Angst vor Spionage  Datenklau über die Photovoltaik-Anlage aus China?

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 27.03.2025 15:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf den meisten Hausdächern in Ostfriesland sind heute Module aus chinesischer Herstellung verbaut. Auch Wechselrichter und Speicher kommen meist aus China. Foto: Hanz
Auf den meisten Hausdächern in Ostfriesland sind heute Module aus chinesischer Herstellung verbaut. Auch Wechselrichter und Speicher kommen meist aus China. Foto: Hanz
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Ein PV-Anlagen-Besitzer in Ostfriesland ist in Sorge um Datensicherheit: Denn in seinem und vielen anderen Häusern ist chinesische Technik verbaut. Sind seine Daten sicher?

Aurich/Oldenburg - Wenn schon bei Windkraftanlagen auf hoher See die Gefahr von Spionage durch die Volksrepublik China besteht – wie hoch muss da erst die Spionage-Gefahr durch die auf unzähligen Dächern in Ostfriesland verbauten chinesischen Photovoltaikanlagen sein? Zumindest ein PV-Anlagenbesitzer im Landkreis Aurich fragt sich, wie sicher seine Daten eigentlich sind. Der Ostfriese hat in seinem Haus Technik der Firma Fox ESS verbaut. Wechselrichter und Speicher dieser chinesischen Firma sind heute gang und gäbe, genauso wie die Technik von Deye, Huawei, Sungrow oder Ginlong Solis.

Ein Klick – und schon ist der Techniker aufs System geschaltet

„Meine Anlage hatte irgendein technisches Problem, deshalb rief ich einen Techniker der Solarfirma an, die sie mir gebaut gebaut hat“, erzählt der Mann. Doch der Techniker sei nicht weitergekommen und habe direkt bei der Herstellerfirma angerufen. „Der chinesische Techniker von Fox ESS war dann nur wenige Sekunden später über die Steuerungsapp auf meine PV-Anlage draufgeschaltet.“

Ein Elektriker montiert einen digitalen Stromzähler mit einem Smart-Meter-Gateway zur Datenübertragung. Symbolfoto: Markus Scholz/dpa
Ein Elektriker montiert einen digitalen Stromzähler mit einem Smart-Meter-Gateway zur Datenübertragung. Symbolfoto: Markus Scholz/dpa

Das Problem war dann zwar tatsächlich schnell gelöst, doch seitdem fragt sich der Hauseigentümer, ob es denn so klug ist, dass sich eine chinesische Firma einfach mal auf seine Haustechnik schalten kann. „Früher galt PV-Technik chinesischer Hersteller als sicherheitsrelevant. Und heute wird die chinesische Technik von deutschen Solar-Unternehmen ganz selbstverständlich verkauft und verbaut“, wundert er sich.

VR China als Spionage-Staat

Nach der Aufregung über mögliche Spionage durch China auf See ist der PV-Anlagenbesitzer nun verunsichert: „Können die Chinesen meine Daten abgreifen?“, fragt er sich. Vor rund drei Wochen erst hatten Sicherheitsexperten der Bundeswehr vor chinesischer Spionage-Technik gewarnt. Hintergrund sind die Pläne eines Hamburger Unternehmens, im neuen Offshore-Windpark „Waterkant“ rund 90 Kilometer nördlich von Borkum Windkraftanlagen aus chinesischer Fertigung zu bauen.

Ein chinesische Flagge weht vor der Botschaft von China in Berlin: Spionage durch die Volksrepublik China ist ein bekanntes Problem in Deutschland. Symbolfoto: Hannes P. Albert/dpa
Ein chinesische Flagge weht vor der Botschaft von China in Berlin: Spionage durch die Volksrepublik China ist ein bekanntes Problem in Deutschland. Symbolfoto: Hannes P. Albert/dpa

Die Sorge: Die Volksrepublik China könnte die Anlagen dazu nutzen, Daten zu sammeln, zum Beispiel zur Energienutzung oder zu Schiffsbewegungen. Und nicht auszuschließen sei auch die Möglichkeit der Sabotage der deutschen Energieversorgung. Die Volksrepublik China ist laut alljährlichem Verfassungsschutzbericht einer der vier Hauptakteure von „gegen Deutschland gerichteter Spionage“. Die anderen drei Spionage-Staaten sind Russland, der Iran und die Türkei.

