Österreich fordert Rückruf Flügel von Mikrowindkraftanlage schlägt in Dach ein
Hängen Probleme mit SkyWind-Anlagen mit in Österreich monierten Qualitätsproblemen zusammen? Das Unternehmen spricht von einer gezielten Plagiatskampagne und wirft auch einem Wiesmoorer Täuschung vor.
Wiesmoor/Langenhagen/Brotterode-Trusetal - Als Herbert Oske den Namen SkyWind hört, seufzt er tief. Eigentlich möchte der Wiesmoorer Rentner mit der Zeit abschließen, in der er mit dem Hersteller von Kleinwindkraftanlagen aus Langenhagen bei Hannover zu tun hatte. Es war für ihn ein teurer Versuch, auf seinem Dach Strom mit sogenannten Mikrowindkraftanlagen zu erzeugen.
Drei Anlagen hatte er im Jahr 2022 bestellt. Zwei davon wurden nach langwieriger Suche nach einem Elektroinstallateur ein Jahr später auf seinem Dach errichtet. Strom haben sie dort aber nicht produziert. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, daran etwas zu ändern, ließ Oske die Anlagen im August 2023 wieder abbauen. Er gab sie an Elektroinstallateure weiter, die ihm bei der Installation und beim Abbau geholfen hatten. „Sie haben es aber auch nicht geschafft, die Anlagen rentabel zu betreiben“, sagt Oske.
Es gibt eine Sicherheitswarnung aus Österreich
Dass die Anlagen sich bei ihm nicht drehen wollten, sieht er inzwischen sogar als Glück. Denn aus Österreich gibt es jetzt eine Sicherheitswarnung zu dem Anlagentyp „SkyWind NG“. Beim EU-weiten Schnellwarnsystem Safety-Gate der Europäischen Kommission können Länder unsichere Produkte melden. Dort ist seit dem 14. Februar 2025 zu lesen, dass von den kleinen Windkraftanlagen Gefahr ausgehen kann. Elektrischer Schock und Verletzungen könnten drohen, steht dort auf Englisch (Link).
Beschrieben ist ein Risiko durch die Form der Rotorblätter. Laut der Sicherheitswarnung können die Blätter abreißen und so zu einer Gefahr werden. Auch die Isolierung ist laut der Meldung aus Österreich nicht ausreichend, sodass stromführende Teile berührt werden können und ein elektrischer Schlag droht. Die österreichische Behörde hat laut der Meldung einen Rückruf des Produktes angeordnet. Gilt der auch für Deutschland? Nein – heißt es von der SkyWind Energy GmbH: „Korrekt ist vielmehr, dass die für die Republik Österreich zuständige Marktüberwachungsbehörde Korrekturmaßnahmen für die Serie unseres Produkts „SkyWind NG“ angeordnet hat.“
Das sagt SkyWind zu den Vorwürfen
„Die Behörde hat uns per Bescheid untersagt, dieses Produkt auf dem österreichischen Markt bereitzustellen, und uns aufgegeben, einen Produktrückruf durchzuführen“, heißt es in der E-Mail weiter, mit der Geschäftsführer Fritz Unger auf die Anfrage der Redaktion geantwortet hat. Sein Unternehmen halte den österreichischen Bescheid aus mehreren Gründen technisch wie rechtlich für falsch und unhaltbar.
Unter anderem stütze sich der Bescheid auf Untersuchungen eines unabhängigen Prüflabors, dessen Untersuchungsbericht die Behörde seinem Unternehmen nicht weitergeleitet habe. „Aus diesem Grund waren die (...) Produktsicherheitsbedenken, die sich maßgeblich auf diese Untersuchung stützen, für uns weder nachvollziehbar noch nachprüfbar“, heißt es in der Mail. Zudem lasse sich die Darstellung der österreichischen Behörde nicht mit den Merkmalen des Produkts in Einklang bringen. Bei den von der österreichischen Behörde geprüften Anlagen soll es sich laut SkyWind um Plagiate handeln.
Eine Klage gegen den Bescheid aus Österreich läuft
SkyWind habe Kontakt zu dem Prüfinstitut aufgenommen und es mit den Aussagen der Behörden konfrontiert. „Das Prüflabor teilte uns mit, dass es die im Bescheid genannten und auf den vorgeblichen Laborbericht gestützten Produkteigenschaften niemals untersucht habe(!)“, so Fritz Unger. Zumindest zur Prüfung der Rotorblätter hat die Redaktion allerdings eine anderslautende Bestätigung erhalten. Beim Kontakt zum zuständigen deutschen Institut wurde bestätigt, dass ein Gutachten erstellt wurde.
