Friedeburger Wolf Wolf illegal getötet – kann der Täter ermittelt werden?
Im Mai 2024 wurde ein toter Wolf in einem Graben bei Abickhafe entdeckt. Die Untersuchung ergab: illegale Tötung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Doch wie kann ein Täter überhaupt gefunden werden?
Landkreis Wittmund - Nach der illegalen Tötung eines Wolfs im Landkreis Wittmund dauern die Ermittlungen noch an. So teilt es die Staatsanwaltschaft Aurich auf Nachfrage mit. Viel mehr ist nicht zu erfahren, die Behörde bleibt zugeknöpft. Zu laufenden Ermittlungen, heißt es, könnten keine Auskünfte gegeben werden.
Es stellt sich die Frage: Kann so eine illegale Tötung überhaupt aufgeklärt werden – und wie soll das gehen? „Gar nicht“, vermutet einer der ostfriesischen Wolfsberater; zumindest mit Blick auf den Wittmunder Fall. Doch allgemein gesehen muss das nicht stimmen. Das lässt jedenfalls eine Antwort des Landeskriminalamtes Niedersachsen in dieser Sache vermuten.
Der tote Wolf
Doch zunächst der Fall an sich: Am Samstag, 25. Mai 2024, zog Finn Ahrens, Wolfsberater im Landkreis Wittmund und Leiter der dortigen Umweltbehörde, den Kadaver eines toten Wolfs aus einem Graben bei Abickhafe. Spaziergänger hatten sich bei ihm gemeldet und von dem toten Tier berichtet. Der Kadaver, so berichtete Ahrens in einem früheren Gespräch, sei zu dem Zeitpunkt schon stark verwest gewesen. Bei der ersten Begutachtung habe es dennoch schon so ausgesehen, als sei der Wolf erschossen worden. Der Kadaver wurde – wie alle tot gefundenen Wölfe – zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) nach Berlin gebracht und untersucht. Dort bestätigte sich die erste Vermutung: Das Tier war getötet worden; und zwar ohne Genehmigung und damit illegal.
Und das war nicht die einzige Erkenntnis aus der Untersuchung. Konkret handelte es sich bei dem toten Tier demnach um einen männlichen Altwolf aus dem Friedeburger Rudel, mit der offiziellen Kennung GW4303m. So ist es in der offiziellen Auflistung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) nachzulesen. Aus der Auflistung geht auch hervor, dass die überwältigende Mehrheit der tot gefundenen Wölfe dem Straßenverkehr zum Opfer fällt. In Zahlen: 2024 wurden bundesweit 143 tote Wölfe entdeckt, von denen 117 Verkehrsopfer waren. Zehn wurden illegal getötet. Einer davon ist der Rüde aus dem Friedeburger Rudel.
Der Wolfsberater
Auch Gerd Oncken ist Wolfsberater im Landkreis Wittmund. Wie Finn Ahrens ist er vom Land Niedersachsen zu diesem Ehrenamt bestellt worden. Wolfsberater sind eine Art Ansprechpartner für die Öffentlichkeit in Sachen Wolf. Auch sie nehmen Sichtungen oder Spuren auf, um einen Überblick über das Wolfsvorkommen in ihrem Gebiet zu gewinnen. Das tatsächliche Wolfsmonitoring wird von der Landesjägerschaft betrieben.
Auch Oncken kennt den Fall des toten Friedeburger Rüden. Auf die Frage, wie so eine illegale Tötung beim Kadaver überhaupt festgestellt werden kann, verweist Oncken auf die Forensik: „Da ist dann erst mal ein Loch; doch in der Regel ist keine Kugel mehr da.“ Das hänge mit der Art der Waffe zusammen, die wahrscheinlich benutzt worden sei, so Oncken. Eine Waffe nämlich, die mit hoher Energie schieße. „Beim Wolf geht die Kugel dann durch“, sagt er. Eventuell seien im Körper später noch ein paar Munitionsreste zu finden. Auch muss der Fundort eines toten Wolfes offenbar nicht automatisch der Tatort sein. Sei das Tier nicht tödlich getroffen, so Oncken, könne es noch weiterlaufen und später woanders sterben. Auf die Frage, wie die Staatsanwaltschaft nun also den Schützen ermitteln könne, vermutet er: „Gar nicht.“
Das Landeskriminalamt
Wenn es um die Untersuchung tödlicher Schüsse geht, führt die Spur auch zum Landeskriminalamt (LKA) Niedersachen in Hannover, das immerhin über ein eigenes kriminaltechnisches Institut verfügt. Oder geht es dort nur um Schüsse auf Menschen? Offenbar nicht: „Der zuständige Fachbereich des LKA hat im Jahre 2024 ein Geschoss aus einem Wolfskadaver erhalten“, schreibt die Behörde auf Nachfrage. Um welchen konkreten Fall es sich handelt, wird nicht mitgeteilt. Aus der Karte des DBBW geht hervor, dass es 2024 in Niedersachsen drei Fälle illegal getöteter Wölfe gab. Denjenigen im Kreis Wittmund, außerdem einen bei Lauenbrück zwischen Bremen und Hamburg und einen bei Stoetze in der Lüneburger Heide.
„Je nach Zustand der Munitionsteile können, im Übrigen unabhängig des Delikts, Rückschlüsse auf das Kaliber und gegebenenfalls das verwendete Waffensystem gezogen werden“, schreibt das LKA in seiner Antwort noch. Sofern eine Waffe vorliege, könne bei ausreichender Spurenqualität diese Waffe möglicherweise dem Geschoss zugeordnet werden oder auch ausgeschlossen werden.
Und dann gibt es noch andere Bemühungen, dem Wittmunder Fall auf den Grund zu gehen. Der Verein Wolfsschutz-Deutschland lobte schon früh eine Belohnung von 1000 Euro aus für „Hinweise, die zur Ergreifung des Täters“ führen. So hatte es die Vorsitzende des Vereins, Brigitte Sommer, in einem früheren Telefonat mit dieser Zeitung formuliert. Auf Nachfrage erklärt sie nun, dass bisher nicht ein einziger Hinweis eingegangen sei. „Dass wir so gar keine Hinweise bekommen, nicht einmal Verdächtigungen, ist auch nicht üblich“, sagt Sommer. Der Verein lobt öfter solche Belohnungen aus. Die für den getöteten Friedeburger Rüden gebe es auch noch, sagt Sommer.