Cybersicherheit auch für Privathaushalte

Um die Daten des ostfriesischen Hauseigentümers abzugreifen, müssten Spione Zugriff auf den Smart Meter erhalten. Der Smart Meter ist das intelligente Strom-Messsystem, das nach und nach die alten analogen Stromzähler ersetzt. Er besteht aus einem digitalen Stromzähler und dem Smart-Meter-Gateway, der Schnittstelle zur Kommunikation zwischen dem Stromverbraucher und -erzeuger mit den Betreibern der Stromnetze und den Energielieferanten.

Tatsächlich könnte der Smart Meter die Schwachstelle sein, die das Datenabgreifen möglich macht. Aber: „Das BSI, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, entwickelt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz entsprechende technische und organisatorische Vorgaben zur Gewährleistung von Datenschutz, Datensicherheit und Interoperabilität und entscheidet, welche Smart Meter von welchen Herstellern für den deutschen Markt zugelassen werden“, erklärt auf Nachfrage Alexander Jewtuschenko von EWE Netz.

Das BSI mit Sitz in Bonn wurde 1991 als Cybersicherheitsbehörde des Bundes gegründet – eine Kernaufgabe ist die Abwehr von Cyberangriffen auf die Regierungsnetze und die Bundesverwaltung. Foto: Bernd Lammel
Das BSI mit Sitz in Bonn wurde 1991 als Cybersicherheitsbehörde des Bundes gegründet – eine Kernaufgabe ist die Abwehr von Cyberangriffen auf die Regierungsnetze und die Bundesverwaltung. Foto: Bernd Lammel

Das Oldenburger Unternehmen ist im eigenen Stromnetzgebiet, zu dem auch Ostfriesland gehört, Messstellenbetreiber. Heißt: EWE Netz ist dafür zuständig, moderne und intelligente Technik in die Haushalte zu bringen. „Wir verbauen ausschließlich Smart Meter, die die strengen Sicherheitsanforderungen des BSI erfüllen und entsprechend zertifiziert sind“, betont Jewtuschenko. EWE Netz hat 2022 damit begonnen, im Netzgebiet Smart Meter einzubauen. Mittlerweile seien mehr als 45.000 intelligente Messsysteme (iMS) in Betrieb, so der Sprecher.

Zertifizierungsverfahren soll Spionagerisiko minimieren

Das BSI mit Sitz in Bonn wurde 1991 als Cybersicherheitsbehörde des Bundes gegründet – eine Kernaufgabe ist die Abwehr von Cyberangriffen auf die Regierungsnetze und die Bundesverwaltung. Mittlerweile ist bei dem Amt alles angesiedelt, was mit IT-Sicherheit, Datenschutz und Digitalisierung zu tun hat. Zugleich ist das BSI zentrale Zertifizierungs- und Standardisierungsstelle für neue Technologien – auch bei der Energieversorgung.

„Da es beim Aufbau und der Nutzung eines intelligenten Netzes nicht zuletzt auch um die Verarbeitung personenbezogener Daten geht, sind die Sicherheit und der Schutz eben jener eine zentrale Voraussetzung für die öffentliche Akzeptanz intelligenter Messsysteme“, heißt es beim BSI zu den Smart Metern. Deshalb wurden Anforderungen an vertrauenswürdige Komponenten der Smart Meter, deren sicheren IT-Betrieb und an die vertrauenswürdige Kommunikationsinfrastruktur aufgestellt. „Die Einhaltung der Vorgaben werden im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens durch das BSI überprüft“, heißt es in Bonn.

Ein LAN-Kabel steckt im DSL-Steckplatz eines WLAN-Routers: Der Router ist die digitale Eingangstür ins Haus. Deshalb ist sein Schutz vor Cyberangriffen besonders wichtig. Foto: Fabian Sommer/dpa
Ein LAN-Kabel steckt im DSL-Steckplatz eines WLAN-Routers: Der Router ist die digitale Eingangstür ins Haus. Deshalb ist sein Schutz vor Cyberangriffen besonders wichtig. Foto: Fabian Sommer/dpa

Damit ist grundsätzlich ausgeschlossen, dass von China aus die Energiedaten des PV-Anlagen-Besitzers im Landkreis Aurich ausgelesen werden können. Allerdings ist die Strommessstelle natürlich nicht das einzige mögliche Einfallstor für Datenspionage. Digitale Eingangstür ins Haus ist der Router: „Er ist das Herzstück der digitalen Vernetzung zu Hause. Schließlich bildet er den Knotenpunkt für die Kommunikation aller internetfähigen Geräte – ob Computer, Fernseher oder intelligente Haustechnik zur Steuerung von Rollläden oder Heizung“, erläutert das BSI. Und deshalb sei der Schutz des Routers immens wichtig. Wie das geht, ist hier zu finden: https://link.zgo.de/4973oe.

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