Nach eigener Aussage geht das Unternehmen SkyWind aktuell gerichtlich gegen den Bescheid in Österreich vor. „Nach Einschätzung unserer Rechtsbeistände ist der Bescheid offensichtlich fehlerhaft und rechtswidrig. Eine Entscheidung des österreichischen Bundesverwaltungsgerichts über unsere Beschwerde wird voraussichtlich innerhalb der nächsten 14 Tage ergehen“, hieß es am 6. März 2025. „Wir sind äußerst zuversichtlich, dass das Verfahren einen für unser Unternehmen günstigen Verfahrensausgang findet.“
Was bedeutet das für deutsche Betreiber der SkyWind NG?
Der Vertriebspartner Hornbach hat den Verkauf erst einmal eingestellt. „Aufgrund der behördlichen Beanstandung der Mikrowindkraftanlage des Herstellers SkyWind haben wir bei Hornbach den Artikel umgehend aus dem Verkauf genommen. Die SkyWind Energy GmbH, die als Hersteller für das Produkt verantwortlich ist, führt zum aktuellen Zeitpunkt keine Rückrufaktion durch. Sobald der Sachverhalt abschließend geklärt ist, wird Hornbach – sofern erforderlich – weitere Maßnahmen ergreifen“, erklärte ein Sprecher der Baumarkt-Kette per E-Mail.
Die Meldungen aus dem Safety-Gate der Europäischen Kommission werden in Deutschland von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) koordiniert. Von dort heißt es, die BAuA sei als nationale Kontaktstelle für das EU-Schnellwarnsystem über die Meldung aus Österreich zur SkyWind-Anlage informiert worden. Die BAuA sei außerdem durch die juristische Vertretung von SkyWind über deren Widerspruch unterrichtet worden. „Wir haben diese daraufhin darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Kontaktstelle nicht als Marktüberwachungsbehörde fungiert und daher keinerlei eigenständige Maßnahmen ergreifen kann und darf“, so ein Sprecher der Behörde.
Wer ist zuständig für eine Sicherheitswarnung in Deutschland?
Eine Sicherheitswarnung für Deutschland gibt es aktuell nicht. Hier liegt es laut BAuA an der örtlich zuständigen Marktüberwachungsbehörde, eine für Deutschland geltende Warnung auszugeben. Das ist im Fall des Unternehmens SkyWind mit Sitz Langenhagen das Land Niedersachsen beziehungsweise das Gewerbeaufsichtsamt Hannover. Eine Anfrage der Redaktion läuft sowohl beim Gewerbeaufsichtsamt als auch beim übergeordnet zuständigen niedersächsischen Umweltministerium.
Das Unternehmen SkyWind rechnet nach eigenen Aussagen nicht damit, dass es eine Sicherheitswarnung in Deutschland geben wird: „Aufgrund der technischen Konformität unserer Anlagen mit sämtlichen einschlägigen Bestimmungen halten wir es für ausgeschlossen, dass Menschen bei der sachgemäßen Verwendung (...) zu Schaden kommen. Über 15.000 Kunden setzen unsere Technik seit vielen Jahren ein, ohne dass es jemals zu Verletzungen gekommen wäre.“
Juristen sprechen von einer Kampagne gegen SkyWind
Verletzungen hat auch der Verfasser der letzten Google-Rezension zum Produkt nicht zu beklagen. „Bei uns ist ein Flügel bei Sturm gerissen, hat ein Loch ins Dach geschlagen und ist 20 Meter neben meinem Auto heruntergekommen“, sagt Holger Dämmig aus Brotterode-Trusetal in Thüringen. Mit den Fotos des abgerissenen Flügels schickt er per WhatsApp eine Rechnung des Unternehmens SkyWind als Beleg für den Kauf des Windrads und die Nachweise für die Installation der Anlage durch ein Fachunternehmen.
Der rechtlichen Vertretung des Unternehmens SkyWind reichen diese Nachweise nicht. Aus der Media-Kanzlei in Frankfurt heißt es in einem Telefongespräch, dass erst der Abgleich der Seriennummer auf dem Gerät Gewissheit bringe, dass es sich wirklich um eine SkyWind-Anlage handele. SkyWind habe mit einer großen Anzahl an Plagiaten im vierstelligen Bereich zu kämpfen. Es komme häufig vor, dass Betrüger bei SkyWind Anlagen bestellen, um eine Rechnung vorweisen zu können. Dann würden sie die Bestellung stornieren und stattdessen defekte Plagiate als fehlerhafte Originale ausgeben. Es handele sich um eine regelrechte Kampagne gegen das Unternehmen (Link).
Das könne man auch bei den Anlagen von Herbert Oske und Holger Dämmig nicht ausschließen. Eine Anfrage bei der Media-Kanzlei nach beispielhaften Verfahren läuft. Holger Dämmig will jetzt versuchen, vom Boden aus die Seriennummer zum Abgleich zu fotografieren. „Mit meinen 70 Jahren werde ich nicht aufs Dach steigen“, sagt der mit den Vorwürfen konfrontierte Thüringer. Die Seriennummer einer Oske-Anlage liegt bereits vor: SWNG1000 7221.