Drohungen unter falschem Namen  Weitere rechte Hetzbriefe aufgetaucht

Claus Hock
|
Von Claus Hock
| 25.03.2025 13:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Unbekannter hat Drohbriefe im „unteren zweistelligen Bereich“ an Menschen in Ostfriesland und der Region verschickt. DPA-Symbolfoto: Brandt
Ein Unbekannter hat Drohbriefe im „unteren zweistelligen Bereich“ an Menschen in Ostfriesland und der Region verschickt. DPA-Symbolfoto: Brandt
Artikel teilen:

Im Namen des Heselers Joachim Duin wurden Drohbriefe mit rechtsextremen Inhalten verschickt. Deutlich mehr, als bisher bekannt war.

Hesel/Ostfriesland - Stellen Sie sich vor, dass sie nichts ahnend einen Brief öffnen. Einen Brief, in dem Sie als „weniger wert als jeder dreckige Straßenköter“ bezeichnet werden. Einen Brief, der rechte, volksverhetzende Inhalte hat und in dem Sie bedroht werden. So ging es in den vergangenen Wochen mehreren Menschen in der Region.

Und nun stellen Sie sich vor, solche Briefe werden in Ihrem Namen verschickt. Ihr Name und ihre private Adresse stehen auf den Umschlägen. Das war in den vergangenen Wochen bei Briefen aus dem Eingangsbeispiel der Fall. Das Opfer hier: Joachim Duin, Erster Samtgemeinderat der Samtgemeinde Hesel. Waren der Polizei zunächst fünf dieser Briefe bekannt, ist jetzt die Rede von einer Zahl im „unteren zweistelligen Bereich“, wie die Polizei auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilt.

Unbekannter Versender missbraucht Namen von Joachim Duin

Ein paar der Briefe haben ihren Adressaten allerdings nie erreicht. Der unbekannte Versender, der Joachim Duins Namen missbraucht hat, hat eine alte Adressliste eines Punk-Versandhandels genutzt. Listen wie diese kursieren als „Feindeslisten“ von Rechten seit Jahren im Netz. „Mehrere Briefe kamen als unzustellbar zurück“, berichtet Duin. Zurück zu ihm, denn er ist als Absender angegeben. Es habe sich immer um die gleichen Briefe gehandelt, auf denen auch ein AfD-Logo eingebaut ist. Die AfD Ostfriesland distanzierte sich auf Nachfrage von den Briefen.

Hauptsächlich wurden laut Polizei Menschen angeschrieben, die laut der verwendeten Adressliste ihren Wohnsitz in Ostfriesland haben oder hatten. „Eine geringe Anzahl an Briefen – im einstelligen Bereich“ sei der Polizei in Oldenburg gemeldet worden.

Falsche Briefe und Einschüchterungsversuche in Hesel

Für die Empfänger sind solche Briefe schon schlimm. „Als ich das Schreiben gelesen habe, bin ich aus allen Wolken gefallen. Ich war sehr verunsichert“, sagte ein Betroffener Mitte Februar gegenüber dieser Zeitung. Da waren die Briefe erstmals bekannt geworden.

Aber für Joachim Duin haben die Briefe noch eine ganz andere Dimension. Nicht nur, dass sein Name und seine Privatadresse missbraucht wurden. Es ist zudem nicht das erste Mal, dass dem Verwaltungsbeamten dies passiert. Vor einem Jahr wurden in seinem Namen, damals mit der Adresse des Rathauses, ähnliche Briefe verschickt.

Am 13. März 2025 hat Duin sich im Rat der Samtgemeinde Hesel geäußert. In einem persönlichen Statement sagte er unter anderem, dass hinter den Briefen die Absicht stecke, ihn einzuschüchtern und zu diskreditieren. „Ferner wurde mein Name mit der als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuften Partei AfD in Verbindung gebracht. Hiervon distanziere ich mich als Demokrat ausdrücklich. Ich habe als Beamter einen Eid auf unsere Verfassung geschworen und habe nichts mit den Feinden unserer Verfassung zu tun.“ Duin ist seit mehr als 22 Jahren im öffentlichen Dienst beschäftigt, seit mehr als acht Jahren ist er Erster Samtgemeinderat. Er habe immer versucht, das Beste für die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. „Nicht immer kann man dabei jeder und jedem gerecht werden“, sagte Duin im Rat. „Es werden jedoch Grenzen überschritten, wenn Personen bedroht und eingeschüchtert werden.“ Die Situation sei für ihn „persönlich belastend“. Duin schloss mit den Worten: „Jedoch möchte ich hiermit an die Täterin oder den Täter ein klares Signal senden: Ich lasse mich von Ihnen nicht einschüchtern. Auch weiterhin werde ich meinen Dienst für das Wohl unserer Bürgerinnen und Bürger mit uneingeschränktem Engagement ausüben.“

Die Polizei ermittelt weiterhin.

Ähnliche Artikel