Viele Follower bei Instagram  Football-Influencerin aus Friedeburg hat 83.000 Fans

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 03.04.2025 16:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Stephy Schutta ist gern mitten drin im Geschehen. Sie liebt die Stimmung im Stadion. Foto: Schutta
Stephy Schutta ist gern mitten drin im Geschehen. Sie liebt die Stimmung im Stadion. Foto: Schutta
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Stephanie Schutta unterhält auf Instagram mehr als 83.000 Follower mit ihrer Sicht auf American Football. Mittlerweile wird sie zu Spielen in die USA eingeladen. Anfangs wurde sie belächelt.

Friedeburg - Deutschland ist Fußballland. Wer aber glaubt, da sei kein Platz für andere Sportarten, der täuscht sich gewaltig. „Die Masse, die Football interessiert, ist größer, als man denkt“, stellt Stephanie Schutta klar. Sie sagt: American Football ist längst kein Nischensport mehr – und ihre mehr als 83.000 Follower auf Instagram sehen das offenbar genauso. Denn bei Stephy Schutta (stephyschutta) dreht sich alles um American Football. Und der war zwar eine ganze Weile unter dem Radar des Massengeschmacks, ist aber längst in der Fläche angekommen: In Aurich, Wilhelmshaven oder Oldenburg beispielsweise gibt es Mannschaften. Weit über 70.000 Mitglieder gehören dem American-Football-Verband Deutschland an. Der AFVD ist die Dachorganisation von mehr als 500 Vereinen deutschlandweit. Zum Vergleich: Im Deutschen Fußball-Bund sind rund 24.000 Vereine organisiert.

Und wenn die Hamburger Sea Devils Stadien wie das Weserstadion in Bremen füllen, wird es laut, unterstreicht die 40 Jahre alte Friedeburgerin. „Die Stimmung in Deutschland ist fast so gut wie in Amerika.“ Schutta brennt für Football – und ihre Begeisterung ist ansteckend. Gleiches gilt für die Stimmung im Stadion, verspricht sie: Sie rät dazu, es auszuprobieren. „Sich einfach mal berieseln lassen.“ Viel über den Sport müsse man dafür nicht wissen. Es helfe jedoch, ein generelles Verständnis der Regeln und Punktvergabe zu haben – oder es sich vor Ort erklären zu lassen. Es einfach erleben: „Mit offenen Augen und offenem Mindset in einen Spieltag gehen.“

Football: Körperbau ist Nebensache

Die Faszination Football hat Stephanie Schutta schon lange fest im Griff, „Ich feiere den Sport – schon immer.“ Selbst gespielt hat die ehemalige Profitänzerin und Tanzlehrerin nie. Der Grund für ihre Begeisterung ist unter anderem dieser: „Beim Football ist es egal, wie ich aussehe.“ Auf dem Feld findet man echte Schränke – aber auch kleinere, wendige Typen. In keinem Profisport gebe es solch eine Bandbreite. Das Tanzen hingegen sei unglaublich körperbetont. Schutta wuchs in Hohenkirchen (Wangerland) auf. Früh war klar: „Ich wollte selber auf die Bühne.“ Doch Schutta hat eine eher feminine Figur – und hat daher einige Rollen oder Jobs nicht bekommen. Oft habe sie gehört, sie sei zwar die Beste – aber figürlich nicht das, was man suche.

Stephy Schutta wurde auf Instagram vom Fan zur gefragten Expertin. Mittlerweile folgen ihr mehr als 83.000 Leute. Foto: Ullrich
Stephy Schutta wurde auf Instagram vom Fan zur gefragten Expertin. Mittlerweile folgen ihr mehr als 83.000 Leute. Foto: Ullrich

Vor ihrem endgültigen Aus als Profitänzerin aufgrund eines Kreuzbandrisses erfüllte sie sich einen Traum: Ende 2012 trat Schutta bei den MTV Europe Music Awards auf und tanzte im Background von Weltstars wie Sängerin Rita Ora. Eine der Tänzerinnen, die mit den Künstlern touren, war ausgefallen. „Ich bin kurzfristig eingesprungen. So durfte ich den Opening Act tanzen.“ Anschließend gab die Friedeburgerin ein Gastspiel im Einzelhandel. Mittlerweile ist sie als Soldatin bei der Luftwaffe. Bei den Objektschützern in Upjever kümmert sie sich unter anderem um Personalangelegenheiten. Und ein wenig um Social Media, verrät sie – irgendwie sei das ja naheliegend.

