Trump und seine Autozölle  Stoppt VW alle Lieferungen von Emden in die USA?

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 03.04.2025 16:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bereit für den Transport nach Übersee: Autos im Emder Hafen. Foto: Ortgies/Archiv
Bereit für den Transport nach Übersee: Autos im Emder Hafen. Foto: Ortgies/Archiv
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Die Nachricht hat in Emden für Unruhe gesorgt: Angeblich sollte die Verschiffung von Autos in Richtung USA gestoppt werden. Wir haben nachgefragt, was da los ist.

Ostfriesland/Berlin/New York - Kurzzeitige Verwirrung im Emder Hafen: Die „Bild“-Zeitung hatte am Donnerstagmorgen unter Berufung auf das „Wall Street Journal“ berichtet, dass Autos, die per Schiff aus Europa ankommen, im Hafen bleiben sollen. Andere Medien hängten sich an die Berichterstattung an. Über eine Art stille Post wurde dann daraus die vermeintliche Nachricht, dass von Emden aus keine Schiffe mehr mit Fahrzeugen aus dem VW-Konzern in die USA fahren.

Die „Bild“ hatte zu ihrer Berichterstattung ein Archivbild aus dem Emder Hafen mit dem Car Carrier „Siem Confucius“ gestellt und über das „Wall Street Journal“ einen VW-Sprecher zitiert. Man werde mit Logistikunternehmen zusammenarbeiten, um den Fahrzeugtransport zu optimieren, sobald sich die Zollsituation stabilisiert habe. „Wir wollen sehr transparent durch diese Zeit der Unsicherheit navigieren“, hieß es demnach bei VW.

Chef von Autoport Emden spricht Klartext

Auf Nachfrage unserer Redaktion stellt sich die Sachlage dann etwas anders da. „Ich weiß nicht, woher solche Informationen stammen“, sagte Manfred de Vries, Geschäftsführer von Autoport Emden, unserer Redaktion. Autoport Emden ist für das Löschen und Beladen der Autofrachter zuständig.

„Wir sind in der Beladung und werden auch weiter beladen“, sagte de Vries. Noch am Donnerstagabend sollte die „Lake Taupo“ in Richtung Baltimore starten. Der VW-Frachter „Siem Confucius“ (aus der „Bild“-Zeitung) werde für Montag erwartet, gelöscht und dann wieder beladen. Änderungen wegen der US-Zollpolitik seien ihm nicht bekannt. „Aber wir machen uns natürlich Gedanken darüber, wie es weiter geht“, fügte der Autoport-Chef hinzu.

Neue Preisschilder in Autohäusern?

Auch die Deutsche Presse-Agentur berichtete am Donnerstag über die Reaktionen von VW auf die neuen Autozölle. Demnach will Volkswagen in seinen US-Autohäusern einem Bericht zufolge die neuen Autozölle auf den Preisschildern ausweisen. Bei Fahrzeugen, die von dem seit Donnerstag geltenden 25-Prozent-Zoll betroffen sind, solle am Fahrzeug auf eine mögliche „Importgebühr“ hingewiesen werden, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eine interne Mitteilung an die Händler. Zur Höhe des Aufschlags und ab wann er gelten soll, machte VW noch keine Angaben. Dem Bericht zufolge hat VW zudem die Auslieferung von Fahrzeugen aus dem mexikanischen Werk Puebla, die per Bahn in die USA gehen, vorübergehend gestoppt. Autos, die per Schiff aus Europa kommen, würden vorerst in den Häfen zurückgehalten, bis sich die Zollsituation stabilisiert habe. Fahrzeuge, die bereits vor Inkrafttreten der Zölle in die USA importiert wurden, sind nicht von dem Aufschlag betroffen.

Im vergangenen Jahr verkaufte die Kernmarke Volkswagen knapp 380.000 Neuwagen in den USA. Das entsprach acht Prozent des weltweiten Absatzes. Meistverkauftes Modell war das nur in Nordamerika angebotene SUV Atlas, das VW in seinem US-Werk in Chattanooga herstellt. Knapp zwei Drittel der in den USA verkauften VW wurden importiert, die meisten aus Mexiko.

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