Traditionsveranstaltung Nautisches Essen in Emden – Matjes, Politik und raue See
Beim Nautischen Essen in Emden warnte Reeder-Präsidentin Bornheim vor globalen Stürmen – auch Donald Trump könnte der Seeschifffahrt gefährlich werden. Ein Abend zwischen Tradition und Zukunftssorgen.
Emden - Männer, Matjes und maritime Themen: Das Nautische Essen im Klub zum Guten Endzweck zählt zu den unverrückbaren Traditionen in Emden. Einmal im Jahr treffen sich in Hafennähe Schwergewichte der Schifffahrt im feinen Anzug mit Spitzenvertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur.
Der Ablauf ist immer gleich, das Ritual wird gepflegt - erst an langen Tafeln im Festsaal und später dann in der verrauchten Lounge im Erdgeschoss des altehrwürdigen Klubs. Es gilt, ein jahrzehntealtes Netzwerk weiter zu knüpfen und sich gegenseitig die Bedeutung der Branche für den Wohlstand in Ostfriesland zu versichern. So auch am Freitag, dem 14. März 2025.
Blick über den Atlantik: Trump auch in Emden ein Thema
Aber ganz so gemütlich sollte es trotz aller Behaglichkeit diesmal nicht werden. Dafür sorgte unter anderem die Hauptrednerin des Abends: Dr. Gaby Bornheim. Sie ist Präsidentin des Verbandes Deutscher Reeder. 2021 hatte sie den Leeraner Reeder Alfred Hartmann an der Spitze des Verbandes abgelöst, als erste Frau.
Zwischen Matjes und Curryhuhn griff sie beim Nautischen Essen gleich mehrfach das Bild von einer rauen See und unheilvollen Unwettern auf. Am anderen Ende des Atlantiks, so Bornheim, braue sich ein großer Sturm zusammen, „und er steuert direkt auf den internationalen Seehandel und damit auch auf die deutsche Seeschifffahrt zu“, sagte die Vorsitzende des Spitzenverbandes. Gemeint ist neben globalen geopolitischen Turbulenzen die zweite Amtszeit des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump - Mr. Unausweichlich, da ist er also wieder, auch beim Nautischen Essen in Emden.
Allein in Emden 10.000 Arbeitsplätze abhängig vom Seehandel
Tatsächlich: Sein Gebaren im fernen Weißen Haus in Washington nimmt Einfluss auf die Wirtschaft in Ostfriesland. Der Autoumschlag in Emden, Reedereien in Leer, Dienstleister im küstennahen Hinterland, sie alle profitieren von freien globalen Warenströmen. Handelskriege, Zölle und Trumpsche Eskapaden bringen diesen Kreislauf ins Stottern - „mit massiven Konsequenzen auch für uns in der Seeschifffahrt“, wie Bornheim betonte. Es drohten „tiefgreifende Verschiebungen“.
Tatsächlich werden rund 60 Prozent der gesamten deutschen Im- und Exporte auf dem Seeweg abgewickelt. Wie wichtig die Häfen für die Wirtschaft sind, zeigen die gut 10.000 Arbeitsplätze, die alleine in Emden vom florierenden Umschlag abhängen.
Und so nutzte Gaby Bornhein die Bühne in Ostfriesland, um für die Belange der Branche zu werben. Weniger Bürokratie, weniger Vorschriften, mehr Beinfreiheit. Allein: Die Adressaten ihrer Forderungen saßen nicht im Klub zum Guten Endzweck in Emden, sondern in der sich neu formierenden Bundesregierung in Berlin. Entsprechend höflich, aber verhalten, klang der Applaus der 300 Gäste.
Klare Haltung zu Hafenthemen: Beifall für den Oberbürgermeister
Deutlich lauteren Beifall erhielt Tim Kruithoff. Zum einen lenkte der Emder Oberbürgermeister in seinem Grußwort den Blick auf eines der drängendsten Hafenwirtschaftsthemen vor Ort: Die Erreichbarkeit und Funktionalität der Kaianlagen an der Außenems. Kruithoff stellte zur Zufriedenheit der meisten Gäste klar, dass man in Emden nur dann dem Masterplan Ems zustimmen würde, wenn Ökologie und Ökonomie entlang des Flusses „in Einklang“ gebracht würden. Bekanntlich wird seit Jahren um den Ausbau des Hafens gerungen.
Zum anderen gab Kruithoff zur gut hörbaren allgemeinen Erleichterung Entwarnung. Denn im Laufe des Abends war hinter den schweren goldenen Vorhängen im Klub das Gerücht durch die Reihen gewabert, dass es im Landesmuseum brennen würde. Tatsächlich hatte ein defekter Transformator im Keller des Regionalmuseums einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Viele hatten es mitbekommen. Der Vorfall ging allerdings glimpflich und ohne größere Schäden aus. „Unser Rathaus“, so Kruithoff, stehe „unversehrt in Emden“.
Viele Spenden: Rubel und Real zur Rettung Schiffbrüchiger
Erleichtert und zufrieden zeigte sich auch der Vorsitzende des gastgebenden Nautischen Vereins zu Emden, Frank Wessels. Der Gastgeber hatte sich zuvor ebenfalls für die maritime Wirtschaft in Ostfriesland stark gemacht und wie in jeder seiner vorangegangenen Reden zu mehr Tempo bei Infrastrukturprojekten gemahnt.
Am Ende des Abends gab Wessels das Ergebnis der Sammlung für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger bekannt: 7244 Euro kamen zusammen - neben russischen Rubeln, brasilianischen Real und allerlei anderen Währungen. In guter Tradition waren nicht nur Münzen und internationale Scheine gegeben worden. Man pflegt das Ritual. Diesmal gab es indes eine ganz besondere Spende: eine rund 30 Jahre alte Sammelkarte des damaligen Fußball-Profis vom VfL Bochum: Dariusz Wosz. Der Wert: unbekannt. Möglicherweise konnte sie später in der Klub-Lounge im Verlauf des inoffiziellen Teils des Nautischen Essens noch meistbietend versteigert werden.