London  Streit um Prinz Harrys Kokain-Konsum: Warum ihm die Ausreise droht und was Trump sagt

Susanne Ebner
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Von Susanne Ebner
| 19.03.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In seiner Biografie hatte Prinz Harry Drogenkonsum eingeräumt. Diesen hätte er folglich auch in seinem Visumantrag angeben müssen. Foto: DPA/Rolf Vennenbernd
In seiner Biografie hatte Prinz Harry Drogenkonsum eingeräumt. Diesen hätte er folglich auch in seinem Visumantrag angeben müssen. Foto: DPA/Rolf Vennenbernd
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US-Behörden haben geschwärzte Unterlagen zu Prinz Harrys Visumantrag veröffentlicht, doch zentrale Fragen bleiben offen: Hat er seinen früheren Drogenkonsum verschwiegen? Und könnte er nun sein Visum verlieren? Oder wurde er gar bevorzugt behandelt?

Fast zeitgleich mit dem offiziellen Brexit kam es vor gut fünf Jahren auch zum „Megxit“, dem Rückzug von Prinz Harry und Herzogin Meghan aus der britischen Königsfamilie. Seitdem das Paar dem Königreich im Januar 2020 den Rücken gekehrt hat, leben der 40-Jährige und seine Frau Meghan nach einem kurzen Aufenthalt in Kanada gemeinsam mit ihren beiden Kindern in Kalifornien – „for good“, wie die Briten sagen würden, eine Rückkehr steht nicht in Aussicht.

Dort verfolgen sie ihre Projekte, drehen Netflix-Serien, schreiben Bücher. Der Royal sei in den USA angekommen, berichten Freunde. Doch der Prinz steht vor einem Problem. Denn Diskussionen um sein Visum und damit die Rechtmäßigkeit seines Aufenthaltes in den Staaten reißen nicht ab.

Der Vorwurf: Der Herzog von Sussex habe bei seinem Antrag entweder seinen früheren Drogenkonsum verschwiegen – obwohl er in seiner im Jahr 2023 veröffentlichten Autobiografie „Spare“ (deutscher Titel: „Reserve”) offen zugegeben hatte, unter anderem Marihuana geraucht und Kokain geschnupft zu haben; oder er war ehrlich und wurde bei der Visavergabe bevorzugt behandelt.

Die Heritage Foundation, eine US-amerikanische konservative Denkfabrik, fordert deshalb schon seit über einem Jahr die Einsicht in die Einwanderungsdokumente des Prinzen. Sie betont, dass die Gleichbehandlung aller Antragsteller gewährleistet sein muss, unabhängig von ihrem gesellschaftlichen Status. Ein US-Richter entschied, dass Teile der Unterlagen veröffentlicht werden müssen.

Doch die am späten Dienstagabend offen gelegten Dokumente wurden weitgehend geschwärzt, um Harrys Privatsphäre zu schützen und mögliche Belästigungen zu vermeiden, wie es hieß. Ob er bei seinem Visumantrag gelogen hat oder bevorzugt behandelt wurde, ist weiterhin unklar.

Doch wie ist die rechtliche Lage für den Royal? Laut dem kalifornischen Familienanwalt Alphonse Provinziano garantiert dessen Ehe mit einer US-Staatsbürgerin nicht automatisch ein dauerhaftes Bleiberecht in den USA. Der frühere US-Einwanderungsbeamte und Visa-Experte Erik Finch betont überdies, dass es zu Problemen mit der Verlängerung des Visums oder schlimmstenfalls zu einer Ausweisung kommen kann, falls Harry bewusst gelogen hat, es bislang jedoch keine Beweise für eine Falschaussage gebe.

Gedankengänge wie diese bezögen „sich jedoch auf ein normales und nicht auf ein A-1-Visum“, so der Promi-Anwalt Paul Vogel, der Klienten auch bei rechtlichen Problemen im Ausland berät. Falls er ein solches Diplomatenvisum besitzt, wäre der Royal gar nicht zu seinem Drogenkonsum befragt worden, führt er im Gespräch aus.

Juristisch gut vertreten ließe sich überdies, dass die Ausführungen in einem Buch kein ausreichender Beweis für den Drogenkonsum sind, so Vogel. „Unabhängig davon, dass sie nicht unter Eid erfolgt sind, ist eine freie literarische Schilderung selbst in einer Autobiografie etwas ganz anderes, als das ,kalte’ Ausfüllen eines sachlichen Fragebogens oder eine Aussage vor der Polizei oder vor Gericht, die man nur mit ,ja’ oder ,nein’ beantworten kann“, erklärt er. „Wenn es bei der Nichtveröffentlichung der Details bleibt, wird es daher sehr schwer, Harry juristische Probleme zu bereiten.“ 

Für Vogel wurde dem Prinzen in den Diskussionen um sein Visum auch seine Berühmtheit zum Verhängnis: „Bei normalen Personen hätte da überhaupt kein Empörungsschrei stattgefunden“, so der Experte. „Es ist oft von einem Promibonus die Rede, aber in diesem Fall handelt es sich eher um einen Promi-Nachteil.“ Der Royal hatte durch seine freimütigen Äußerungen in seinen Memoiren, die sich weltweit millionenfach verkauft haben, selbst die Aufmerksamkeit auf seinen Drogenkonsum gelenkt.

Tatsächlich äußerte sich sogar Donald Trump vor einigen Monaten scharf zu den Diskussionen um sein Visum: „Ich würde ihn nicht schützen“, sagte er. „Wenn es nach mir ginge, wäre er auf sich allein gestellt.“ Kürzlich nahm er dann eine andere Haltung ein: „Ich lasse ihn in Ruhe. Er hat genug Probleme mit seiner Frau. Sie ist schrecklich“, wetterte der US-Präsident gegen die Herzogin von Sussex.

Doch laut Vogel sei es nicht ausgeschlossen, dass Trump seine Meinung erneut ändert. Etwa „wenn er merkt, dass die öffentliche Stimmung kippt und er als jemand wahrgenommen wird, der Prominente bevorzugt“. Eine Einmischung der Politik sei hier also nicht auszuschließen – und die Saga um Harrys Visum ist damit weiterhin nicht beendet.

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