Ärztemangel auf dem Land Das macht Hinte, um einen Hausarzt zu finden
In Hinte tickt die Uhr: Der einzige Hausarzt geht bald in Rente, die Suche nach einem Nachfolger blieb bislang erfolglos. Die Gemeinde erkundet nun alternative Ansätze, um dem Ärztemangel zu begegnen.
Hinte - Es ist ein ewig währendes Problem: In der Gemeinde Hinte gibt es nur noch einen Allgemeinmediziner, und der geht bald in Rente. Nach Unterstützung für Dr. Hans-Michael Reblin sucht die Gemeinde schon lange. Seit Beginn seiner Amtszeit vor fünf Jahren beschäftigt Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) die mühevolle Suche nach einem Hausarzt für Hinte, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. „Bisher sind wir leider noch nicht fündig geworden“, so Redenius. „Aber wir suchen weiter.“
Das ist auch dringend nötig: Der Anteil der über 65-jährigen Menschen in der Gesellschaft nimmt zu. Dieser Wandel ist besonders in ländlichen Gemeinden spürbar, denn dort nimmt die alternde Bevölkerung prozentual am meisten zu. So auch in Hinte, wo es nach aktuellem Stand keinen Nachfolger für den Hausarzt Dr. Reblin gibt. Dabei wäre ein weiterer Allgemeinarzt dringend notwendig. „Wir wollen und müssen unbedingt die ärztliche Versorgung in Hinte sicherstellen“, sagt der Verwaltungschef.
Um den Hausarzt zu entlasten: Ein Ärztehaus für Hinte
Um der Suche nach einem neuen Hausarzt ein wenig auf die Sprünge zu helfen, hat sich die Gemeinde nun auch einige Alternativlösungen überlegt. Eine Option, die sich der Bürgermeister als Lösung für das Ärzteproblem vorstellen könnte, sei zum Beispiel der Bau eines kommunalen medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Hinte. In einem MVZ können beliebig viele Ärzte als Angestellte zusammenarbeiten, auch aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Ein kommunales MVZ wird zwar von Ärzten geleitet, Trägerin der Einrichtung wäre dann allerdings die Gemeinde. Das ist seit 2015 erlaubt. In Deutschland gibt es mittlerweile über 4000 MVZ, besonders in ländlichen Gemeinden. Auch in der Krummhörn gibt es seit längerem Überlegungen zum Bau eines ärztlichen Versorgungszentrums in der Ortsmitte. Ein passender Investor für das Projekt hat sich dort bisher noch nicht gefunden.
Die Hinteraner Verwaltung hat nun mithilfe eines Eilentscheids eine Beratungsfirma damit beauftragt, herauszufinden, welche organisatorischen und rechtlichen Anforderungen mit einer Gründung eines solchen Versorgungszentrums in der Gemeinde einhergehen würden. Das sei notwendig, um die ambulante medizinische Versorgung in der Gemeinde Hinte sicherzustellen, wird diese Entscheidung begründet. „Da hängen natürlich viele Faktoren dran“, so Redenius. Man müsse geeignete Räumlichkeiten finden, prüfen und gegebenenfalls neu bauen. „Außerdem wäre die Gemeinde dann Arbeitgeberin von mindestens zwei Ärzten oder Ärztinnen“, sagt Redenius. Das sei eine Herausforderung. Außerdem müsse Hinte als Bedarfsgemeinde natürlich auch auf die Finanzen achten. Aber: „Wir ziehen alle Register“, sagt der Bürgermeister – denn die Zeit eilt.“ Dr. Reblin habe die Verwaltung bereits über den Zeitpunkt seines Renteneintritts informiert. Und so weit sei der gar nicht mehr entfernt, sagt Redenius. Nun benötige die Verwaltung noch das Mandat der Politik, dann können die Überlegungen zum MVZ losgehen.
Hausarztpraxen in der Region: Zweigstelle in Hinte?
Parallel dazu habe man aber auch weiterhin ein Auge auf andere Lösungen für das Ärzteproblem. Eine Möglichkeit sei zum Beispiel der Aufbau einer Zweigstellenpraxis in Hinte. Redenius erklärt das wie folgt: „Stellen Sie sich vor, da gibt es Arztpraxis X aus Südbrookmerland. Diese Praxis öffnet eine Zweigstelle in Hinte. Der Arzt aus Südbrookmerland könnte dort gemeinsam mit dem Allgemeinmediziner Dr. Reblin die Praxis führen und nach dessen Renteneintritt die Praxis allein weiterführen.“
Zudem startet in Hinte aktuell ein Pilotprojekt mit den Community Health Nurses (CHN), zu deutsch in etwa Gemeindeschwestern. Diese speziell ausgebildeten Pflegekräfte sollen in Hinte und der Nachbargemeinde Krummhörn als Schnittstelle zwischen den Hausärzten und Patienten agieren. Sie übernehmen Aufgaben wie zum Beispiel die Blutabnahme, die fachkundige Begleitung von Behandlungen oder schulen die Bevölkerung zum Thema Gesundheit. In Zeiten des Ärztemangels sollen diese Fachkräfte die Allgemeinmediziner entlasten und ergänzen. Man freue sich auf die CHN in Hinte, sagt Redenius. Das sei eine super Ergänzung zum Allgemeinmediziner. Aber eben auch nur eine Ergänzung – den Hausarzt ersetze eine solche Pflegekraft natürlich nicht. Deswegen werde man weiter alles daran setzen, möglichst schnell einen Hausarzt nach Hinte zu bekommen.