Hamburg  Überzüchtung von Hunden: So sahen diese fünf beliebten Rassen vor 100 Jahren aus

Eva Kowalski
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Von Eva Kowalski
| 15.03.2025 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viele Hunderassen haben rassespezifische Erkrankungen. Das liegt unter anderem daran, dass sie über die Jahre stark überzüchtet wurden. Foto: IMAGO/Zoonar/Adelheid Möller
Viele Hunderassen haben rassespezifische Erkrankungen. Das liegt unter anderem daran, dass sie über die Jahre stark überzüchtet wurden. Foto: IMAGO/Zoonar/Adelheid Möller
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Der treue Blick eines Dackels oder das markante Profil eines Deutschen Schäferhundes – Hunderassen haben vielfältig spezifische Merkmale. Doch was viele nicht wissen: Die geliebten Vierbeiner haben sich im Laufe der Zeit oft stark verändert; nicht immer zum Besseren.

Hunde sind seit Jahrtausenden die treuen Begleiter des Menschen. Doch im Laufe der Zeit haben sich viele der beliebten Hunderassen verändert – und das oft zum Nachteil der Tiere. Denn durch gezielte Zucht haben Menschen versucht, äußere Merkmale einzelner Rassen stärker hervorzuheben. Das hatte wiederum gesundheitlichen Folgen für die Hunde. Fünf Beispiele.

Der Affenpinscher – früher gezüchtet als Stallhund, um Ratten und Mäuse zu jagen – hat sich in Bezug auf sein Fell und seine Gesichtsmerkmale stark verändert. Das Fell ist heutzutage länger und zotteliger als noch vor mehr als hundert Jahren und auch die Gesichtsbehaarung ist ausgeprägter. Zudem hat sich die damals lange Schnauze der Hunde zu einer Platten kurzen Nasenpartie entwickelt.

Das liegt unter anderem daran, dass die Zucht sich in den vergangenen Jahrzehnten darauf konzentriert hat, das charakteristische „affenartige“ Aussehen der Hunde zu verstärken. Diese starke Überzüchtung führt dazu, dass die Rasse anfällig für verschiedene Erkrankungen, wie Atemprobleme oder Hüftfehlbildungen ist.

Auch der Deutsche Schäferhund hat sich seit dem 19. Jahrhundert deutlich verändert. Vor allem im Bereich des Rückens und der Hinterläufe kann man dort eine starke Überzüchtung beobachten. Auffällig sind dabei eine heutzutage stark abfallende Rückenlinie und ein stärkerer Winkel der Hinterläufe. Auch die Größe der Tiere hat über die Jahre zugenommen. 

Ursprünglich wurde der Deutsche Schäferhund als vielseitiger Arbeitshund gezüchtet. Heutige Zuchtziele legen jedoch oft einen Schwerpunkt auf bestimmte Leistungsmerkmale, wie Beweglichkeit und Geschwindigkeit, und das extreme Erscheinungsbild. Durch diese Überzüchtung leiden viele der Hunde an gesundheitlichen Probleme wie Hüftdysplasie.

Der Mops ist ein sehr bekanntes Beispiel für die Überzüchtung von Hunden. Sein Erscheinungsbild hat sich seit dem 19. Jahrhundert stark verändert. Die Zucht des Mopses hat sich dabei auf das sogenannte „Kindchenschema“ konzentriert, was zu einer Übertreibung bestimmter Merkmale geführt hat. Die bekanntesten sind dabei die extrem flache Nase, die hervorquellenden Augen und zahlreichen Hautfalten. Zudem ist auch der Körperbau der Tiere kompakter geworden.

Diese extreme Überzüchtung führte über die Jahre zu gravierenden gesundheitlichen Problemen bei der Rasse. Beispiele dafür sind Atemnot, Augenproblemen oder auch Hautentzündungen. Glücklicherweise geht der Trend der Überzüchtung mittlerweile wieder zurück und die Gesundheit der Tiere steht wieder stärkerer im Fokus.

Während der Kurzhaardackel ursprünglich als Jagdhund für die Dachsjagd gezüchtet wurde, liegt der Fokus heute eher auf einem extremen Erscheinungsbild. Das wird dadurch deutlich, dass der Dackel, so wie wir ihn heute kennen, einen längeren und tieferen Rücken sowie kürzere Beine aufweist, als seine Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert.

Diese Merkmale wurden gezielt durch die Zucht herausgebildet, um das Erscheinungsbild des Hundes zu überzeichnen. Doch diese Überzüchtung hat Folgen: Oft leiden die Tiere an Krankheiten wie Bandscheibenvorfällen oder der für sie schmerzhaften Fehlstellung von Gelenken.

Der Dalmatiner wurde im 19. Jahrhundert noch als Begleit- und Kutschenhund gezüchtet. Heute ist die Rasse eher als Familien- oder Sporthund bekannt. Nicht nur der Zweck, sondern auch das Aussehen des Dalmatiners hat sich über die Jahre ziemlich gewandelt. Dabei ist das auffälligste Merkmal wohl die Menge und das Aussehen der rassetypischen Flecken.

Waren die Flecken in der Vergangenheit eher groß und vereinzelt, sind sie heute kleiner und dafür über den ganzen Körper verteilt. Der Körperbau an sich hat sich nur wenig verändert. Früher waren die Tiere oft muskulöser und größer. Heute sind sie eher agil und etwas kleiner. Doch auch bei ihnen haben über die Jahre die gesundheitlichen Probleme zugenommen. Viele der Hunde werden taub geboren oder erblinden im Lauf der Jahre.

Erfreulicherweise zeichnet sich in der Hundezucht ein positiver Trend ab: Immer mehr Züchter und Hundeliebhaber besinnen sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte Retro-Mops. Bei diesen Hunden wird versucht, die überzüchteten Merkmale des Mopses, wieder umzukehren.

Und dieses wachsende Bewusstsein für die negativen Folgen der Überzüchtung führt dazu, dass Zuchtziele überdacht werden. Statt extremer äußerlicher Merkmale rücken wieder die Funktionalität und Robustheit der Hunde in den Vordergrund.

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