Durch Zufall zum Influencer

Stephanie Schutta ist eine Frau mit vielen Facetten und Leidenschaften. Im Mittelpunkt aber steht ihre Familie. Sie lebt mit ihrer achtjährigen leiblichen Tochter Zoe und ihrer mittlerweile 21 Jahre alten Pflegetochter Lea-Mara zusammen. Und genau die war auch ausschlaggebend für ihren seit vier Jahren andauernden Social-Media-Ausflug in die „Sport Bubble“ – gespickt mit ein wenig Lifestyle und Familie. Der Teenager wollte als Influencerin und/oder Reality-TV-Star bekannt werden. Schuttas Reaktion damals: „Wenn es so einfach wäre, würde es ja jeder machen.“

Ein Blick hinter die Kulissen von Stephanie Schuttas Lieblingsteam, die Kansas City Chiefs. Foto: Schutta
Ein Blick hinter die Kulissen von Stephanie Schuttas Lieblingsteam, die Kansas City Chiefs. Foto: Schutta

Es wurde zu einer Art Experiment, einer Wette. Eigentlich habe sie ihrer Tochter zeigen wollen, dass es nicht funktioniert – wurde aber eines Besseren belehrt. Schuttas Ziel waren 10.000 Follower innerhalb eines Jahres. Die habe sie jedoch nach acht oder zehn Wochen gehabt. Anfangs ging es noch nicht um Football. Ein Selfie im Fan-Trikot erregte Aufmerksamkeit. Daraus wurden konkrete Inhalte, mit denen sie punktete. Irgendwann habe sie Spiele oder Spielerwechsel kommentiert. So ging es los. „Es war eine Art Selbstfindung“, sagt sie heute. „Ich musste herausfinden: Wofür stehe ich?“ Aber auch die Frage: Wie weit gehe ich?

Erst belächelt – jetzt gefeiert

Stephy Schutta entscheidet selbst, was sie im Internet preisgibt. „Für die Follower ist es auch schön, wenn sie am Leben teilhaben.“ Sie hat klare Regeln und Strukturen: Das echte Leben und die Töchter hätten stets Priorität, wenn es darum gehe, Familie, Vollzeitjob und Content fürs Netz unter einen Hut zu bringen. „Ich probiere viele Dinge aus.“ Nicht immer läuft alles rund, sagt die 40-Jährige lachend. Auch Scheitern gehöre dazu.

Bei ihrem ersten Besuch im Stadion in New Orleans hatte Stephanie Schutta die Fahne ihrer Heimatgemeinde Friedeburg im Gepäck. Die versteigert sie gerade für den guten Zweck. Foto: Schutta
Bei ihrem ersten Besuch im Stadion in New Orleans hatte Stephanie Schutta die Fahne ihrer Heimatgemeinde Friedeburg im Gepäck. Die versteigert sie gerade für den guten Zweck. Foto: Schutta

Obwohl es ihr an Erfolg nicht mangelt. „Ich geh jetzt in die vierte NFL-Saison“, resümiert sie. Aus einem Zuschussgeschäft – beispielsweise läpperten sich anfangs die Reisekosten zu den Spielen – ist längst ein Geschäftsmodell geworden, das sich für Stephanie Schutta rechnet. „Am Anfang haben das alle belächelt“, erinnert sie sich. 2022 war sie erstmals im Heimatland des American Football, den USA. Aus dem Fan wurde langsam eine Expertin für Sport und Lifestyle. Ein Ritterschlag für einen Fan – oder Touchdown: „Ich durfte zu den Spielen. Ich konnte an der Seitenlinie stehen.“ Schutta wurde zu einer Art Botschafterin für ihren Lieblingssport, ist Gast in Talkrunden, dreht Dokus und ist in Podcasts zu hören. „Du erreichst mit deiner Begeisterung Menschen.“

Gut gelaunt und voller Begeisterung für ihren Lieblingssport: So kennen ihre Follower die Friedeburgerin Stephanie Schutta. Foto: Schutta
Gut gelaunt und voller Begeisterung für ihren Lieblingssport: So kennen ihre Follower die Friedeburgerin Stephanie Schutta. Foto: Schutta

Damit der Funke für den amerikanischen Sport auch endgültig auf Ostfriesland überspringt, plant Schutta mit der Gemeinde Friedeburg für den 28. Juni 2025 ein Turnier für Kinder und Jugendliche in Friedeburg. Teams von der fünften bis zur zehnten Klasse der umliegenden Schulen sind zum Flag Football eingeladen. Die spezielle Form des Kontaktsports kommt ganz ohne Körperkontakt aus – und wird 2028 olympisch. Dafür gibt Schutta ihre weitgereiste Friedeburg-Flagge her: Die hatte die Sportbegeisterte vom Friedeburger Bürgermeister Helfried Goetz (parteilos) überreicht bekommen und schon mit in den USA – jetzt versteigert sie sie online für den guten Zweck. Der Erlös fließt komplett in die Umsetzung des Sport-Events.

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