Erste Stangen sprießen  Festessen mit Spargel zu Ostern ist gesichert

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 29.03.2025 11:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In den durch Folie geschützten Dämmen von Daniel Santen aus Diele sprießen schon die ersten Stangen. Am 10. April beginnt der Verkauf im Hofladen. Foto: Ortgies.
In den durch Folie geschützten Dämmen von Daniel Santen aus Diele sprießen schon die ersten Stangen. Am 10. April beginnt der Verkauf im Hofladen. Foto: Ortgies.
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Im Frühjahr boten die mit Folien abgedeckten Spargelfelder in Diele einen vertrauten Anblick und weckten die Vorfreude auf die Spargelsaison. Dort sind sie verschwunden. Wir haben nachgefragt warum.

Landkreis Leer - Spargelfans fiebern dem Saisonstart schon entgegen. Doch wer hiesigen Spargel genießen will, muss sich noch ein klein wenig gedulden. Während die Erntehelfer in Süddeutschland schon in Aktion sind, gehen die Spargelbauern im Landkreis davon aus, dass die ersten Stangen im April gestochen werden können. „Das Spargelessen zum Osterfest ist auf jeden Fall gesichert“, verspricht Landwirt Janno Schmid aus Großwolde.

Wie wird die Saison ausfallen?

Thorsten Flick von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen mit Sitz in Hatten bei Oldenburg geht von einer guten Erntesaison mit guter Spargelqualität aus. Das sei durchaus überraschend. „Vor einem Jahr hatten wir hier eine dramatische Hochwassersaison.“ Viele Spargelflächen hätten komplett unter Wasser gestanden. Doch der Spargel habe diese Extremsituation sehr gut überstanden und gedeihe bei den Temperaturen gut.

Am Kreisel in Stapelmoor macht das Werbebanner schon auf den Saisonstart auf dem Spargelhof Santen in Diele aufmerksam. In der Ortschaft sind die mit Folie abgedeckten Spargeldämme von den Feldern verschwunden. Gibt es in diesem Jahr keinen Spargel aus Diele? Wenn man es genau nimmt, nicht. „Wir nutzen aktuell unsere Anbauflächen in Brual“, erzählt Daniel Santen. Das liegt einen Steinwurf entfernt auf der anderen Seite des Brualer Schlots im Emsland. Weniger Spargel gibt es deshalb aber nicht. „Wir bewirtschaften nach wie vor 16 Hektar“, erzählt er.

Wo sind die Spargelfelder in Diele?

Spargelpflanzen können nach seinen Worten ein Alter von zehn Jahren erreichen. Zum Schluss lasse der Ertrag aber nach. „Die Stangen werden dann immer dünner, so dass man sie kaum noch schälen kann“, berichtet er. So war es auch mit den Flächen in Diele. „Wir werden dort in diesem Jahr neu pflanzen“, sagt Santen. Erntereif sei der Spargel im dritten Anbaujahr. „Wir haben immer einen gewissen Rhythmus mit den Anbauflächen.“

Der erste Spargel der Saison werden die Saisonkräfte auf den Feldern in Brual an diesem Sonnabend stechen. Der erste Spargel vom Hof Santen geht an die Gastronomie. Der Verkauf im Hofladen in Diele soll am 10. April beginnen. Montags bis freitags ist dort von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Sonnabends kann man im Hofladen von 8 bis 14 und sonntags von 8 bis14 Uhr Spargel kaufen. Wieviel Kunden für ein Kilogramm bezahlen müssen, kann Daniel Santen noch nicht sagen. Der Preis sei abhängig von der Erntemenge. Er geht von Preisen wie im vergangenen Jahr aus.

In diesem Jahr werden Anbauflächen in Brual genutzt. In Diele sind für dieses Jahr Neuanpflanzungen vorgesehen. Foto: Gettkowski
In diesem Jahr werden Anbauflächen in Brual genutzt. In Diele sind für dieses Jahr Neuanpflanzungen vorgesehen. Foto: Gettkowski

Wie sieht es mit dem Spargelwachstum auf dem Spargelhof in Großwolde aus?

Janno Schmid kann nicht sagen, ob die ersten Spitzen schon aus den Wällen herausgucken. „Ich habe ehrlich gesagt, noch gar nicht nachgesehen“, sagt der Landwirt. „Wir hatten zwar schon reichlich Sonnenstunden, aber man darf nicht vergessen, dass der Spargel an der Wurzel Temperaturen von elf Grad braucht, um zu wachsen“, sagt der Spargelbauer. Er geht davon aus, dass es noch etwa eine Woche dauert, bis die Stangen richtig anfangen zu sprießen. Sobald der Spargel gestochen werden kann, hat der Hofladen täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Wie stark ist die Konkurrenz der Discounter?

Für die Spargelbauern sind die Discounter durchaus Konkurrenz. In der Direktvermarktung sei das zum Glück nicht so stark spürbar. „Die Ostfriesen kaufen ganz gezielt hiesigen Spargel für ihr Frühlingsessen und warten bis der Spargel Saison hat“, beschreibt Schmid seinen Eindruck aus den Gesprächen mit Kunden.

Die Spargeldämme sind mit Folie vor Licht und Kälte geschützt. Foto: Ortgies
Die Spargeldämme sind mit Folie vor Licht und Kälte geschützt. Foto: Ortgies

Was kostet der Spargel in diesem Jahr?

„Der Spargelpreis lässt sich momentan nicht vorhersagen“, macht Thorsten Flick von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer deutlich. Der Preis hänge sehr stark von Angebot und Nachfrage ab. „Generell kann man sagen, dass beim hiesigen Spargel für jeden Geldbeutel was dabei ist“, so Flick.

Spargel der Klasse II mit krummen Stangen und durch Lichteinfall beim Wachstum lila verfärbte Spitzen sei günstiger zu bekommen. „Geschmacklich gibt es keinen Unterschied zur Klasse I.“ Bruchspargel eigne sich für Salat oder Suppe.

Daniel Santen macht einen Kontrollgang durch die Spargelanbauflächen in Brual. Foto: Ortgies
Daniel Santen macht einen Kontrollgang durch die Spargelanbauflächen in Brual. Foto: Ortgies

Spargel ist ein Alte-Leute-Essen – was ist dran?

In überregionalen Medien ist immer wieder zu lesen, dass der Spargelabsatz einbricht, weil Spargel bei der jungen Generation aus der Mode gekommen sei. Thorsten Flick gibt Entwarnung. „Die klassische Spargelvariante mit Kartoffeln, zerlassener Butter, Schinken oder Schnitzel hatte eine Zeitlang den Ruf als Alte-Leute-Essen“, sagt Flick. Dass dieser Eindruck gerade kippt, merke man im Internet und in den sozialen Medien. Dort würden eine Vielzahl moderner Rezepte gepostet. „Spargel im Salat oder auf dem Grill“, nennt Thorsten Flick Beispiele.

Ein Generationen-Problem gebe es nach seiner Beobachtung aber tatsächlich. „Der Rückgang der Spargelanbaubetriebe ist spürbar“, sagt er. „Viele geben auf, weil ihnen ein Nachfolger fehlt.“ Das gelte insbesondere für kleine Betriebe mit Anbauflächen von einem bis fünf Hektar.

Die Stangen sprießen. Da wächst die Vorfreude bei Spargelfans auf das erste Festessen mit dem Saisongemüse. Foto: Ortgies
Die Stangen sprießen. Da wächst die Vorfreude bei Spargelfans auf das erste Festessen mit dem Saisongemüse. Foto: Ortgies

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