungsquote bei Straftaten. „Die Statistiken zeigen, dass die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zunimmt. Der gefährlichste Ort für sie ist dabei ihr eigenes Zuhause“, so Behrens. Die Gewalt, die von jungen Männern mit Migration und ohne ausgehe, müsse entgegengewirkt werden.

Dank und Respekt: Was sollten die Einsatzkräfte hören?

„Wir sind stolz darauf, was jeder einzelne hier leistet“, so Bloem. „Es geht auch darum, dass die Frauen und Männer, die jeden Tag – und Nacht – für Sicherheit, zur Stelle sind, einen Dank für ihre Leistung auszusprechen. Das ist nicht selbstverständlich“, so Sap.

Das unterstrich auch die Innenministerin. „Ich denke da immer an das Hochwasser zu Weihnachten 2023, das war eine wirklich kritische Lage in Niedersachsen, wir waren in Not. Wir sind da nur so durchgekommen, weil Feuerwehr, THW, teils Bundeswehr und Polizei angepackt haben“, sagt sie.

Das letzte gefährliche Hochwasser gab es Weihnachten 2023. Damals wurde bei Langholt der Deich mit Sandsäcken gesichert. Foto: Hellmers/Archiv
Das letzte gefährliche Hochwasser gab es Weihnachten 2023. Damals wurde bei Langholt der Deich mit Sandsäcken gesichert. Foto: Hellmers/Archiv

Immer wieder erlebe sie, dass andere erstaunt seien, dass viele dieser Menschen das im Ehrenamt neben Beruf, Familie und Arbeit leisten. „Das gibt es in der EU nur in Deutschland und Österreich“, so Behrens. Darüber hinaus sei die Kinder- und Jugendfeuerwehr mit mehr als 50.000 Mitgliedern der größte Verein Niedersachsens. Neben der Familie sei dies ein Ort, an dem Werte vermittelt würden. Dies sei einer der Hebel, wenn es darum gehe, die Verrohung der Gesellschaft Einhalt zu gebieten.

Aus der Praxis: Was soll die Innenministerin aus der Praxis mitnehmen?

Unter anderem hatte Kreisbrandmeister Ernst Berends Punkte vorgebracht, die die Innenministerin mit nach Hannover nehmen wird, wie sie sagte. Es ging um die Versorgung der Kräfte in großen Lagen. 100 bis 120 Personen könne man verpflegen – dann komme man an die Grenzen des Leistbaren. Kritik erntete die modulare Ausbildung und dass die Fahrzeuge, die über das Land beschafft worden waren, sehr lange gestanden hatten, ehe sie in der Fläche ankamen.

Einsatzfahrzeuge: Was konnte schon verändert werden, was steht an?

Die Beschaffung von Fahrzeugen konnte schon vereinfacht werden, so Innenministerin Behrens. Es sei einfacher und günstiger, wenn sie zentral über das Land beschafft werden und dann den Kreisfeuerwehrbereitschaften zur Verfügung gestellt. Am 3. April 2025 hatte sie erst einen Schlüssel für ein neues Löschgruppenfahrzeug (LF KatS) für den Katastrophenschutz offiziell übergeben. Die Veranstaltung fand im Feuerwehrhaus in Weener statt. „Das vom Land Niedersachsen finanzierte Fahrzeug soll die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren im Landkreis Leer deutlich erhöhen und den Schutz der Bevölkerung im Katastrophenfall verbessern“, heißt es in der Mitteilung der Kreisfeuerwehr.

Das neue Löschgruppenfahrzeug soll den Schutz der Bevölkerung verbessern. Foto: Joachim Rand/Feuerwehr
Das neue Löschgruppenfahrzeug soll den Schutz der Bevölkerung verbessern. Foto: Joachim Rand/Feuerwehr

Das Fahrzeug ist bei der Ortsfeuerwehr Weener stationiert und dient dort als reguläres Einsatzfahrzeug. „Das Fahrzeug ist nicht nur für regionale Einsätze, sondern auch für Einsätze innerhalb Niedersachsens oder über die Landesgrenzen hinaus vorgesehen“, heißt es weiter. Es sei für neun Einsatzkräfte ausgelegt und verfüge unter anderem über einen 1.000-Liter-Löschwasserbehälter und einen 5.000-Liter-Faltbehälter.

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